Neues aus dem Narrenturm (#2)

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Turm

In der Turm­stu­be herrsch­te woh­li­ge Ruhe. Das Fla­ckern des Kamin­feu­ers sorg­te für eine unnach­ahm­lich hei­me­li­ge Atmo­sphä­re. Selbst das Ticken der schwe­ren Pen­del­uhr im Hin­ter­grund ver­moch­te nicht zu stö­ren, son­dern glich in sei­ner Gleich­mä­ßig­keit eher einem beru­hi­gen­den Herz­schlag. Die Drei im Raum hat­ten seit einer Wei­le geschwie­gen, jeder in Gedan­ken und beque­mem Gestühl ver­sun­ken. Hier war kein Platz für laut­star­kes Debat­tie­ren. Kur­ze Dis­kus­sio­nen ver­ebb­ten bald, so wie die Flam­men im Kamin all­mäh­lich klei­ner wur­den, dann zu erlö­schen schie­nen und bald nur noch ein oran­ge­far­be­ner Glut­hü­gel dahingloste.

Der Neue erhob sich schwung­voll und leg­te ein gro­ßes Holz­scheit nach. „Wir hei­zen hier mit Holz, daher umwelt­freund­lich und CO2-neu­tral“ mein­te er mit zufrie­de­nem Unterton.

Die Män­ner sahen dem Glo­sen schwei­gend zu, bis am Scheit die ers­te klei­ne Flam­me hochzüngelte.

Der Eine, den sie hier den Pro­fes­sor nann­ten, räus­per­te sich: „Wer hat Dir den Unsinn erzählt?“

„Aber das ist doch All­ge­mein­wis­sen. Holz­ver­bren­nen wird sogar sehr geför­dert. Es hin­ter­lässt kei­ner­lei CO2-Dings…“ wand­te der Neue etwas ver­dutzt ein.

„Blöd­sinn!“ unter­brach der Pro­fes­sor barsch.

„Beim Ver­bren­nen von Holz wird so viel CO2 frei wie von Koh­le. Deut­lich mehr als aus Öl oder Gas. Das zeigt eine ein­fa­che Ver­bren­nungs­be­rech­nung. Dass man ein­hei­mi­sches Holz ver­brennt, erspart natür­lich Impor­te von Öl und Gas und macht uns weni­ger abhän­gig … nur dem soge­nann­ten „Kli­ma­schutz“ bringt das nichts, auch wenn das alle behaup­ten mögen. Denn CO2 ist und bleibt CO2, egal woher es kommt…“ Der Pro­fes­sor rück­te sei­ne Bril­le zurecht und fass­te den Neu­en ins Auge. „Du bist noch nicht lan­ge hier, das ver­zeiht vie­les. Es braucht eben Zeit, von den Halb­wahr­hei­ten drau­ßen loszukommen.“

Der Neue gab nicht auf. „Aber das CO2 aus den Bäu­men war doch vor­her in der Luft, war dann im Holz, ist jetzt wie­der in der Luft, ein Kreis­lauf also, und es wird dann wie­der gebunden.“

„Wann ist dann?“

„Was weiß ich, irgend­wann, bald, in ein paar Tagen viel­leicht, oder Wochen, Mona­ten …“ Des Neu­en Stim­me klang jetzt unsicher.

„Die Ver­weil­dau­er von CO2 in der Atmo­sphä­re beträgt eher Jahr­hun­der­te oder gar Jahr­tau­sen­de!“ mel­de­te sich von hin­ten die sono­re Stim­me der Eule.

„Sagt zumin­dest Wiki­pe­dia in sei­nem Arti­kel über glo­ba­le Erwär­mung.“ Der Gesichts­aus­druck des Alten, den sie Eule nann­ten, ähnel­te tat­säch­lich frap­pant dem anti­ken Sym­bol für Weisheit.

„Sofern man die­ser Quel­le in Hin­sicht auf Bei­trä­ge zum Kli­ma über­haupt trau­en kann,“ füg­te die Eule hin­zu. „In Bezug auf den soge­nann­ten mensch­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del gleicht die­se Platt­form ansons­ten ja eher einem Pro­pa­gan­da­in­stru­ment der Klimaaktivisten.“

Eine Wei­le herrsch­te ange­spann­te Stil­le, nur das Knis­tern des Feu­ers und das Ticken der Uhr waren zu hören.

„Aber wenn es Jahr­hun­der­te dau­ert und das CO2 wirk­lich so gefähr­lich ist, wie die Kli­ma-Panik­ma­cher sagen, dann soll­te man ja bes­ser gar nix mehr ver­bren­nen …“ platz­te es aus dem Neu­en her­aus. „Wie­so wird dann das Ver­bren­nen von Holz sogar geför­dert, wenn das so viel CO2 macht wie Koh­le? Und war­um wird Ver­bren­nen von Öl und Gas, das weni­ger CO2 als Holz ver­ur­sacht, schlecht gemacht und bald viel­leicht sogar verboten?“

„Nur ein Narr traut sich, so etwas zu fra­gen…“ seufz­te der Pro­fes­sor nach­denk­lich. „Ant­wort hab‘ ich kei­ne. Die musst Du drau­ßen suchen…“

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