Behaglichkeit

Wünsche

„Som­mer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Win­ter zu kalt war.“*) Die­ses Zitat von Mark Twa­in erin­nert uns auf über­spitz­te Art dar­an, wie sehr Wohl­be­fin­den und Leis­tungs­fä­hig­keit vom Zustand unse­rer unmit­tel­ba­ren Lebens­welt abhän­gen. Die Mehr­heit der Men­schen hält sich heut­zu­ta­ge zum größ­ten Teil ihrer Zeit in Gebäu­den auf. Die­se beträcht­li­che Zeit­span­ne will man mög­lichst ange­nehm ver­brin­gen. Das Bemü­hen um ein gesun­des oder zumin­dest akzep­ta­bles Raum­kli­ma hat daher einen hohen Stel­len­wert bekom­men. Anlass genug, sich eini­ger grund­le­gen­den Zusam­men­hän­ge bewusst zu werden.

Behag­lich­keit ist natür­lich eine sub­jek­ti­ve Ange­le­gen­heit und daher für jeden etwas anders gege­ben. Einer fühlt sich in der Som­mer­hit­ze gera­de rich­tig wohl, wenn dem Büro­nach­barn schon der Schweiß aus allen Poren rinnt. Umge­kehrt ist jemand wegen sei­ner dicken Klei­dung im Win­ter mit einer nied­ri­gen Raum­tem­pe­ra­tur gut drauf, wäh­rend die Haus­ge­nos­sin mit den Zäh­nen klap­pert. Wegen all die­ser Unter­schied­lich­kei­ten lässt sich nicht ein­heit­lich defi­nie­ren, ob ein Raum nun behag­lich ist oder nicht. Statt­des­sen begnügt man sich mit einer Fest­le­gung, die das Emp­fin­den einer über­wie­gen­den Mehr­heit als Maß nimmt.

Die maß­geb­li­chen Größen

Was sind nun die ent­schei­den­den Grö­ßen, die auf den mensch­li­chen Kör­per ein­wir­ken und zusam­men das Maß der Behag­lich­keit bestim­men? Ver­mut­lich wird jeder sofort an die Raum­tem­pe­ra­tur den­ken. Die­se an einem Ther­mo­me­ter leicht ables­bar Grö­ße hat natür­lich einen ent­schei­den­den Ein­fluss. Des Wei­te­ren ist noch die Feuch­tig­keit der Luft sehr stark maß­geb­lich. Nicht zu unter­schät­zen ist die Geschwin­dig­keit der Raum­luft, zu star­ker Luft­zug wird als unan­ge­nehm emp­fun­den. Letzt­lich ist noch die Qua­li­tät der Raum­luft von Bedeu­tung, die regel­mä­ßig erneu­ert wer­den muss, nie­mand will sich in sti­cki­ger Luft aufhalten.

Luft­tem­pe­ra­tur ist nicht gleich Raumtemperatur

Am Zim­mer­ther­mo­me­ter lässt sich die Luft­tem­pe­ra­tur able­sen. Sie ist jedoch nicht allein aus­schlag­ge­bend für die Tem­pe­ra­tur, die unser Kör­per emp­fin­det. Es besteht auch ein beträcht­li­cher Ein­fluss der Tem­pe­ra­tur, den die umge­ben­den Flä­chen – in einem Raum eben Wän­de, Decke und Fuß­bo­den – auf­wei­sen. Käl­te­re Flä­chen neh­men vom Kör­per abstrah­len­de Wär­me auf, war­me oder hei­ße Flä­chen erwär­men den Kör­per. Die­se Strah­lung kann ange­nehm sein, aber auch Pro­ble­me ver­ur­sa­chen. Gro­ße Glas­flä­chen bei­spiels­wei­se, auf die die Son­ne scheint, strah­len unan­ge­nehm, Son­nen­schutz kann eine Über­wär­mung abfangen.

Luft­feuch­te

War­me Luft, wie sie im Som­mer gege­ben ist, kann viel Feuch­tig­keit auf­neh­men. Zu viel Feuch­tig­keit führt zu unan­ge­neh­mer, schwü­ler Luft. In vie­len Büros ist es auch wegen der im Raum durch Elek­tro­ge­rä­te auf­tre­ten­de Abwär­me sehr ver­brei­tet und auch meist not­wen­dig gewor­den, ein Kühl­ge­rät zu instal­lie­ren oder eine Kli­ma­an­la­ge. In den Kühl­re­gis­tern wird nicht nur die Luft abge­kühlt, son­dern es fällt auch Kon­dens­was­ser an, das abge­lei­tet wer­den muss. Im Win­ter tritt das ent­ge­gen­ge­setz­te Pro­blem auf. Die Luft drau­ßen kann wenig Feuch­tig­keit hal­ten, beim Erwär­men wird die Raum­luft zu tro­cken, Befeuch­tung kann erfor­der­lich werden.

Luft­ge­schwin­dig­keit

Wenn es sehr heiß wird, kann man ver­su­chen, mit­tels Ven­ti­la­tor Luft­be­we­gung zu erzeu­gen. Durch die Strö­mung wird Schweiß von der Haut­ober­flä­che abge­führt. Men­schen sind aber bei nor­ma­ler Luft­tem­pe­ra­tur dann sehr emp­find­lich gegen sol­che Luft­strö­mun­gen, wenn deren Geschwin­dig­keit ein bestimm­tes Maß über­schrei­tet. Das ist sehr wich­tig, wenn eine Arbeits­stät­te etwa in einem Büro­haus über eine Lüf­tungs­an­la­ge ver­fügt. Der Luft­aus­tausch zum Zweck der Erneue­rung führt zwangs­läu­fig zu Luft­strö­mun­gen. Für Büros gibt es über die Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung sehr genaue gesetz­li­che Rege­lun­gen, die vor­ge­ben, wie groß höchst­zu­läs­si­ge Strö­mungs­ge­schwin­dig­kei­ten sein dürfen.

Luft­qua­li­tät

Jeder weiß, dass es in einem Raum, der nicht gelüf­tet wird, zu unan­ge­neh­men Zustän­den kommt. Die Luft wird sti­ckig, abge­stan­den und geruchs­be­la­den. Letz­te­res nicht nur durch mensch­li­che Aus­düns­tun­gen, son­dern auch durch Abga­be von Stof­fen aus Ein­rich­tun­gen und Aus­stat­tungs­ele­men­ten, wie Tex­ti­li­en. Zwar ist im Regel­fall ein Sau­er­stoff­man­gel nicht gege­ben, aber die Gerü­che kön­nen zu unan­ge­neh­men Gefüh­len füh­ren. Wenn aber Beden­ken bestehen, dass gesund­heits­ge­fähr­den­de Stof­fe im Spiel sein könn­ten, las­sen sich sol­che sehr rasch und genau bestimmen.

Gefah­ren feh­len­der Behaglichkeit

Bei dau­ern­dem Auf­ent­halt kann sich unzu­rei­chen­de oder feh­len­de Behag­lich­keit nega­tiv auf die Gesund­heit aus­wir­ken. Von Bedeu­tung ist zum Bei­spiel die Tat­sa­che, dass Arbeits­leis­tung und Auf­merk­sam­keit bei zu hohen Tem­pe­ra­tu­ren sehr stark sin­ken. Das führt nicht nur zur zwangs­läu­fig zu Ver­lang­sa­mung von Tätig­kei­ten, son­dern kann etwa bei ent­spre­chen­der beruf­li­cher Betä­ti­gung stei­gen­de Unfall­ge­fähr­dung nach sich zie­hen. Aber auch für Büro­ar­beit mit über­wie­gend geis­ti­ger Beschäf­ti­gung ist die zuneh­men­de Feh­ler­ge­fahr nicht zu unterschätzen.

*) ent­nom­men aus www.aphorismen.de

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