Führen durch Dienen

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Die Begrif­fe „Die­nen“ oder gar „Die­ner“ sind nicht posi­tiv besetzt. „Dienst­leis­tun­gen“ gehen aber durch, das klingt nicht emo­tio­nal son­dern sach­lich, schließ­lich machen sol­che einen wesent­li­chen Teil der Wert­schöp­fung unse­rer Gesell­schaft aus und drü­cken ihr auch den Namen auf. Mit der Erwäh­nung der zuerst genann­ten Begrif­fe stei­gen aber Bil­der aus der geschicht­li­chen Ver­gan­gen­heit auf: Die­ner als unter­wür­fi­ge und von Wohl­wol­len abhän­gi­ge Befehls­emp­fän­ger höhe­rer Gesell­schafts­schich­ten. Auf die Gegen­wart bezo­gen aber ein völ­lig fal­sches Bild, hat Die­nen für sehr vie­le Dienst­leis­ter doch schlicht­weg mit Füh­ren zu tun.

Die Rol­le frü­he­rer Diener

Das Nega­ti­ve hängt viel­leicht mit unse­rem Bild zusam­men, das einer deut­li­chen Kor­rek­tur bedarf: Auch in der Ver­gan­gen­heit war ein rich­ti­ger Die­ner mehr als ein wil­len­lo­ser Lakai. Er wuss­te, wo es lang­geht, ver­lieh dem Leben sei­ner Her­ren Struk­tur und Stüt­ze, mach­te sie auf Wich­ti­ges auf­merk­sam, ver­such­te Kom­men­des ein­zu­schät­zen und Unbill abzu­weh­ren. Die­ner wur­den sosehr zu Ver­trau­ten, die alle Eigen­hei­ten der Herr­schaft kann­ten, dass eine enge Bezie­hung ent­ste­hen muss­te. Das so sehr, dass in vie­len Fäl­len der Die­ner ange­hal­ten war, stark füh­rend auf den Lebens­ab­lauf des Vor­ge­setz­ten einzuwirken.

Die Rol­le vie­ler Dienst­leis­ter heute

Was das alles mit dem moder­nen Dienst­leis­ter zu tun hat? Nun, die Par­al­le­len sind doch offen­sicht­lich, wenn wir uns die Rol­le anse­hen, die heu­te bei­spiels­wei­se jene aus­fül­len, die als Bera­ter, Pla­ner oder Sach­ver­stän­di­ge erfolg­reich unter­wegs sind:

-       Sie haben eine gute Bezie­hung zu denen, für die sie tätig sind in der Wei­se, dass sie aus tie­fer und auf­rich­ti­ger Über­zeu­gung her­aus ande­ren dabei hel­fen wol­len, ihre Pro­ble­me zu lösen und für sie das Bes­te zu erreichen.

-       Ihre Arbeit ist für sie eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit, sie sind in guter Absicht Die­ner, die im posi­ti­ven Sin­ne aus ihrem Kön­nen her­aus die Füh­rung über­neh­men, ohne dabei den Auf­trag­ge­ber zu übergehen.

-       Sie sind stets dar­auf bedacht, das zu leis­ten oder zu lie­fern, was sie ver­spro­chen haben, was ihr Auf­trag­ge­ber for­dert und ver­su­chen auch her­aus­zu­fin­den und zu erfül­len, was er sich unaus­ge­spro­chen erwartet.

-       Letzt­lich sind sie sich der Tat­sa­che bewusst, dass es sehr lan­ge braucht, eine trag­fä­hi­ge Ver­trau­ens­be­zie­hung zum Kun­den auf­zu­bau­en, dass eine sol­che Bezie­hung aber bei Nach­läs­sig­kei­ten sehr schnell zer­stört wer­den kann.

Das sind nur eini­ge der Ver­hal­tens­wei­sen, die zum Cha­rak­ter eines vor­bild­li­chen Dienst­leis­ters gehö­ren. Gemein­sam ist ihnen, dass sie einem tief ver­wur­zel­ten Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein entspringen.

Wer dient, hat Führungsverantwortung

Ver­ant­wor­tung bedeu­tet ja letzt­lich, Ant­wort zu geben auf und Ver­ant­wor­tung für Din­ge, die man tut und für Ergeb­nis­se, auf die man hin­ar­bei­tet. und sie begrün­den kön­nen. Die­se Füh­rungs­ver­ant­wor­tung darf aber nicht in die Rich­tung lau­fen, dass der Dienst­leis­ter stets den Ansin­nen und Absich­ten des Auf­trag­ge­bers wil­len­los folgt. Ins­be­son­de­re dann, wenn letz­te­rer unab­sicht­lich oder gar wil­lent­lich Auf­ga­ben erteilt, die der Dienst­leis­ter ent­we­der aus per­sön­li­chen Vor­be­hal­ten oder wegen Ver­stoß gegen Geset­ze oder gute Sit­ten ein­fach nicht erfül­len kann und will. Er weiß sehr genau, dass es bes­ser ist, auf einen Auf­trag zu ver­zich­ten, der sei­ne Inte­gri­tät ver­let­zen und ihn sei­nen Ruf kos­ten kann, und sei die­ser Auf­trag auch noch so lukra­tiv. Auch das ist Führungsverantwortung.

Ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Dienst­leis­ter wird dar­über hin­aus immer im Auge behal­ten, dass sei­ne eige­ne Berufs­füh­rung einen – wenn viel­leicht auch nur klei­nen – Bei­trag dazu gibt, wie der gesam­te Berufs­stand in der Öffent­lich­keit wahr­ge­nom­men wird. Das hört sich zwar nach Selbst­lo­sig­keit an, hat aber einen ganz prak­ti­schen und mate­ri­el­len Hin­ter­grund: Denn je ange­se­he­ner und je weni­ger umstrit­ten eine Berufs­grup­pe ist, des­to eher wird sie ins­ge­samt an Ver­trau­en gewin­nen und damit an Wert für Auf­trag­ge­ber. Wo aber der Wert in den Augen der Kun­den steigt, wird sich das für den Dienst­leis­ter in der Höhe des Hono­rars posi­tiv bemerk­bar machen,

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