Trend Heizen: Wärmestrahlen statt Luftbewegung

Wünsche

Die Son­nen­blu­me im Bild kennt sich nicht nur mit Licht gut aus, son­dern kann auch Wär­me­strah­len rich­tig genie­ßen. Schließ­lich ist sie eine der Pflan­zen, die in gewis­sen Wachs­tums­pha­sen ihr „Gesicht“ immer der Son­ne nach­dreht. Schon ein­mal beob­ach­tet? Aber nicht nur Pflan­zen, son­dern auch uns Men­schen tut Wär­me­strah­lung gut. Das gilt nicht nur für die von der Son­ne, son­dern auch für die Wär­me aus der Hei­zung. Für die Strah­lungs­wär­me, wohl­ge­merkt, denn Wär­me ist nicht gleich Wär­me! Des­halb steht unse­re Vor­stel­lungs­welt bezüg­lich Heiz­sys­te­me wie­der ein­mal auf dem Prüfstand …

Was steckt dahinter?

Nun, die Behei­zung unse­rer Gebäu­de erfolgt zumeist über Heiz­flä­chen, gemeint sind Heiz­kör­per, Fuß­bo­den- oder Wand­hei­zun­gen, oder aber – wie übli­cher­wei­se in Pas­siv­häu­sern, die ohne­hin eine Lüf­tungs­an­la­ge auf­wei­sen – über zusätz­li­che Auf­hei­zung der umge­wälz­ten Luft. Bei den auf­ge­zähl­ten Mög­lich­kei­ten ste­hen sich zwei grund­sätz­li­che Mecha­nis­men gegen­über, wie die Wär­me vom Heiz­sys­tem zum mensch­li­chen Kör­per gelangt: Ent­we­der über­wie­gend durch Wär­me­strö­mung oder aber durch Wär­me­strah­lung, wobei sich bei­de Arten nie gänz­lich tren­nen lassen.

Hei­zen durch Wärmeströmung

Grund­sätz­lich wird dabei die Luft im Raum, also in unse­rer unmit­tel­ba­ren Umge­bung, so weit erwärmt, dass wir uns wohl­füh­len. Dazu muss die Luft aber bewegt wer­den. Das geschieht meist durch ent­spre­chen­de Bau­ar­ten von Heiz­kör­pern mit einer Viel­zahl von Lamel­len, die die Luft stark erwär­men, wodurch sie auf­steigt, sich im Raum ver­teilt, sich dabei abkühlt und dann wie­der zum Heiz­kör­per zurück­strömt, wo der Kreis­lauf von neu­em beginnt.

Die Kon­vek­ti­on macht‘s

Die­sen Vor­gang nennt man Kon­vek­ti­on, was bedeu­ten soll, dass im beweg­ten Luft­strom Wär­me mit­ge­führt wird. Heiz­kör­per, die dar­auf aus­ge­legt sind, einen beson­ders star­ken war­men Luft­strom zu erzeu­gen, nennt man des­halb Kon­vek­to­ren. Weil aber im Grun­de jeder war­me Kör­per sei­ne Umge­bungs­luft erwärmt, haben auch ande­re Heiz­kör­per einen „kon­vek­ti­ven“ Anteil in ihrer Wär­me­ab­ga­be, nur dass eben die­ser Anteil bei Kon­vek­to­ren mit etwa einer Grö­ßen­ord­nung von 95% sehr hoch ange­setzt wer­den kann.

Höhe­re Raum­tem­pe­ra­tu­ren – höhe­re Wärmeverluste

Bei der Raum­hei­zung durch Wär­me­strö­mung – zu der auch die Luft­hei­zung gehört – ist wie erwähnt zu beach­ten, dass eben die gesam­te Raum­luft in unse­rer Umge­bung auf eine annehm­ba­re Tem­pe­ra­tur erwärmt wer­den muss, wobei heu­te Wer­te von 20°C wegen des gestie­ge­nen Kom­fort­be­dürf­nis­ses schon lan­ge nicht mehr aus­rei­chend sind, son­dern eher 22 oder 24°C die Regel dar­stel­len. Die gestei­ger­te Luft­tem­pe­ra­tur führt natur­ge­mäß zu höhe­ren Wär­me­ver­lus­ten, die wie­der­um über Wär­me­dämm­maß­nah­men abge­fan­gen wer­den müssen.

Hei­zen durch Wärmestrahlung

Anders ver­läuft der Mecha­nis­mus der Wär­me­über­tra­gung durch Strah­lung. Eine war­me Flä­che strahlt Wär­me ab, sie wird durch Infra­rot­strah­len an ande­re Kör­per und Gegen­stän­de über­tra­gen. Das geschieht natür­lich umso bes­ser, je höher die Tem­pe­ra­tu­ren der war­men Flä­che sind. Was Heiz­kör­per betrifft, die mög­lichst viel Wär­me über Strah­lung abge­ben sol­len, so sind die eher groß­flä­chig ange­legt, um nicht zu hohe Heiz­tem­pe­ra­tu­ren zu erfor­dern. Ide­al sind natür­lich Flä­chen im Raum, wie etwa Wän­de oder Fuß­bö­den. Der­ar­ti­ge gro­ße Flä­chen erlau­ben eher nied­ri­ge Tem­pe­ra­tu­ren und errei­chen Strah­lungs­an­teil oder einen „radia­ti­ven“ Anteil von etwa 95%.

Was Strah­lung tut

Wär­me­strah­lung benö­tigt die Luft nicht zur Über­tra­gung von der Heiz­flä­che zum mensch­li­chen Kör­per. Ein Heiz­kör­per mit hohem Strah­lungs­an­teil bewirkt zudem, dass die Umge­bungs­flä­chen des Rau­mes einen Teil der Strah­lung auf­neh­men („absor­bie­ren“) und sich erwär­men. War­me Umge­bungs­flä­chen (Fuß­bo­den, Wand, Decke) haben den Vor­teil, dass man die Raum­tem­pe­ra­tur sen­ken kann. Das des­halb, wie der mensch­li­che Kör­per jene Tem­pe­ra­tur wahr­nimmt, die etwa dem Mit­tel­wert der Luft­tem­pe­ra­tur und der Umge­bungs­flä­chen entspricht.

Gerin­ge­re Raum­tem­pe­ra­tu­ren – gerin­ge­re Wärmeverluste

Der auch kos­ten­sei­ti­ge spür­ba­re Vor­teil der Strah­lungs­hei­zung liegt dar­in, dass wegen der nied­ri­ge­ren erfor­der­li­chen Raum­tem­pe­ra­tu­ren der Wär­me­ver­lust sinkt und damit auch der Heiz­wär­me­be­darf. In der Pra­xis beson­ders oft fest­zu­stel­len ist die­ser Effekt bei Wand­hei­zun­gen, ver­mut­lich weil sie ein beson­ders behag­li­ches Wohn­kli­ma ermög­li­chen. Dabei ist es erstaun­lich, dass in vie­len Fäl­len schon mit rela­tiv klei­nen Heiz­flä­chen – sogar sol­chen, die im Wesent­li­chen auf Fens­ter- und Tür­lai­bun­gen beschränkt sind, erstaun­lich gute Resul­ta­te lie­fern können.

Neu­es­ter Trend: Elektro-Strahlungsheizung

Vor allem im Zusam­men­hang mit dem ver­stärk­ten Auf­kom­men von Foto­vol­ta­ik-Anla­gen ist wegen der ange­sichts rück­läu­fi­ger Ein­spei­se­ta­ri­fe zuneh­mend not­wen­dig gewor­de­nen Eigen­nut­zung von Solar­strom das The­ma „Power to Heat“ aktu­ell gewor­den. Das bedeu­tet schlicht nichts ande­res, als die Ver­wen­dung über­schüs­si­gen Solar­stroms für Heiz­zwe­cke, ent­we­der zur Warm­was­ser­be­rei­tung oder eben für Raum­hei­zung. Und letz­te­re in Form von Strahlungsheizung.

Dabei zeig­te sich in prak­ti­schen Ver­su­chen und genau­en Beob­ach­tun­gen und Mes­sun­gen, dass groß­flä­chi­ge, foli­en­be­heiz­te Flä­chen in Wän­den oder auch an Decken nicht nur behag­li­ches Raum­kli­ma sicher­stel­len kön­nen, son­dern dass die Ener­gie­ver­bräu­che ledig­lich die Hälf­te bis ein Drit­tel des Auf­wan­des von kon­ven­tio­nel­len, was­ser­ge­stütz­ten Heiz­sys­te­men benö­ti­gen. Dadurch gera­ten Heiz­kos­ten mit Strom durch­aus in Berei­che sol­cher mit kon­ven­tio­nel­len Energien.

Dabei beson­ders fas­zi­nie­rend ist die Tat­sa­che, dass bei der Behei­zung mit Strom prak­tisch kei­ne nicht nutz­ba­ren Umwand­lungs­ver­lus­te ent­ste­hen, wie sie bei einer Ver­bren­nung von Öl, Gas oder Bio­mas­se unum­gäng­lich sind. Die Umwand­lung geschieht zur Gän­ze am Ort der Nut­zung – im Wohn­raum bezie­hungs­wei­se im Elek­tro-Heiz­ein­satz für den Warmwasserbereiter.

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Bedeu­tet das vor­hin Erwähn­te die Rück­kehr der viel geschmäh­ten und von För­de­run­gen aus­ge­schlos­se­nen Elek­tro-Direkt­hei­zung? Man wird sehen. Alles in allem aber haben wir es mit einer Ent­wick­lung zu tun, die man sehr genau im Auge behal­ten muss. Und die gro­ße Tei­le der Hei­zungs­in­dus­trie nicht zum Gegen-Lob­by­ing, son­dern zum Nach­den­ken brin­gen sollte …

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