Ein Gesundheits-Check anderer Art

·

·

, ,

GesundheitKnall­har­te Fra­ge: Sind Sie sicher, dass Sie wirk­lich gesund sind? Ganz­heit­lich, wie man so sagt, also kör­per­lich, see­lisch, geis­tig? Naja, wer­den Sie viel­leicht ein­wen­den, ers­tens hat jeder so sei­ne Weh­weh­chen und zwei­tens, bit­te schön, was hat so eine Fra­ge in einem Blog zu suchen, der sich haupt­säch­lich mit Sach­ver­stän­di­gen, Frei­be­ruf­lern, mit Tech­nik und ähn­li­chem Zeugs beschäf­tigt. Kur­ze Ant­wort: Sehr viel, wenn nicht alles! Denn geis­ti­ge Dienst­leis­tun­gen kann auf Dau­er nur jemand erfolg­reich erbrin­gen, der wirk­lich rund­her­um fit ist. Und wel­che Merk­ma­le ein gesun­der Mensch haben muss, lehr­te schon Abra­ham Maslow …

… von dem wir alle die „Bedürf­nis­py­ra­mi­de“ ken­nen oder zumin­dest ken­nen soll­ten. Für alle, die mit dem Namen den­noch nichts anfan­gen kön­nen: Er war ein bekann­ter und ein­fluss­rei­cher Psy­cho­lo­ge des 20. Jahr­hun­derts, ein Wis­sen­schaft­ler, der sich – was weni­ger bekannt ist – auch inten­siv mit der Fra­ge beschäf­tigt hat, was einen gesun­den Men­schen aus­macht. Einen Bericht dar­über habe ich im fas­zi­nie­ren­den Buch „Der sechs­te Kond­ra­tieff“ von Leo und Simo­ne Nefio­dow gefun­den, aus dem ich nach­ste­hend aus­zugs­wei­se zitiere.

Was macht Gesund­heit aus?

Maslow begann eine Stu­die, um das Wesen der Gesund­heit an gesun­den Men­schen zu erfor­schen. „Als ich begann, die psy­chi­sche Gesund­heit zu unter­su­chen, wähl­te ich die her­vor­ra­gends­ten und gesün­des­ten Per­so­nen aus, die bes­ten Exem­pla­re der Mensch­li­chen Art, die ich fin­den konn­te, und unter­such­te ihre Eigen­schaf­ten. Sie waren sehr anders, in man­cher Hin­sicht über­ra­schend anders als der Durch­schnitt … Ich habe vie­le Lek­tio­nen von die­sen Leu­ten gelernt, aber eine ist hier von beson­de­rer Bedeu­tung: Ich fand, dass die­se Men­schen häu­fig berich­te­ten, so etwas wie Mys­ti­sche Erleb­nis­se gehabt zu haben (peak expe­ri­en­ces), Momen­te von tie­fer Ehr­furcht, Momen­te inten­sivs­ten Glücks oder sogar der Ver­zü­ckung, Eksta­se oder Selig­keit, weil das Wort Glück manch­mal zu schwach ist, um die­se Erfah­rung zu beschreiben.“

Spi­ri­tu­el­les spielt mit

Nun war Maslow ein ange­se­he­ner Wis­sen­schaft­ler und die Begeg­nung mit den spi­ri­tu­el­len Erfah­run­gen der unter­such­ten Per­so­nen war für ihn Neu­land: „Das Weni­ge, das ich bis dahin über mys­ti­sche Erfah­run­gen gele­sen hat­te, brach­te sie mit Reli­gi­on in Ver­bin­dung, mit Visio­nen des Über­na­tür­li­chen. Und wie die meis­ten Wis­sen­schaft­ler hat­te ich ungläu­big die Nase dar­über gerümpft und alles als Unsinn abge­tan, als Hal­lu­zi­na­ti­on oder Hys­te­rie viel­leicht, als höchst­wahr­schein­lich patho­lo­gisch. … Aber die Men­schen, die mir das erzähl­ten oder über sol­che Erfah­run­gen schrie­ben, waren nicht krank. Es waren die gesün­des­ten Men­schen, die ich fin­den konnte.

So, und alle sei­ne Erkennt­nis­se hat Abra­ham Maslow in die­ser Lis­te zusammengefasst:

——–

Merk­ma­le gesun­der Menschen

1. Sie besit­zen eine bes­se­re Wahr­neh­mung der Rea­li­tät (Fähig­keit, Men­schen und Sach­ver­hal­te rich­tig zu beurteilen)

2. Sie kön­nen sich selbst, ande­re und die Natur akzep­tie­ren (Kei­ne „Tarn­far­be“, Ver­tei­di­gung oder Pose. Abnei­gung gegen geküns­telt sein, Lüge, Heu­che­lei, Ein­druck schinden)

3. Sie besit­zen Natür­lich­keit, Spon­ta­nei­tät und Ein­fach­heit (Sie las­sen sich nicht durch Kon­ven­ti­on von wich­ti­gen Auf­ga­ben abhal­ten. Bescheidenheit)

4. Sie sind pro­blem­ori­en­tiert (pro­blem- und sach­ori­en­tiert, nicht ich-orientiert)

5. Sie haben ein Bedürf­nis nach Pri­vat­heit (Ohne Unbe­ha­gen allein sein können)

6. Sie sind auto­nom, aktiv und wachs­tums­ori­en­tiert (Unab­hän­gig­keit von der phy­si­schen und sozia­len Umwelt. Antrieb durch Wachs­tums- und Leistungsmotivation)

7. Sie besit­zen eine unver­brauch­te Wert­schät­zung (Grund­le­gen­de Lebens­gü­ter wer­den mit Ehr­furcht, Freu­de und Stau­nen geschätzt)

8. Sie wur­den von mys­ti­schen Erfah­run­gen geprägt (Ich-Ver­lust und Erfah­rung der Transzendenz)

9. Sie besit­zen Gemein­schafts­ge­fühl (Tie­fes Gefühl der Iden­ti­fi­ka­ti­on, Sym­pa­thie und Zuneigung)

10. Sie kön­nen die Ich-Gren­ze über­schrei­ten (Inten­si­ve inter­per­so­nel­le Beziehungen)

11. Sie haben eine demo­kra­ti­sche Cha­rak­ter­struk­tur (Freund­li­cher Umgang mit Men­schen unge­ach­tet der Klas­se, Ras­se, Erzie­hung, des Glaubens)

12. Sie besit­zen eine star­ke ethi­sche Ver­an­la­gung (fes­te mora­li­sche Nor­men. Kei­ne chro­ni­sche Unsi­cher­heit hin­sicht­lich des Unter­schieds zwi­schen rich­tig und falsch)

13. Ihr Humor ist phi­lo­so­phisch, nicht feind­se­lig (Sie lachen nicht über feind­se­li­ge, ver­let­zen­de oder Überlegenheitswitze)

14. Gesun­de Men­schen sind ohne Aus­nah­me krea­tiv (Sie leis­ten Wider­stand gegen Anpassungsdruck)

——

Soweit die Lis­te. Es kann ohne Fra­ge sehr wert­voll sein, sie Punkt für Punkt durch­zu­ge­hen und sich sel­ber kri­tisch zu prü­fen. Viel Spaß dabei und gute Erkennt­nis­se zum eige­nen Nut­zen und dem Ihrer Mitmenschen!

—–

P.S.: Inter­es­sant ist, wie die Geschich­te mit Maslow wei­ter­ging. Offen­bar haben ihn die Ergeb­nis­se sei­ner For­schun­gen selbst sehr beein­druckt und zum Nach­den­ken gebracht. Wie ich Wiki­pe­dia ent­neh­me, hat er in sei­ner letz­ten Lebens- und Schaf­fens­pha­se die „Tran­szen­den­ta­le Psy­cho­lo­gie“ gegrün­det. Und – was auch Weni­ge wis­sen oder was ein­fach über­se­hen wird – die fünf Stu­fen der Bedürf­nis­py­ra­mi­de um eine sechs­te Stu­fe ganz oben ergänzt: Transzendenz.

Weitere Beiträge

Kategorien

Suche

Archiv

Stichwörter

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert