Gericht weist Einspruch gegen Honorar ab

Wert

Ein­sprü­che gegen die Höhe des Hono­rars eines Sach­ver­stän­di­gen kom­men hin und wie­der vor. In den meis­ten Fäl­len wer­den sie von der Sei­te vor­ge­bracht, für die das Ver­fah­ren wegen des Gut­ach­tens­er­geb­nis­ses nicht sehr vor­teil­haft aus­sieht. Alt­ge­dien­te Sach­ver­stän­di­ge sind dar­auf vor­be­rei­tet oder bes­ser gesagt, dage­gen gewapp­net. Das bedeu­tet im Klar­text, dass jede, auch noch so klei­ne Posi­ti­on in der Gebüh­ren­no­te – so heißt die Hono­rar­no­te bei Gericht – im Anlass­fall ganz genau belegt und begrün­det wer­den muss. Wie wich­tig die­se Sorg­falt ist, zeigt sich an jenem Fall, den ich gera­de erlebt habe.

Das Ver­fah­ren hat sich über zwei Jah­re hin­ge­zo­gen. Schon nach Abga­be des Gut­ach­tens hat­te der Rechts­ver­tre­ter der beklag­ten Par­tei schrift­lich sei­ne Ableh­nung eini­ger der in Rech­nung gestell­ten Posi­tio­nen kund­ge­tan. So stieß er sich nicht nur an der Höhe des Stun­den­ta­rifs und der Anzahl der in Rech­nung gestell­ten Stun­den, son­dern auch an der Höhe einer ver­rech­ne­ten Park­ge­bühr (12 Euro inklu­si­ve USt.), die für die Zeit einer Gerichts­ver­hand­lung aus­ge­wie­sen wor­den war. Es wären genü­gend Zonen­park­plät­ze zur Ver­fü­gung gestan­den, sie zu benüt­zen wäre bil­li­ger gekommen.

Nach­wei­se, Nachweise …

Der Rich­ter hat mich dar­auf­hin auf­ge­for­dert, zu den Äuße­run­gen des Beklag­ten­ver­tre­ters Stel­lung zu neh­men. Das war leicht mach­bar. Für den Stun­den­ta­rif konn­te ich ein Dut­zend Hono­rar­no­ten vor­le­gen, aus denen her­vor­ging, dass mein außer­ge­richt­lich erziel­ter Stun­den­satz etwa 25 Pro­zent höher lag, oder anders gesagt, dass ich dem Gericht auf mei­nen nor­ma­len Stun­den­ta­rif einen Nach­lass von 20 Pro­zent gewährt hat­te. Obwohl dazu nicht ver­pflich­tet, leg­te ich auch mei­ne Stun­den­auf­zeich­nun­gen vor, aus denen sich zeig­te, dass ich sogar eini­ge Stun­den weni­ger ver­rech­net hat­te, als tat­säch­lich ange­fal­len waren.

… auch für die kleins­ten Beträge

Ja und natür­lich war da auch der Park­schein, den ich ger­ne vor­leg­te und der exakt den ver­rech­ne­ten Betrag nach­wei­sen konn­te. Dazu brach­te ich noch das Argu­ment vor, dass ich mich als von aus­wärts Anrei­sen­der nicht dar­auf ver­las­sen kön­ne, recht­zei­tig und in zumut­ba­rer Ent­fer­nung in der Zone einen Park­platz zu fin­den, ich also auf eine Park­ga­ra­ge ange­wie­sen sei. – Alle Nach­wei­se pack­te ich in ein Kon­vo­lut zusam­men, das ich umge­hend dem Gericht zukom­men ließ. Bei all dem muss­te und konn­te ich ruhig blei­ben und nüch­tern die Fak­ten prä­sen­tie­ren. Auf Sar­kas­mus oder Iro­nie ver­zich­te­te ich, obwohl mir das zuge­ge­ben nicht ganz leichtfiel.

Zum Ende des Verfahrens …

Unlängst kam es zu einer letz­ten Ver­neh­mung der Par­tei­en, mit der mei­ne Diens­te im Ver­fah­ren been­det waren. Am Schluss über­gab ich mei­ne vor­be­rei­te­te Gebüh­ren­no­te. Der Stun­den­ta­rif wur­de wie­der prompt beein­sprucht, hin­ge­gen – man höre und stau­ne – dies­mal nicht die ange­setz­te Park­ge­bühr! Der Rich­ter mein­te, er wer­de sich die Gebüh­ren­sa­che noch anse­hen und dann eine Ent­schei­dung tref­fen. Den Kos­ten­vor­schuss setz­te er aber vor­sichts­hal­ber in vol­ler Höhe fest. Ein, zwei Tage danach kam vom Beklag­ten­ver­tre­ter noch der Wunsch, ein in mei­nem Gut­ach­ten erwähn­tes E‑Mail nach­zu­rei­chen. Das war’s dann.

… gab es eine gute Nachricht

Zwei Wochen spä­ter flat­ter­te der Beschluss des Gerichts zu die­ser Sache in mein Büro. Die Höhe des Hono­rars – oder der Gebühr – wur­de dar­in in der ver­rech­ne­ten Höhe aner­kannt. Zuerst ein­mal hat mir das Schrei­ben Freu­de berei­tet, denn wer freut sich nicht, wenn sei­ne nicht immer ein­fa­che Arbeit belohnt wird und sein “Kampf“ für eine ange­mes­se­ne Ent­loh­nung nicht umsonst war. Des Wei­te­ren ist das Schei­ben aber auf sei­ne Art lehr­reich, weil es noch­mals auf­zeigt, wor­auf es ankommt, wenn man sein Hono­rar auch wirk­lich in vol­ler Höhe bekom­men will. Ich gebe daher den Beschluss und die Begrün­dung nach­fol­gend weit­ge­hend unge­kürzt, aber anony­mi­siert (und nicht for­ma­tiert) wieder.

BESCHLUSS

(…)

I. Die Gebüh­ren des Sach­ver­stän­di­gen … wer­den wie folgt bestimmt:

1.) für sein schrift­li­ches Gut­ach­ten (Gebüh­ren­no­te ON ..):

Fahrt­kos­ten 60 km mit eige­nem PKW à EUR 0,42 EUR 25,20

Kos­ten für die Bei­zie­hung von Hilfs­kräf­ten EUR 60,00

Sons­ti­ge Kos­ten – 1 Pau­scha­le Büro­auf­wand EUR 30,00

Ent­schä­di­gung für Zeit­ver­säum­nis 2 Stun­den Fahrt­zeit à EUR 28,00 EUR 56,00

Gebühr für Mühe­wal­tung 14 Stun­den bis 31.12.2020 à EUR 262,00 EUR 3.668,00

Gebühr für Mühe­wal­tung 13 Stun­den ab 1.1.2021 à EUR 272,00 EUR 3.536,00

Akten­stu­di­um EUR 6,50

Sum­me EUR 7.381,70

20% Umsatz­steu­er EUR 1.476,34

Park­ge­bühr EUR 12,00

Gesamt (gerun­det) EUR 8.870,00

2.) für die Vor­be­rei­tung und Teil­nah­me an der Ver­hand­lung vom … Kos­ten­auf­stel­lung ON …):

Fahrt­kos­ten 60 km mit eige­nem PKW à EUR 0,42 EUR 25,20

Ent­schä­di­gung für Zeit­ver­säum­nis 2 Stun­den Fahrt­zeit à EUR 28,00 EUR 56,00

Gebühr für Mühe­wal­tung 4 Stun­den ab 1.1.2022 à EUR 282,00 EUR 1.128,00

Sum­me EUR 1.209,20

Umsatz­steu­er EUR 241,84

Park­ge­bühr EUR 13,50

Gesamt (gerun­det) EUR 1.464,00

II. Die Buch­hal­tungs­agen­tur des Bun­des wird ange­wie­sen, nach Rechts­kraft die­ses Beschlus­ses an zur Deckung der bestimm­ten Sach­ver­stän­di­gen­ge­büh­ren an … auf des­sen Kon­to bei …, IBAN …, unter Berück­sich­ti­gung des bereits aus­be­zahl­ten Akon­tos ins­ge­samt EUR 4.334,00 zu über­wei­sen, und zwar

1) aus dem Kos­ten­vor­schuss der kla­gen­den Par­tei­en ZO Nr. … EUR 2.000,00 (in Wor­ten Euro zweitausend),

2.) aus dem Kos­ten­vor­schuss der kla­gen­den Par­tei­en ZO Nr. … EUR 1.364,00 (in Wor­ten Euro neunhundertvierunddreißig),

3) aus dem Kos­ten­vor­schuss der beklag­ten Par­tei ZO Nr. … EUR 970,00 (in Wor­ten Euro neunhundertsiebzig). 

BEGRÜNDUNG:

Zu I:

Der Sach­ver­stän­di­ge ver­zeich­ne­te für sein schrift­li­ches Gut­ach­ten (inklu­si­ve einer vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­hand­lung) EUR 8.870,04 (ON …). Dage­gen erhob die beklag­te Par­tei Ein­wen­dun­gen, wor­in die Anzahl der unter Mühe­wal­tung ver­zeich­ne­ten Stun­den sowie die Höhe des Stun­den­sat­zes bemän­gelt wur­den. Fer­ner brach­te die beklag­te Par­tei vor, zwar einer­seits gegen die Park­ge­büh­ren (und die wei­te­ren Posi­tio­nen) kei­ne Ein­wen­dun­gen zu erhe­ben, ande­rer­seits dass die Kos­ten des Par­kens in der Kurz­park­zo­ne in … deut­lich bil­li­ger sei­en als – wie ver­zeich­net – in der Park­ga­ra­ge. In der Tag­sat­zung vom … ver­zeich­ne­te der Sach­ver­stän­di­ge wei­te­re EUR 1.464,54 (ON …). Dage­gen erhob die beklag­te Par­tei Ein­wen­dun­gen, wonach der Stun­den­satz über­höht sei.

Die Gebühr für Mühe­wal­tung steht den Sach­ver­stän­di­gen für die Auf­nah­me des Befun­des und die Erstat­tung des Gut­ach­tens zu und deckt alle damit im Zusam­men­hang ent­stan­de­nen Kos­ten, soweit dafür nicht nach den Bestim­mun­gen des GebAG ein geson­der­ter Ersatz vor­ge­se­hen ist. Die Gebühr ist nach rich­ter­li­chem Ermes­sen nach der auf­ge­wen­de­ten Zeit und Mühe und nach den Ein­künf­ten zu bestim­men, die die oder der Sach­ver­stän­di­ge für eine glei­che oder ähn­li­che Tätig­keit im außer­ge­richt­li­chen Erwerbs­le­ben übli­cher­wei­se bezö­ge, min­des­tens aber mit 20 Euro für jede wenn auch nur begon­ne­ne Stun­de (§ 34 Abs 1 GebAG). 

Der Sach­ver­stän­di­ge hat beschei­nigt, dass er im außer­ge­richt­li­chen Erwerbs­le­ben im Jahr 2021 einen Stun­den­satz von EUR 340,00 net­to und im Jahr 2020 und davor von zwi­schen EUR 320,00 und EUR 328,00 net­to ver­dien­te (ON ..). Es ist auch nicht davon aus­zu­ge­hen, dass der außer­ge­richt­li­che Stun­den­satz im Jahr 2022 gerin­ger wur­de. Die vom Sach­ver­stän­di­gen her­an­ge­zo­ge­nen Stun­den­sät­ze lie­gen jeweils deut­lich unter den beschei­nig­ten Stun­den­sät­zen. Ein Fall des § 34 Abs 2 GebAG liegt nicht vor. Auch die Gren­zen des § 34 Abs 3 GebAG sind nicht anzu­wen­den, da die­se nur dann gel­ten, wenn kein ande­res Ein­kom­men nach­ge­wie­sen wur­de. Die Stun­den­sät­ze sind daher angemessen.

Bei der Berech­nung der einem Sach­ver­stän­di­gen für sei­ne Mühe­wal­tung zuste­hen­den Gebühr ist von den vom Sach­ver­stän­di­gen ange­ge­be­nen Stun­den aus­zu­ge­hen, solan­ge deren Unrich­tig­keit nicht fest­ge­stellt wird (RIS-Jus­tiz RS0059228). Der Sach­ver­stän­di­ge hat eine Stun­den­auf­zeich­nung über­mit­telt, die nach­voll­zieh­bar ist und sogar eine höhe­re als die ver­zeich­ne­te Stun­den­an­zahl auf­weist. Es besteht kei­ne Ver­an­las­sung, an der Rich­tig­keit die­ser Auf­stel­lung zu zweifeln.

Die Park­ge­büh­ren wur­den beschei­nigt. Im Hin­blick auf die Park­platz­not in grö­ße­ren Städ­ten gebührt dem Sach­ver­stän­di­gen der Ersatz der Kos­ten für die Inan­spruch­nah­me einer gebüh­ren­pflich­ti­gen Park­ge­le­gen­heit (Krammer/Schmidt/Guggenbichler, SDG-GebAG4 § 28 GebAG E 10).

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