Kampf um Autoklimaanlagen: Nächste Runde

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Klima

In Deutsch­land ist der Ein­satz eines neu­en Käl­te­mit­tels für Auto­kli­ma­an­la­gen stark umstrit­te­nen, wie ich schon frü­her berich­tet habe („Dro­hen künf­tig Gefah­ren aus der Auto­kli­ma­an­la­ge?“). Die zustän­di­gen EU-Gre­mi­en for­dern die Ablö­sung des bis­lang ver­wen­de­ten Käl­te­mit­tels R 134a wegen des­sen hohen Treib­haus­po­ten­ti­als durch R 1234yf. Letz­te­res wie­der­um wird von Tei­len der Auto­in­dus­trie wegen sei­nes ver­mu­te­ten Gefah­ren­po­ten­ti­als abge­lehnt. Gesetzt wird statt­des­sen auf das Käl­te­mit­tel Koh­len­di­oxid (CO2, Käl­te­mit­tel­be­zeich­nung R 744), das bereits in Kli­ma­an­la­gen für Auto­bus­se ein­ge­setzt wird.

Die Dis­kus­si­on

An R 1234yf wird von den genann­ten Insti­tu­tio­nen bemän­gelt, dass es brenn­bar ist und es im Brand­fall – etwa nach Unfäl­len – zur Bil­dung gesund­heits­ge­fähr­den­der Sub­stan­zen kom­men könne.

Die VDI-Nach­rich­ten neh­men in ihrer Aus­ga­be vom 21. Juni 2013 aus­gie­big zu die­ser Dis­kus­si­on Stel­lung. Danach favo­ri­sie­ren mitt­ler­wei­le BMW, Mer­ce­des-Benz, der Volks­wa­gen-Kon­zern, der Ver­band der Auto­mo­bil­in­dus­trie (VDA), ADAC und das Umwelt­bun­des­amt (UBA) Koh­len­di­oxid als unbe­denk­li­ches Kältemittel.

Vor­tei­le von CO2 als Kältemittel

Aller­dings gibt es für Per­so­nen­kraft­wa­gen noch kei­ne seri­en­mä­ßi­gen Kli­ma­an­la­gen mit CO2, das aber ent­schei­den­de Vor­tei­le bietet:

„Es brennt nicht, ist in nor­ma­ler Kon­zen­tra­ti­on ungif­tig und besitzt den nied­rigs­ten GWP-Index (Glo­bal Warm­ing Poten­ti­al) von 1. Zum Ver­gleich: R 134a hat einen Index von 1430, R 1234yf von 4. Wegen sei­ner vie­len posi­ti­ven Eigen­schaf­ten hat­te sich der VDA schon 2007 für Koh­len­di­oxid ausgesprochen.“

Argu­men­te der Gegner

Die Geg­ner von CO2 wie­der­um wei­sen auf Nach­tei­le hin:

„Die Geg­ner von Koh­len­di­oxid, allen vor­an die R 1234yf-Her­stel­ler Honey­well und DuPont, füh­ren als Nach­tei­le den höhe­ren Betriebs­druck von rund 150 bar, höhe­res Gewicht der Anla­ge, che­mi­sche Aggres­si­vi­tät von CO2 gegen­über Schlauch­lei­tun­gen und Dich­tun­gen, angeb­li­chen Kraft­stoff­mehr­ver­brauch oder Sicher­heits­be­den­ken ins Feld. So kön­ne durch Lecka­gen aus­tre­ten­des Koh­len­di­oxid Hyper­kapnie aus­lö­sen, was je nach CO2-Kon­zen­tra­ti­on im Blut zu Schläf­rig­keit und Bewusst­seins­stö­run­gen, im Extrem­fall sogar ins Koma, führe“.

Pra­xis­ein­satz in Autobussen

Meh­re­re Auto­bus­se mit Kühl­an­la­gen auf Basis CO2 sind aber seit 2008 bei den Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­ben ohne signi­fi­kan­te Pro­ble­me in Betrieb, wobei vom Her­stel­ler der Kli­ma­an­la­gen mit CO2 ins­be­son­de­re die rasche Abkühl­dy­na­mik und ande­re Vor­tei­le her­vor­ge­ho­ben werden:

„‘Ein in der Son­ne ste­hen­des Fahr­zeug wird wesent­lich rascher auf erträg­li­che Innen­tem­pe­ra­tur her­un­ter­ge­kühlt als mit R 134a.‘ War­tung und Befül­lung sei­en ungleich ein­fa­cher, zeit- und kos­ten­spa­ren­der. „Man benö­tigt im Grun­de ledig­lich eine han­dels­üb­li­che Gas­fla­sche mit der ent­spre­chen­den Füll­ar­ma­tur. Der Trock­ner­tausch und die Rege­ne­ra­ti­on des Käl­te­mit­tels ent­fal­len völlig.“

Kos­ten bei Ein­satz in Personenkraftwagen

Der Ein­satz für Per­so­nen­kraft­wa­gen sei durch­aus mög­lich, der Ein­bau käme zwar etwa um 80 € teu­rer, wobei der Betrag bei Groß­se­ri­en­fer­ti­gung beträcht­lich sin­ken wer­de, aber ange­merkt wird:

„Kos­ten­vor­tei­le brin­ge Koh­len­di­oxid dage­gen wegen der ein­fa­che­ren War­tung und Neu­be­fül­lung der Kli­ma­an­la­ge und vor allem beim Gas­preis selbst. ‚Koh­len­di­oxid ist ja ein Abfall­pro­dukt bei der Her­stel­lung von Sau­er­stoff und Stick­stoff. […] Der Auto­fah­rer müss­te mit einem Kilo­preis von rund 10 € rech­nen, wäh­rend das heu­ti­ge R 134a etwa 25 € bis 30 € kos­tet und R 1234yf mit 250 € bis 300 € etwa zehn Mal so teu­er ist.‘ Die durch­schnitt­li­che Füll­men­ge liegt je nach Fahr­zeug­mo­dell zwi­schen rund 500 g und 900 g.“

Anga­ben zur Gefährdung

Nach Anga­ben des Her­stel­lers der CO2-Kli­ma­an­la­ge für die Auto­bus­se lässt sich eine Gefähr­dung von Fah­rer und Insas­sen durch aus­tre­ten­des Koh­len­di­oxid durch ent­spre­chen­de Dimen­sio­nie­rung und Mate­ri­al­aus­wahl bei den ein­zel­nen Kom­po­nen­ten der Kli­ma­an­la­ge nahe­zu ausschließen.

Und hier der neu­es­te Stand der Din­ge gemäß Spie­gel Online vom 22.8.2013:

Nach­dem es bei einem der Ver­su­che des Kraft­fahr­bun­des­am­tes (KBA) mit dem Käl­te­mit­tel R 1234yf zu einem Brand gekom­men war, unter­stellt nun­mehr der Her­stel­ler dem Amt unsau­be­re Unter­su­chungs­me­tho­den und wirft dem Amt vor, Tests im Sin­ne eines erwünsch­ten Resul­tats mani­pu­liert zu haben. Der Her­stel­ler wird aber die Tests nicht juris­tisch anfech­ten. Nähe­res dazu unter http://www.spiegel.de/auto/aktuell/honeywell-chef-beschwert-sich-beim-kba-ueber-test-mit-kaeltemittel-a-918037.html

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