Die Tragik der Unvollendeten

Unvollendet

Franz Schu­bert hin­ter­ließ die Sym­pho­nie Nr. 8 h‑Moll, genannt die Unvoll­ende­te. Man­che Instal­la­teu­re hin­ter­las­sen Hei­zungs­an­la­gen, die wir eben­falls zur tra­gi­schen Kate­go­rie der Unvoll­ende­ten zäh­len dür­fen. Nicht aus Sicht der Instal­la­teu­re, denn für sie ist alles fer­tig, über­ge­ben und abge­rech­net. In Wahr­heit fehlt aber etwas und auch dem Kun­den wird nach und nach und meist ärger­lich bewusst, dass er eine Unvoll­ende­te besitzt. Halt nicht auf dem Noten­blatt, son­dern im Hei­zungs­kel­ler. Instal­la­teu­re hät­ten aber – anders als Franz Schu­bert – noch Gele­gen­heit, sich in Rich­tung Voll­stän­dig­keit zu verbessern.

Wor­um geht es bei die­sen nicht fina­li­sier­ten Anla­gen­tei­len oder Tätig­kei­ten? Ganz ein­fach gesagt um drei Schwer­punk­te: Wär­me­däm­mung, Kenn­zeich­nung und Doku­men­ta­ti­on. Dazu eini­ge Erläuterungen.

Wär­me­däm­mung

Inter­es­san­ter­wei­se wird bei Hei­zungs­an­la­ge vor allem im pri­va­ten Bereich die Hei­zung sel­ber funk­tio­nell zwar fer­tig­ge­stellt, auf die sofor­ti­ge Anbrin­gung von geeig­ne­ten Wär­me­däm­mun­gen an den Rohr­lei­tun­gen wird aber sehr oft ver­zich­tet. Dies wird meist damit begrün­det, dass die­se Arbeit ja nicht unbe­dingt sofort getan wer­den müs­se und der Haus­be­sit­zer sie in Eigen­re­gie her­stel­len wol­le. Allein die Pra­xis zeigt aber, dass dies fast nie zustan­de kommt. Unzäh­li­ge Hei­zungs­an­la­gen ver­har­ren in die­sem unfer­ti­gen Zustand, die meis­ten über Jah­re, ohne dass sich jemand um die offen­sicht­lich auf­tre­ten­den Wär­me­ver­lus­te kümmert

Unver­ständ­lich bleibt, war­um vie­le Instal­la­teu­re auf die­ses Zusatz­ge­schäft frei­wil­lig ver­zich­ten. Ist es eine Angst davor, zu teu­er zu sein? Oder ist es Bequem­lich­keit, dass eine Arbeit, die zuge­ge­ben nicht in die Kern­tä­tig­keit des Instal­la­teurs fällt, nicht mit über­nom­men  oder wenigs­tens an ein ent­spre­chen­des Fach­un­ter­neh­men wei­ter­ver­mit­telt wird?

Eines darf dabei nicht über­se­hen wer­den: Sowohl Instal­la­teur als auch Haus­be­sit­zer tra­gen Mit­ver­ant­wor­tung dafür, dass man­gels geeig­ne­ter Maß­nah­men Ener­gie unge­nützt ver­lo­ren geht. Die Tra­gik besteht dar­in, dass der Scha­den, der durch unzu­rei­chen­de oder feh­len­de Wär­me­däm­mung in unse­rem Land ent­steht, wohl auf einen zwei- bis drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag geschätzt wer­den muss.

Kenn­zeich­nun­gen

Eben­so sel­ten vor­zu­fin­den ist eine aus­rei­chen­de Kenn­zeich­nung der Rohr­lei­tun­gen und der Ein­bau­tei­le einer haus­tech­ni­schen Instal­la­ti­on. Die Tra­gik besteht dar­in, dass man sehr oft vor doch rela­tiv hoch­wer­ti­gen und teu­ren Anla­gen steht und sich selbst als Fach­mann über­for­dert fühlt, wenn man Rohr­füh­run­gen der rich­ti­gen Funk­ti­on zuord­nen soll und die tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten einer Anla­ge rasch erhe­ben soll.

Dabei wäre es für den Instal­la­teur nicht ein­mal not­wen­dig, beson­ders auf­wen­di­ge Maß­nah­men zu setz­ten. Im ein­fachs­ten Fall täten es schon ein­fa­che Kle­be­bän­der, die mit dau­er­haf­tem Filz­stift beschrif­tet sind, wenn man schon auf sau­be­re Schil­der mit Hal­te­run­gen ver­zich­ten will.

Bei kom­ple­xe­ren Anla­gen, wie sie auch oft schon in anspruchs­vol­le­ren Ein­fa­mi­li­en­häu­sern zu fin­den sind, wür­den zusätz­lich ein­fa­che, aber auf Lei­tungs­füh­run­gen deut­lich sicht­bar ange­brach­te Pfei­le aus farb­lich gekenn­zeich­ne­ten Kle­be­bän­dern eine Men­ge unnö­ti­ger Such­ar­beit ersparen.

Doku­men­ta­ti­on

Voll­ends unver­ständ­lich bleibt die Miss­ach­tung von Kun­den­be­dürf­nis­sen dann, wenn der­sel­be nicht ein­mal über die not­wen­digs­ten schrift­li­chen Infor­ma­tio­nen und Unter­la­gen ver­fügt, die zum ord­nungs­ge­mä­ßen Betrieb einer Anla­ge ein­fach erfor­der­lich sind. Dazu gehö­ren alle Betriebs­an­lei­tun­gen, Instand­hal­tungs­vor­schrif­ten, Hin­wei­se auf Gefah­ren oder War­nun­gen vor Fehl­be­die­nun­gen, etc.

Instal­la­teu­re könn­ten die­ses Übel leicht ver­mei­den und hät­ten mit einer ein­fa­chen Map­pe mit ein­ge­hef­te­ten und sau­ber geord­ne­ten Blät­tern, die ihnen außer ein wenig Mühe und Auf­merk­sam­keit prak­tisch nichts kos­ten, einen dau­er­haf­ten Wer­be­trä­ger, den der Kun­de mit Sicher­heit sorg­sam auf­be­wahrt und wert­schätzt. War­um die­se Mög­lich­keit eines posi­ti­ven Ein­flus­ses auf die Kun­den­be­zie­hung nicht oder nur sehr sel­ten genützt wird, bleibt ein Rätsel.

An alle Instal­la­teu­re sei appel­liert, die­ses für den Kun­den ärger­li­che Elend der Unvoll­ende­ten zu ver­mei­den und dies­be­züg­lich end­lich auf Kun­den­freund­lich­keit umzuschwenken!

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