Preis und Wert (3) – Stundentarife im Ingenieurbüro

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Tarife

(IRS) – Aus Jahr­zehn­ten Erfah­rung im Inge­nieur­bü­ro kennt man die Eigen­hei­ten von Pro­jek­ten für Haus- und Ener­gie­tech­nik. Eine davon ist die weit­ge­hend ein­heit­li­che Struk­tur, in der die­se ablau­fen. Sie ist im Wesent­li­chen bestimmt durch defi­nier­te Leis­tungs­pha­sen wie Vor­ent­wurf, Ent­wurf, Detail­pla­nung, Erstel­lung der Leis­tungs­ver­zeich­nis­se, Ver­ga­be, Bau­auf­sicht, Abrech­nung, Ab- und Über­nah­men. Auch Ange­bot und Abrech­nung der Leis­tun­gen des Inge­nieur­bü­ros rich­ten sich nach die­sen Ein­hei­ten. Abrech­nun­gen nach Stun­den­auf­wand unter Ansatz von Stun­den­ta­ri­fen – und um die geht es hier – sind Ausnahmen.

Stun­den­sät­ze für inter­ne Zwecke

Stun­den­sät­ze benö­tigt und kal­ku­liert das Inge­nieur­bü­ro für inter­ne Zwe­cke. Errech­net wer­den die­se ver­ein­facht gesagt aus den Kos­ten für Löh­ne oder Gehäl­ter unter Berück­sich­ti­gung der tat­säch­li­chen pro­duk­ti­ven Ver­füg­bar­keit des Mit­ar­bei­ters, der Gemein­kos­ten und eines Gewinn­zu­schla­ges. Die Her­lei­tung die­ser Stun­den­sät­ze – die auch für den mit­ar­bei­ten­den Inha­ber des Büros zu ermit­teln sind – bleibt im Regel­fall inter­ne Ange­le­gen­heit des Inge­nieur­bü­ros, tritt also nach außen nicht in Erschei­nung. Aus­ge­nom­men ist der Fall, dass der Auf­trag­ge­ber aus­drück­lich deren Offen­le­gung ver­langt, was bei Pro­jek­ten, die aus öffent­li­chen Gel­dern finan­ziert wer­den, der Fall sein kann.

Kal­ku­la­ti­on einer Leis­tung nach „Bot­tom-Up“

Ist nun ein bestimm­tes Pro­jekt zu einem Bau­vor­ha­ben anzu­bie­ten, könn­te das Büro den gewünsch­ten Ange­bots­preis auf Grund­la­ge sei­ner inter­nen Stun­den­sät­ze und der geschätz­ten Zeit­auf­wen­dun­gen für die ein­zel­nen Leis­tungs­pha­sen ermit­teln. Zu berück­sich­ti­gen wären Grö­ßen­ord­nung, Bear­bei­tungs­um­fang und Schwie­rig­keits­grad des Pro­jekts, sowie die sons­ti­gen Anfor­de­run­gen der Pro­jekt­be­trei­ber und poten­zi­el­len Auf­trag­ge­ber. Für ein gut orga­ni­sier­tes Inge­nieur­bü­ro wäre die­se Her­an­ge­hens­wei­se nach der „Bot­tom-Up-Metho­de“ kein Pro­blem. – Aller­dings läuft es in der Pra­xis nicht auf die­se Art!

Die Rol­le stan­dar­di­sier­ter Leis­tungs- und Verdingungsmodelle

Denn in eben die­ser rea­len Pra­xis­welt des Pro­jekt­ge­schäfts herrscht eher die „Top-Down-Metho­de“, in der Stun­den­sät­ze zunächst nicht vor­ran­gig von Bedeu­tung sind. Was ist damit gemeint? Nun, im Pla­nungs­we­sen für das Bau­fach und alle damit ver­bun­de­nen Gewer­ke exis­tie­ren Leis­tungs- und Ver­din­gungs­mo­del­le, die auf lang­jäh­ri­gen Erfah­run­gen beru­hen. Dar­in sind für die ein­zel­nen Leis­tungs­pha­sen detail­lier­te Leis­tungs­be­schrei­bun­gen ent­hal­ten, die eine recht rasche Ori­en­tie­rung und Fest­le­gung der damit ver­bun­de­nen Preis­bän­der für Ange­bo­te erlau­ben. So weit, so gut! Aber damit ist die gan­ze Sache noch nicht erledigt!

Der „Top-Down“-Ansatz

Denn in der Pra­xis beginnt dann erst der Wett­kampf um einen Auf­trag, der meis­tens dar­in besteht, dass auf die gemäß Leis­tungs- und Ver­din­gungs­mo­del­len ermit­tel­ten Ange­bots­prei­se Nach­läs­se ver­langt und gewährt wer­den. Der Bil­ligst­bie­ter ist zwar nicht auto­ma­tisch der Best­bie­ter, weil für Aus­schrei­bun­gen neben dem Preis sehr oft auch ande­re Ver­ga­be­kri­te­ri­en eine Rol­le spie­len wie etwa Erfah­rung, Refe­ren­zen, Leis­tungs­kraft, Boni­tät etc. Aber unbe­strit­ten blei­ben muss, dass für den, der einen Auf­trag ver­gibt, der Ange­bots­preis wohl das wich­tigs­te und damit ent­schei­den­de Ver­ga­be­kri­te­ri­um dar­stellt. Was uns zum eigent­li­chen „Top-Down“ führt.

Das Dilem­ma des Billigstbieters

Die Aus­füh­run­gen hier sind zwar stark ver­ein­fa­chend, ich den­ke aber, dass sie die geleb­te Rea­li­tät wider­spie­geln. Denn was nach Auf­trags­er­tei­lung im sieg­rei­chen Inge­nieur­bü­ro geschieht – ja um des wirt­schaft­li­chen Über­le­bens wil­len gesche­hen muss – ist nichts ande­res als ein Feil­schen mit sich sel­ber. Die Kern­fra­ge lau­tet: Wie schaf­fen wir es, mit dem uns ver­blie­be­nen Bud­get eine gera­de noch ver­tret­ba­re und annehm­ba­re Leis­tung zu erbrin­gen? Tat­sa­che ist doch, dass ein Dilem­ma bleibt: Ent­we­der man erbringt die gefor­der­te Leis­tung zur Gän­ze und zahlt dabei drauf, oder man schlu­dert aufs Mini­mum hin und ris­kiert Zores mit dem Auf­trag­ge­ber. – Ein paar der­ar­ti­ge Auf­trä­ge hin­ter­ein­an­der sind ein siche­rer Weg ins wirt­schaft­li­che Out.

Der Aus­weg: Eine ande­re Art von Kunden …

Ein schnel­ler Aus­weg aus der obi­gen Situa­ti­on scheint nicht mög­lich, weil ein Inge­nieur­bü­ro, so es auf Dau­er erfolg­reich sein will, in den Leis­tun­gen für sei­ne Kun­den schon von vorn­her­ein eine Stra­te­gie der per­ma­nen­ten Wert­stei­ge­rung ver­fol­gen muss. Das bedeu­tet ers­tens, dass ein sol­ches Inge­nieur­bü­ro gar nie in die Situa­ti­on kom­men darf, sich auf Preis­schlach­ten ein­las­sen zu müs­sen, was bedeu­tet, dass man an „heiß begehr­ten“ Pro­jek­ten, um die sich vie­le bal­gen, schlicht und ergrei­fend kein Inter­es­se hat. Denn man bemüht sich aus­schließ­lich um Kun­den, die soli­de Arbeit wert­schät­zen und mit denen der Auf­bau lang­fris­ti­ger Bezie­hun­gen mög­lich ist.

die Wert­stei­ge­rung hono­rie­ren und Stun­den­ta­ri­fe zweit­ran­gig behandeln

Soll die fach­lich-sach­li­che Qua­li­tät der Arbeit auf einem hohen Wert gehal­ten wer­den, ist dies nur bei aus­rei­chend hohen finan­zi­el­len Erträ­gen mög­lich. Des Wei­te­ren muss die­se Qua­li­tät dem Kun­den gegen­über stets gehal­ten, nach­ge­wie­sen und von ihm auch wahr­ge­nom­men und geschätzt wer­den. Dar­aus ergibt sich ein dau­er­haf­tes Ver­trau­ens­ver­hält­nis, in dem Preis­fra­gen in gutem Ein­ver­neh­men gere­gelt wer­den und die Höhe von ver­rech­ne­ten Stun­den­ta­ri­fen als zweit­ran­gig erach­tet wird. Stun­den­ta­ri­fe, deren Höhe in der Fol­ge auch für Sach­ver­stän­di­gen­tä­tig­keit wich­tig ist. Davon dem­nächst mehr.

(Wird fort­ge­setzt)

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