Aus der SV-Praxis: Aktengutachten

Gerichtsakten

Gerich­te oder Ver­si­che­run­gen haben manch­mal Bedarf an Gut­ach­ten zu Anläs­sen, für die eine Befund­auf­nah­me an Din­gen nicht mehr mög­lich ist. Das kann etwa dann der Fall sein, wenn die Sache, um die es geht, nicht mehr zugäng­lich ist, etwa eine Rohr­lei­tung, die schad­haft war, inzwi­schen aber längst repa­riert und wie­der „ein­ge­mau­ert“ ist. Oder dann, wenn die betref­fen­de Sache gar nicht mehr exis­tiert. Zu bei­den Fäl­len sind aber noch Unter­la­gen vor­han­den, übli­cher­wei­se in Form eines Akts. Er ist allei­ni­ge Grund­la­ge, auf der nun ein Akten­gut­ach­ten erstellt wer­den soll. Wie geht man vor?

Nun, im Prin­zip auch nicht viel anders als bei einem „nor­ma­len“ Gut­ach­ten, aber mit etwas ande­rer Schwer­punkt­set­zung. Hier eini­ge Anmer­kun­gen dazu:

Auf­trags­an­nah­me

Die übli­chen Fra­gen „Ist der Auf­trag klar genug for­mu­liert? Bin ich der Rich­ti­ge für die­ses Gut­ach­ten? Fällt der Auf­trag in mein Fach­ge­biet?“ wer­den ergänzt um „Ist auf Grund­la­ge der Unter­la­gen ein Befund erheb­bar?“ Schon im Vor­feld der Auf­trags­an­nah­me ist eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung einer­seits mit Gut­ach­tens­auf­trag und ande­rer­seits mit dem Infor­ma­ti­ons­ge­halt der ver­füg­ba­ren Unter­la­gen erfor­der­lich. Ist – wie man so sagt – „die Sup­pe zu dünn“, ist es bes­ser, den Auf­trag zurückzulegen.

Akten­stu­di­um

„Dar­auf wäre ich auch gekom­men“, wer­den Sie jetzt den­ken. Struk­tu­ren fin­den, Zusam­men­hän­ge, Zeit­ab­läu­fe etc. sind Rou­ti­ne. Was aber wich­ti­ger als sonst sein kann: Licht­bil­der! Erfah­rungs­ge­mäß sind aber gera­de die sehr oft durch wie­der­hol­tes Kopie­ren der­art schlecht, dass nur mehr Sche­men­haf­tes erkenn­bar ist. Was tun? Die Quel­le suchen. Mit gebo­te­ner Umsicht natür­lich, da jene Betei­lig­ten nicht ger­ne Ori­gi­na­le (meist in digi­ta­ler Form) her­aus­rü­cken wer­den, die viel­leicht mit nega­ti­ven Fol­gen zu rech­nen hätten …

Zusatz­in­for­ma­tio­nen

Wenn der Infor­ma­ti­ons­ge­halt der Unter­la­gen erschöpft ist und noch Fra­gen offen sind, wird man sich nach ande­ren Infor­ma­ti­ons­quel­len umse­hen müs­sen. Kon­kret kann das etwa bedeu­ten, Her­stel­ler oder Lie­fe­ran­ten von Pro­duk­ten zu kon­tak­tie­ren, die zwar auf Bil­dern oder in Beschrei­bun­gen vor­kom­men, über die aber ansons­ten wenig bekannt ist. In einem ande­ren Bei­spiel­fall kann zwar die Form eines Ven­tils fest­ge­stellt wer­den, der Her­stel­ler ist aber nicht bekannt. Wen fra­gen? Das Web natür­lich, vor­aus­ge­setzt man weiß, wie man rich­tig recherchiert.

Modell­bil­dung

Wenn man zwar wesent­li­che Tei­le des Mosa­iks hat, der Blick aufs Gan­ze aber noch fehlt, kann die Bil­dung von Denk­mo­del­len hel­fen. Das Inter­es­san­te dar­an: ein gut gebau­tes Erklä­rungs­ge­rüst, in das die Fak­ten schlüs­sig ein­ge­glie­dert sind, muss erst mal wider­legt wer­den. Das bedeu­tet aber letzt­lich: „Wer model­liert, der regiert.“ Sprich: Er gibt die Rich­tung vor. Vor­aus­set­zung dabei ist, dass der Sach­ver­stän­di­ge sein Hand­werk wirk­lich ver­steht und aus einem rei­chen Fun­dus prak­ti­scher Erfah­rung verfügt.

Illus­tra­tio­nen

Damit sind einer­seits bild­li­che Dar­stel­lun­gen gemeint, die als Ver­deut­li­chung die­nen, wie etwa Skiz­zen von Hand oder mit­tels Gra­fik-Soft­ware her­ge­stell­te. Eine Erfah­rung dazu: Hand­skiz­zen wir­ken oft leben­di­ger, direk­ter und sind zudem meist mit wenig Auf­wand her­zu­stel­len. Gera­de Tech­ni­ker trei­ben sehr oft unnö­ti­gen Auf­wand, indem sie Gra­fi­ken mög­lichst „per­fekt“ aus­füh­ren, ohne dass sie letzt­lich mehr Infor­ma­ti­on bie­ten als eine soli­de „Hand­ar­beit“.

Licht­bil­der

Dar­über haben wir schon vor­her gespro­chen. Zu ergän­zen ist noch, dass Bil­der meist nicht von Pro­fis gemacht wur­den und zudem meis­tens nicht selbst­re­dend sind. Es mag zutref­fen, ein Bild sage mehr als tau­send Wor­te. Aber sehr oft lei­der nicht das, wor­auf es ankommt. Hier hel­fen sau­ber ein­ge­füg­te Erklä­run­gen, Pfei­le, Sym­bo­le etc., die eine Situa­ti­on deut­lich, über­sicht­lich und nach­voll­zieh­bar beschreiben.

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