Nebenjob Gutachter

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SV

Der Titel klingt zuge­ge­ben ein wenig schnodd­rig, wenn man unter einem „Job“ ledig­lich eine Beschäf­ti­gung zum Zweck des Geld­ver­die­nens ver­steht. Denn im Gegen­satz zu einem so ver­stan­de­nen „Job“ setzt die Tätig­keit als Gut­ach­ter – oder Sach­ver­stän­di­ger – nicht nur ent­spre­chen­de Eig­nung vor­aus, son­dern ver­langt auch ein gewis­ses Herz­blut. Rich­tig aber ist die Zuord­nung, dass die Beschäf­ti­gung als Gut­ach­ter einem Beruf ähnelt. Für sich gese­hen stellt sie aber kei­nen eigen­stän­di­gen Beruf dar. Das ein­fach des­halb, weil sie auf Wis­sen, Ein­sicht und Erfah­rung aus einer lau­fen­den Berufs­tä­tig­keit zurück­grei­fen muss.

Dass ich den Titel trotz­dem gewählt habe, liegt dar­in, dass ich genau sol­che Berufs­tä­ti­ge her­aus­for­dern möch­te, sich mit dem Gut­ach­ter- und Sach­ver­stän­di­gen­we­sen aus­ein­an­der­zu­set­zen. In Kennt­nis mei­nes Wirt­schafts­um­felds gehe ich davon aus, dass es sehr vie­le Selbst­stän­di­ge gibt, aber auch Unselbst­stän­di­ge, die das Poten­ti­al zum Sach­ver­stän­di­gen hät­ten. Sie ver­füg­ten über alle for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen, könn­ten auf die dazu erfor­der­li­che Aus­bil­dung ver­wei­sen und hät­ten die nöti­ge Erfah­rung. Aber sie las­sen eine gro­ße Chan­ce zur per­sön­li­chen und beruf­li­chen Wei­ter­ent­wick­lung ungenützt.

Denk­an­stö­ße

War­um das so ist, kann ich nicht sagen. Ich ver­mu­te, dass den meis­ten der Erwähn­ten die­ser mög­li­che Seit­wärts­schritt in eine par­al­le­le Lauf­bahn berufs­ähn­li­cher Art nicht bekannt ist. Oder aber ihnen ist die Mög­lich­keit dazu zwar bekannt, sie emp­fin­den sich aber nicht als geeig­net. Oder sie besit­zen für den ent­schei­den­den Schritt zu wenig Selbst­ver­trau­en. Für alle die­se Leu­te will ich eini­ge Denk­an­stö­ße geben, die ihnen Hil­fe sein könn­ten, sich aus einer schein­bar beque­men, aber in Wahr­heit läh­men­den Untä­tig­keit zu erhe­ben und den Pfad in eine in vie­ler Hin­sicht loh­nen­de­re Zukunft einzuschlagen.

1. Aus­sicht auf Zuverdienst

Man­che fra­gen sich: Was habe ich davon, vor allem in mate­ri­el­ler Hin­sicht? Ant­wort: Rich­tig gemach­te und daher erfolg­rei­che gut­ach­ter­li­che Tätig­keit wird gut ent­lohnt! Das ist beson­ders des­halb inter­es­sant, weil dazu in ers­ter Linie Wis­sen und Erfah­rung, die schon vor­han­den sind, bes­ser genutzt wer­den kön­nen. Heu­te ver­wen­det man den Begriff „Mone­ta­ri­sie­rung“ für das Zu-Geld-Machen von imma­te­ri­el­len Wer­ten. So gese­hen liegt enorm viel an Per­so­nen gebun­de­nes Wis­sen brach, das für bestimm­te Auf­trag­ge­ber – und dazu gehö­ren nicht nur Gerich­te – von hohem Nut­zen sein könnte.

2. Zwei­tes Stand­bein für Selbstständige

Vie­le selbst­stän­dig Täti­ge sind auf der Suche nach Erwei­te­rung ihrer Geschäfts­fel­der. Man spricht von Diver­si­fi­zie­rung, was nichts ande­res bedeu­tet als sei­ne Akti­vi­tä­ten auf ver­schie­de­ne Schwer­punk­te auf­zu­tei­len, um z. B. kon­junk­tur- oder sai­son­be­ding­te Schwan­kun­gen der Auf­trags­la­ge aus­zu­glei­chen. Gut­ach­ter­li­che Beauf­tra­gun­gen kom­men zwar anlass­be­zo­gen und sind daher nicht vor­aus plan­bar, las­sen sich gemäß eige­ner Erfah­rung aber übli­cher­wei­se sehr gut in den Arbeits­ab­lauf inte­grie­ren. Dies haupt­säch­lich des­halb, weil für Gut­ach­ten­ser­stel­lun­gen fast immer ein aus­rei­chen­der Zeit­raum zur Ver­fü­gung steht.

3. Neue Per­spek­ti­ven für Unselbständige

Selbst­ver­ständ­lich haben auch Inter­es­sier­te in einem Arbeits- oder Ange­stell­ten­ver­hält­nis die Mög­lich­keit, Sach­ver­stän­di­ge zu wer­den und die dazu not­wen­di­gen Schrit­te zu set­zen. Es emp­fiehlt sich aber, mit dem Arbeits­ge­ber dies­be­züg­lich Ein­ver­neh­men zu suchen. Eine Ver­ei­di­gung als Gerichts­sach­ver­stän­di­ger kann auch eine Auf­wer­tung in der beruf­li­chen Stel­lung oder eine Ände­rung der Kar­rie­re-Lauf­bahn mit sich brin­gen. Zu beden­ken ist aller­dings, dass die Arbeit als Gut­ach­ter außer­halb der regu­lä­ren Arbeits­zeit erfol­gen wird müs­sen. Auch kann die Ter­min­set­zung etwa für ört­li­che Befund­auf­nah­men Beur­lau­bun­gen erfordern.

Anstoß für posi­ti­ve Veränderungen

Die Erfah­rung hat gezeigt, dass die Beschäf­ti­gung als Sach­ver­stän­di­ger und die damit ver­bun­de­ne Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung in Men­schen Rei­fungs­pro­zes­se und gra­vie­ren­de Ver­än­de­run­gen aus­lö­sen kön­nen: Manch ein Ange­stell­ter fühlt sich in sei­ner Stel­lung zuneh­mend ein­ge­engt und drängt in die Selbst­stän­dig­keit. Man­cher Selbst­stän­di­ger wie­der­um lagert ein Mehr an sei­ner Tätig­keit in den Sach­ver­stän­di­gen aus, weil er sieht, dass sei­ne Exper­ti­se ande­ren hilft und von ihnen wert­ge­schätzt wird. Gemein­sam ist allen, dass Sach­ver­stän­di­ger sein mehr für sie ist als ein blo­ßer „Job“. Es ist eine Beru­fung, die zu neu­en Erfah­run­gen und Erleb­nis­sen führt, die man – im Rück­blick gese­hen – nicht mis­sen möchte.

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