Der grüne Wahn des Westens hat Putin gestärkt

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Energie

Micha­el Shel­len­ber­ger ist ein an sozia­len und poli­ti­schen Pro­ble­men inter­es­sier­ter ame­ri­ka­ni­scher Best­sel­ler-Autor, der sich mit dem The­men­kreis Kli­ma und Ener­gie schon sehr lan­ge beschäf­tigt hat. Er sieht sich als Umwelt­schüt­zer und Kli­ma­ak­ti­vist, hat aber sei­ne ein­sei­ti­ge und alar­mis­ti­sche Sicht all­mäh­lich durch einen nüch­ter­nen Blick auf die Pro­ble­me unse­rer Zeit ersetzt. In einem Arti­kel, der am 1. März auf der Online-Platt­form Sub­stack erschie­nen ist (zum Ori­gi­nal hier), setzt er sich mit der Situa­ti­on in der Ukrai­ne, ihren Aus­wir­kun­gen auf die Ener­gie­ver­sor­gung und den Feh­lern des Wes­tens auseinander.

Wäh­rend wir Plas­tik­stroh­hal­me ver­bie­ten, bohrt Russ­land (nach Öl und Gas) und ver­dop­pelt die Kernenergieproduktion.

(So lau­tet der Unter­ti­tel des Arti­kels, den ich wie­der mit Hil­fe von Deepl Trans­la­te über­setzt habe. Kom­men­ta­re dazu erspa­re ich mir dies­mal, da der Arti­kel für sich sel­ber spricht.)

Wie hat Wla­di­mir Putin – ein Mann, der ein Land regiert, des­sen Wirt­schaft klei­ner ist als die von Texas und des­sen durch­schnitt­li­che Lebens­er­war­tung 10 Jah­re unter der von Frank­reich liegt – es geschafft, einen unpro­vo­zier­ten Groß­an­griff auf die Ukrai­ne zu starten?

Auf die­se Fra­ge gibt es eine tief­grei­fen­de psy­cho­lo­gi­sche, poli­ti­sche und fast zivi­li­sa­to­ri­sche Ant­wort: Er will mehr, dass die Ukrai­ne Teil Russ­lands ist, als der Wes­ten, dass sie frei ist. Um dies zu errei­chen, ist er bereit, enor­me Ver­lus­te an Men­schen­le­ben und Schät­zen zu ris­kie­ren. Die Bereit­schaft der USA und Euro­pas, sich mili­tä­risch zu enga­gie­ren, stößt an erns­te Gren­zen. Und Putin weiß das.

Was in die­ser Erklä­rung jedoch fehlt, ist eine Geschich­te über die mate­ri­el­le Rea­li­tät und grund­le­gen­de wirt­schaft­li­che Zusam­men­hän­ge – zwei Din­ge, die Putin viel bes­ser zu ver­ste­hen scheint als sei­ne Kol­le­gen in der frei­en Welt und ins­be­son­de­re in Europa.

Putin weiß, dass Euro­pa 3,6 Mil­lio­nen Bar­rel Öl pro Tag pro­du­ziert, aber 15 Mil­lio­nen Bar­rel Öl pro Tag ver­braucht. Putin weiß, dass Euro­pa 230 Mil­li­ar­den Kubik­me­ter Erd­gas pro Jahr för­dert, aber 560 Mil­li­ar­den Kubik­me­ter ver­braucht. Er weiß, dass Euro­pa 950 Mil­lio­nen Ton­nen Koh­le pro Jahr ver­braucht, aber nur halb so viel produziert.

Der ehe­ma­li­ge KGB-Agent weiß, dass Russ­land 11 Mil­lio­nen Bar­rel Öl pro Tag pro­du­ziert, aber nur 3,4 Mil­lio­nen ver­braucht. Er weiß, dass Russ­land heu­te über 700 Mil­li­ar­den Kubik­me­ter Gas pro Jahr pro­du­ziert, aber nur etwa 400 Mil­li­ar­den ver­braucht. Russ­land för­dert jedes Jahr 800 Mil­lio­nen Ton­nen Koh­le, ver­braucht aber nur 300.

So kommt es, dass Russ­land etwa 20 Pro­zent des euro­päi­schen Öls, 40 Pro­zent des Gases und 20 Pro­zent der Koh­le liefert. 

Die Rech­nung ist ein­fach. Ein Kind könn­te das machen.

Der Grund, war­um Euro­pa kei­ne mus­ku­lö­se Abschre­ckungs­dro­hung hat­te, um eine rus­si­sche Aggres­si­on zu ver­hin­dern – und in der Tat die USA dar­an hin­der­te, Ver­bün­de­te dazu zu brin­gen, mehr zu tun – ist, dass es Putins Öl und Gas braucht. 

Die Fra­ge ist, warum.

Wie ist es mög­lich, dass sich die euro­päi­schen Län­der, ins­be­son­de­re Deutsch­land, in den 30 Jah­ren seit dem Ende des Kal­ten Krie­ges in eine sol­che Abhän­gig­keit von einem auto­ri­tä­ren Land bege­ben haben? 

Und so geht’s: Die­se Län­der sind von einer wahn­haf­ten Ideo­lo­gie beherrscht, die sie unfä­hig macht, die har­ten Rea­li­tä­ten der Ener­gie­er­zeu­gung zu ver­ste­hen. Die grü­ne Ideo­lo­gie besteht dar­auf, dass wir kei­ne Kern­ener­gie und kein Frack­ing brau­chen. Sie besteht dar­auf, dass es nur eine Fra­ge des Wil­lens und des Gel­des ist, auf erneu­er­ba­re Ener­gien umzu­stei­gen – und zwar schnell. Sie besteht dar­auf, dass wir eine „Wachs­tums­rück­nah­me“ in der Wirt­schaft brau­chen und dass uns das „Aus­ster­ben“ der Mensch­heit droht. (Ich muss es wis­sen, ich war selbst ein­mal einer der dar­an geglaubt hat.)

John Ker­ry, der Kli­ma­be­auf­trag­te der Ver­ei­nig­ten Staa­ten, hat die Kurz­sich­tig­keit die­ser Sicht­wei­se per­fekt ein­ge­fan­gen, als er in den Tagen vor dem Krieg sag­te, dass die rus­si­sche Inva­si­on in der Ukrai­ne „natür­lich tief­grei­fen­de nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf das Kli­ma haben könn­te. Wenn man einen Krieg führt, hat das natür­lich mas­si­ve Aus­wir­kun­gen auf die Emis­sio­nen. Aber eben­so wich­tig ist, dass man die Auf­merk­sam­keit der Men­schen ver­lie­ren wird.“

Aber es war die Kon­zen­tra­ti­on des Wes­tens auf die Hei­lung des Pla­ne­ten durch „sanf­te Ener­gie“, erneu­er­ba­re Ener­gien und die Abkehr von Erd­gas und Kern­ener­gie, die es Putin ermög­lich­te, die Ener­gie­ver­sor­gung Euro­pas in den Wür­ge­griff zu nehmen.

Wäh­rend der Wes­ten in eine hyp­no­ti­sche Trance ver­fiel, in der es um die Hei­lung sei­ner Bezie­hung zur Natur, die Abwen­dung der Kli­maa­po­ka­lyp­se und die Anbe­tung eines Teen­agers namens Gre­ta ging, mach­te Wla­di­mir Putin sei­ne Züge.

Wäh­rend er im eige­nen Land die Kern­ener­gie aus­bau­te, damit Russ­land sein wert­vol­les Öl und Gas nach Euro­pa expor­tie­ren konn­te, ver­brach­ten die west­li­chen Regie­run­gen ihre Zeit und Ener­gie damit, sich mit dem „Koh­len­stoff-Fuß­ab­druck“ zu beschäf­ti­gen, einem Begriff, der von einer Wer­be­fir­ma im Auf­trag von Bri­tish Petro­le­um kre­iert wur­de. Sie haben Plas­tik­stroh­hal­me wegen der wis­sen­schaft­li­chen Haus­auf­ga­ben eines 9‑jährigen kana­di­schen Kin­des ver­bo­ten. Sie bezahl­ten für stun­den­lan­ge The­ra­pien gegen „Kli­ma­angst“.

While Putin expan­ded Russia’s oil pro­duc­tion, expan­ded natu­ral gas pro­duc­tion, and then dou­bled nuclear ener­gy pro­duc­tion to allow more exports of its pre­cious gas, Euro­pe, led by Ger­ma­ny, shut down its nuclear power plants, clo­sed gas fields, and refu­sed to deve­lop more through advan­ced methods like fracking.

Die Zah­len erzäh­len die Geschich­te am bes­ten. Im Jahr 2016 kamen 30 Pro­zent des von der Euro­päi­schen Uni­on ver­brauch­ten Erd­ga­ses aus Russ­land. Im Jahr 2018 stieg die­se Zahl auf 40 Pro­zent an. Im Jahr 2020 waren es fast 44 Pro­zent, und Anfang 2021 fast 47 Prozent.

Trotz sei­ner Schwär­me­rei für Putin wider­setz­te sich Donald Trump im Jahr 2018 dem diplo­ma­ti­schen Pro­to­koll und rüg­te Deutsch­land öffent­lich für sei­ne Abhän­gig­keit von Mos­kau. „Deutsch­land ist, soweit es mich betrifft, in der Gefan­gen­schaft Russ­lands, weil es so viel Ener­gie aus Russ­land bezieht“, sag­te Trump. Dies ver­an­lass­te die dama­li­ge deut­sche Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel, die in höf­li­chen Krei­sen als letz­te ernst­zu­neh­men­de Füh­rungs­per­sön­lich­keit des Wes­tens gelobt wor­den war, zu der Aus­sa­ge, dass ihr Land „unse­re eige­ne Poli­tik machen und unse­re eige­nen Ent­schei­dun­gen tref­fen kann“.

Das Ergeb­nis ist die schlimms­te glo­ba­le Ener­gie­kri­se seit 1973, die die Prei­se für Strom und Ben­zin welt­weit in die Höhe treibt. Im Grun­de han­delt es sich um eine Kri­se der unzu­rei­chen­den Ver­sor­gung. Aber die Knapp­heit ist völ­lig konstruiert.

Die Euro­pä­er – ange­führt von Per­sön­lich­kei­ten wie Gre­ta Thun­berg und füh­ren­den Ver­tre­tern der Euro­päi­schen Grü­nen Par­tei und unter­stützt von Ame­ri­ka­nern wie John Ker­ry – glaub­ten, dass eine gesun­de Bezie­hung zur Erde eine Ver­knap­pung der Ener­gie erfor­dert. Durch die Umstel­lung auf erneu­er­ba­re Ener­gien wür­den sie der Welt zei­gen, wie man leben kann, ohne dem Pla­ne­ten zu scha­den. Aber das war ein Wunsch­traum. Man kann kein gan­zes Strom­netz mit Son­nen- und Wind­ener­gie ver­sor­gen, denn Son­ne und Wind sind unbe­stän­dig, und die der­zeit ver­füg­ba­ren Bat­te­rien sind nicht ein­mal bil­lig genug, um gro­ße Men­gen Strom über Nacht zu spei­chern, geschwei­ge denn über eine gan­ze Jah­res­zeit hinweg.

Im Diens­te der grü­nen Ideo­lo­gie hat man das Per­fek­te zum Feind des Guten gemacht – und der Ukraine.

Bei­spiel Deutschland.

Den grü­nen Kam­pa­gnen ist es gelun­gen, die deut­sche Ener­gie­un­ab­hän­gig­keit zu zer­stö­ren – sie nen­nen es Ener­gie­wen­de -, indem sie den poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­gern erfolg­reich eine eigen­ar­ti­ge Ver­si­on des Umwelt­schut­zes ver­kauft haben. Sie bezeich­nen den Kli­ma­wan­del als kurz­fris­ti­ge apo­ka­lyp­ti­sche Bedro­hung für das Über­le­ben der Mensch­heit und rümp­fen gleich­zei­tig die Nase über die Tech­no­lo­gien, die am meis­ten und am schnells­ten zur Bekämp­fung des Kli­ma­wan­dels bei­tra­gen kön­nen: Atom­kraft und Erdgas.

Um die Jahr­tau­send­wen­de wur­de in Deutsch­land etwa 30 Pro­zent des Stroms mit Kern­ener­gie erzeugt. Aber Deutsch­land hat sich von sei­nen zuver­läs­si­gen, kos­ten­güns­ti­gen Kern­kraft­wer­ken getrennt. (Thun­berg bezeich­ne­te die Kern­ener­gie als „extrem gefähr­lich, teu­er und zeit­auf­wän­dig“, obwohl der Inter­na­tio­na­le Aus­schuss für Kli­ma­wan­del der Ver­ein­ten Natio­nen sie für not­wen­dig hält und jede grö­ße­re wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chung die Kern­ener­gie als die sichers­te Metho­de zur Erzeu­gung zuver­läs­si­ger Ener­gie ansieht.)

Bis 2020 hat­te Deutsch­land sei­nen Anteil an der Kern­kraft von 30 Pro­zent auf 11 Pro­zent redu­ziert. Dann, am letz­ten Tag des Jah­res 2021, schal­te­te Deutsch­land die Hälf­te sei­ner ver­blei­ben­den sechs Kern­re­ak­to­ren ab. Die ande­ren drei sol­len Ende die­ses Jah­res abge­schal­tet wer­den. (Zum Ver­gleich: Das benach­bar­te Frank­reich deckt 70 Pro­zent sei­nes Strom­be­darfs mit koh­len­stoff­frei­en Kernkraftwerken).

Deutsch­land hat auch groß­zü­gig in wet­ter­ab­hän­gi­ge erneu­er­ba­re Ener­gien inves­tiert – in der Grö­ßen­ord­nung von 36 Mil­li­ar­den Dol­lar pro Jahr – vor allem in Son­nen­kol­lek­to­ren und indus­tri­el­le Wind­tur­bi­nen. Aber auch die­se haben ihre Pro­ble­me. Solar­mo­du­le müs­sen irgend­wo auf­ge­stellt wer­den, und ein Solar­kraft­werk in Euro­pa benö­tigt 400- bis 800-mal mehr Land als Erd­gas- oder Kern­kraft­wer­ke, um die glei­che Ener­gie­men­ge zu erzeu­gen. Für Solar­an­la­gen muss Acker­land abge­holzt wer­den. Und Solar­ener­gie wird heut­zu­ta­ge vor allem des­halb bil­li­ger, weil Euro­pas Ange­bot an Solar­mo­du­len durch Skla­ven­ar­beit in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern als Teil von Chi­nas Völ­ker­mord an den uigu­ri­schen Mus­li­men her­ge­stellt wird.

Das Fazit ist, dass man nicht genug für Kli­ma­initia­ti­ven aus­ge­ben kann, um die Din­ge zu ver­bes­sern, wenn man Atom­kraft und Gas igno­riert. Zwi­schen 2015 und 2025 wer­den Deutsch­lands Bemü­hun­gen um eine umwelt­freund­li­che­re Ener­gie­er­zeu­gung 580 Mil­li­ar­den Dol­lar gekos­tet haben. Doch trotz die­ser enor­men Inves­ti­tio­nen kos­tet deut­scher Strom immer noch 50 Pro­zent mehr als der des atom­strom­freund­li­chen Frank­reichs, und sei­ne Erzeu­gung ver­ur­sacht acht­mal mehr Koh­len­stoff­emis­sio­nen pro Ein­heit. Außer­dem bezieht Deutsch­land mehr als ein Drit­tel sei­ner Ener­gie aus Russland.

Deutsch­land hat sich selbst eine Fal­le gestellt. Es könn­te mehr Koh­le ver­bren­nen und damit sei­ne Ver­pflich­tung zur Ver­rin­ge­rung der Koh­len­stoff­emis­sio­nen unter­lau­fen. Oder es könn­te mehr Erd­gas ein­set­zen, das nur halb so viel Koh­len­stoff­emis­sio­nen ver­ur­sacht wie Koh­le, aber um den Preis der Abhän­gig­keit von impor­tier­tem rus­si­schen Gas. Ber­lin stand vor der Wahl, ent­we­der den Zorn Putins auf die Nach­bar­län­der los­zu­las­sen oder den Zorn von Gre­ta Thun­berg auf sich zu zie­hen. Die Wahl fiel auf Putin.

Auf­grund die­ser poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen könn­te Wla­di­mir Putin die Gas­zu­fuhr nach Deutsch­land abstel­len und die Fähig­keit der Deut­schen, zu kochen oder sich warm zu hal­ten, schnell gefähr­den. Er oder sein Nach­fol­ger wer­den die­se Macht für jeden vor­her­seh­ba­ren Win­ter inne­ha­ben, sofern sich nicht etwas ändert. Das ist so, als ob Sie wüss­ten, dass Hacker Ihre Bank­da­ten gestoh­len haben, Sie aber Ihr Pass­wort nicht ändern wollen.

Aus die­sem Grund hat Deutsch­land die neue Regie­rung Biden erfolg­reich dar­um gebe­ten, sich nicht gegen eine umstrit­te­ne neue Gas­pipe­line aus Russ­land namens Nord Stream 2 zu stel­len. Dies stand im Wider­spruch zu den Prio­ri­tä­ten einer umwelt­be­wuss­ten Regie­rung: Am ers­ten Tag von Bidens Prä­si­dent­schaft bestand eine der ers­ten Amts­hand­lun­gen dar­in, die Key­stone-XL-Ölpipe­line von Kana­da in die USA im Diens­te der Kli­ma­ideo­lo­gie zu stop­pen. Aber die rus­si­sche Pipe­line war zu wich­tig, um die glei­che Behand­lung zu erfah­ren, wenn man bedenkt, wie abhän­gig Deutsch­land von rus­si­schen Impor­ten ist. (Nach dem Ein­marsch Russ­lands wur­de Deutsch­land schließ­lich dazu gebracht, Nord Stream 2 vor­erst zu stoppen.)

Als die ame­ri­ka­ni­schen Sank­tio­nen gegen die größ­ten rus­si­schen Ban­ken letz­te Woche in Abspra­che mit den euro­päi­schen Ver­bün­de­ten ange­kün­digt wur­den, waren Ener­gie­pro­duk­te natür­lich aus­drück­lich aus­ge­nom­men, damit Russ­land und Euro­pa wei­ter­hin ihre schmut­zi­gen Geschäf­te machen kön­nen. Eini­ge Stim­men for­der­ten, Russ­land dort zu tref­fen, wo es wirk­lich weh tut: die Unter­bin­dung von Ener­gie­im­por­ten. Was jedoch tat­säch­lich geschah, war, dass sich die euro­päi­schen Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men dar­auf stürz­ten, mehr Ver­trä­ge für das rus­si­sche Öl und Gas zu kau­fen, das durch die Ukrai­ne fließt. Das liegt dar­an, dass sie nach den Angrif­fen der Umwelt­schüt­zer auf die Kern­ener­gie und den Import von Frack­ing-Gas aus Ame­ri­ka der­zeit kei­ne ande­ren guten Optio­nen haben. Es gibt kei­nen aktu­el­len Plan für die Ener­gie­ver­sor­gung Euro­pas, der nicht den Kauf bei Putin vorsieht.

Wir soll­ten den Ein­marsch Russ­lands in die Ukrai­ne als Weck­ruf ver­ste­hen. Wenn wir uns für die west­li­che Zivi­li­sa­ti­on ein­set­zen wol­len, brau­chen wir dies­mal bil­li­ge, reich­lich vor­han­de­ne und zuver­läs­si­ge Ener­gie­lie­fe­run­gen, die im eige­nen Land oder in ver­bün­de­ten Län­dern pro­du­ziert wer­den. Natio­na­le Sicher­heit, Wirt­schafts­wachs­tum und Nach­hal­tig­keit erfor­dern eine stär­ke­re Abhän­gig­keit von Kern­kraft und Erd­gas und weni­ger von Son­nen­kol­lek­to­ren und Wind­rä­dern, die Strom zu teu­er machen.

Als ers­tes und nahe­lie­gends­tes soll­te Prä­si­dent Biden den deut­schen Bun­des­kanz­ler Scholz auf­for­dern, die drei Atom­re­ak­to­ren, die Deutsch­land im Dezem­ber abge­schal­tet hat, wie­der in Betrieb zu neh­men. Ein wich­ti­ger Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung kam am Sonn­tag, als Vize­kanz­ler Robert Habeck, der Wirt­schafts- und Kli­ma­mi­nis­ter, ankün­dig­te, dass Deutsch­land zumin­dest in Erwä­gung zie­hen wür­de, sei­nen Atom­aus­stieg zu stop­pen. Wenn Deutsch­land die­se drei Kraft­wer­ke wie­der in Betrieb nimmt und die Plä­ne zur Abschal­tung der drei ande­ren auf­gibt, dürf­ten die­se sechs Kraft­wer­ke genug Strom erzeu­gen, um 11 Mil­li­ar­den Kubik­me­ter Erd­gas pro Jahr zu erset­zen – ein Ach­tel des der­zei­ti­gen Bedarfs in Deutschland.

Zwei­tens brau­chen wir eine kon­zer­tier­te Akti­on unter der Lei­tung von Biden, dem Kon­gress und ihren kana­di­schen Amts­kol­le­gen, um die Öl- und Erd­gas­pro­duk­ti­on in Nord­ame­ri­ka deut­lich zu stei­gern und die Ener­gie­si­cher­heit unse­rer Ver­bün­de­ten in Euro­pa und Asi­en zu gewähr­leis­ten. Nord­ame­ri­ka ist rei­cher an Ener­gie, als man sich träu­men lässt. Ja, es wird teu­rer sein als rus­si­sches Gas, das über Pipe­lines gelie­fert wird. Aber es wür­de bedeu­ten, dass Euro­pa sich mit Putins Krieg gegen die Ukrai­ne befas­sen könn­te, anstatt ihn zu finanzieren.

Umwelt­schüt­zer leh­nen die­se Ter­mi­nals wegen ihrer ideo­lo­gi­schen Ableh­nung jeg­li­cher brenn­ba­rer Brenn­stof­fe ab. Daher ist es ein gutes Zei­chen, dass Bun­des­kanz­ler Scholz am Sonn­tag Plä­ne für den Bau von zwei die­ser Ter­mi­nals für den Emp­fang von nord­ame­ri­ka­ni­schem Gas ankün­dig­te, zusam­men mit der Ankün­di­gung umfang­rei­cher neu­er Mili­tär­aus­ga­ben, um Russ­land zu begegnen.

Drit­tens müs­sen die USA auf­hö­ren, Kern­kraft­wer­ke abzu­schal­ten, und mit dem Bau von Kern­kraft­wer­ken begin­nen. Jedes Land soll­te in die nächs­te Gene­ra­ti­on von Kern­brenn­stoff­tech­no­lo­gien inves­tie­ren und gleich­zei­tig aner­ken­nen, dass die der­zei­ti­ge Gene­ra­ti­on von Leicht­was­ser­re­ak­to­ren unser bes­tes Mit­tel ist, um im eige­nen Land Ener­gie zu erzeu­gen, und zwar ohne Emis­sio­nen, genau jetzt. Was Sie über Abfäl­le gehört haben, ist meist Pseu­do­wis­sen­schaft. Die Lage­rung gebrauch­ter Brenn­stä­be ist ein tri­via­les Pro­blem, das welt­weit bereits durch die Auf­be­wah­rung in Stahl- und Beton­be­häl­tern gelöst wur­de. Je mehr Atom­strom wir erzeu­gen, des­to weni­ger Öl und Gas müs­sen wir ver­bren­nen. Und des­to weni­ger wird der Wes­ten von Russ­land kau­fen müssen.

Putins unnach­gie­bi­ge Kon­zen­tra­ti­on auf die Ener­gie­wirk­lich­keit hat ihn in eine stär­ke­re Posi­ti­on gebracht, als ihm jemals hät­te zuge­stan­den wer­den dür­fen. Es ist noch nicht zu spät für den Rest des Wes­tens, die Welt vor tyran­ni­schen Regi­men zu ret­ten, die durch unse­ren eige­nen Ener­gie-Aber­glau­ben ermäch­tigt wurden.

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