Selbstständig werden – aber wie? (3)

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Frage

Außer einer aus­führ­li­chen Selbst­be­ur­tei­lung und der sorg­fäl­ti­gen Erfor­schung der Markt­be­din­gun­gen hat ein Aspi­rant auf die Selbst­stän­dig­keit als geis­ti­ger Dienst­leis­ter noch eine drit­te wich­ti­ge Vor­aus­set­zung zu beach­ten: Um erfolg­reich star­ten zu kön­nen braucht er eine Vor­stel­lung davon, wel­chen neu­en Bei­trag – oder um einen popu­lä­ren Aus­druck zu gebrau­chen: wel­che Inno­va­ti­on – er sei­nem Berufs­feld brin­gen wird. Denn es hät­te wohl wenig Sinn, künf­ti­ge Mit­be­wer­ber bloß kopie­ren und ihnen damit hin­ter­her­he­cheln zu wol­len. Hin­ter die­ser For­de­rung ste­hen zwei Überlegungen.

Die ers­te besteht dar­in, dass wenig oder gar kei­ne Chan­cen auf Erfolg dort zu erwar­ten sind, wo alle ande­ren tätig sind und die zwei­te dar­in, dass man lang­fris­ti­gen Erfolg nur aus eige­nem krea­ti­ven Antrieb her­aus errei­chen kann und nicht aus dem Nach­äf­fen ande­rer. Gesucht wer­den Ori­gi­na­le und nicht Kopien, das gilt für das Geschäfts­le­ben genau­so wie für die Kunst. Aus die­sen bei­den Eck­punk­ten her­aus wird auch sofort sicht­bar: Geld ver­die­nen zu wol­len ist allein zu wenig an Moti­va­ti­on, auch wenn neben­bei bemerkt jeder Selbst­stän­di­ge sich mög­lichst rasch zu einem guten Kauf­mann ent­wi­ckeln sollte.

Leis­tungs­port­fo­lio und Zielgruppe

Eine Abgren­zung im zukünf­ti­gen Wett­be­werb kann nur dann gelin­gen, wenn Gewiss­heit dar­über besteht, wel­che Leis­tun­gen man erbrin­gen kann und auch möch­te. Genau­so muss aber geklärt sein, wel­che Leis­tun­gen man nicht erbrin­gen kann oder will, aus wel­chen Grün­den auch immer, ins­be­son­de­re aber unter dem Gesichts­punkt, ob sie star­ke Kon­kur­renz ste­hen und daher gerin­ge wirt­schaft­li­che Ertrags­kraft ver­spre­chen. Aus die­ser Abgren­zung ergibt sich ein ers­ter Rah­men für ein poten­ti­el­les Leis­tungs­port­fo­lio. Soll­ten sich spä­ter neue Aspek­te erge­ben, lässt sich die­ser Rah­men belie­big erwei­tern oder aber auch verkleinern.

Untrenn­bar mit der Erstel­lung eines Leis­tungs­port­fo­li­os ver­bun­den ist die Ent­schei­dung dar­über, wel­che Ziel­grup­pe nun als Auf­trag­ge­ber ange­peilt wer­den kann und soll. Und auch wie­der ist fest­zu­le­gen, wel­che nicht. Ein künf­ti­ger Bera­ter wird bei­spiels­wei­se etwa allein schon wegen sei­ner Hono­rar­hö­he Pri­va­te als Kun­den aus­schlie­ßen, da die­se sei­ne Leis­tun­gen nicht rich­tig ein­schät­zen und daher auch nicht ent­spre­chend hono­rie­ren wol­len oder kön­nen. Die Ziel­grup­pe ist auch hier wie­der als ers­ter Rah­men zu ver­ste­hen, in der Pra­xis wird man sich anfangs nicht immer an die selbst­ge­wähl­te Ein­gren­zung hal­ten, ins­be­son­de­re wenn man viel­leicht auf jeden Auf­trag ange­wie­sen ist.

Ori­gi­na­li­tät und Bedeutung

Lan­ger Atem muss ein Selbst­stän­di­ger mit­brin­gen, bis sich nach­hal­ti­ger Erfolg ein­stellt. Den wird aber nur haben, wer mit gan­zem Her­zen bei der Sache ist, was wie­der­um bedingt, dass aus tie­fer eige­ner krea­ti­ver Ener­gie geschöpft wer­den kann. Die aber stellt sich nur dann ein, wenn man ein gedank­li­ches, im Inne­ren tief ver­wur­zel­tes Bild hat von einem wün­schens­wer­ten End­ergeb­nis der eige­nen Bestre­bun­gen. Man­che nen­nen es eine Visi­on, Tat­sa­che ist, dass sich eine Trieb­kraft für unser Tun nur dann ein­stellt, wenn wir uns davon eine Befrie­di­gung für jene Bedürf­nis­se ver­spre­chen, die weit über das bloß Exis­tenz­si­chern­de hinausgehen.

Es ist viel­leicht nicht nur das Stre­ben nach Aner­ken­nung von Sei­ten der zufrie­de­nen Kun­den, son­dern auch der Wunsch, posi­ti­ve Ver­än­de­run­gen zu bewir­ken und damit rück­bli­ckend etwas Bedeut­sa­mes zu hin­ter­las­sen. Etwas, das nicht nur über das Ego hin­aus­geht, son­dern auch einen nach­hal­ti­gen Dienst für Mit­men­schen, ja wenn mög­lich für gro­ße Tei­le der Gesell­schaft mit sich bringt. Denn bekannt­lich geht es meist nur in der ers­ten Lebens­hälf­te um Erfolg, in der zwei­ten sucht man nach Bedeu­tung, und die kann man nicht in den eige­nen Augen erlan­gen, son­dern die wird – so vor­han­den – von den Mit­men­schen bescheinigt.

Und noch­mals: Die­nen kommt vor Verdienen

All die Aus­füh­run­gen von vor­hin mögen phi­lo­so­phisch oder gar abs­trakt klin­gen, haben aber einen ganz prak­ti­schen Hin­ter­grund. Näm­lich den, dass nur der gut ver­dient, der vor­her gut dient. Gut die­nen kann aber nur, wer um die Nütz­lich­keit sei­ner Arbeit weiß und sie mit Begeis­te­rung betreibt, auch wenn er manch­mal Durst­stre­cken durch­tau­chen muss. Feh­ler und Unzu­läng­lich­kei­ten zie­hen ihn nicht zu Boden, son­dern las­sen ihn ler­nen, was er bes­ser machen kann. Die guten Rück­mel­dun­gen sei­ner Kun­den sind ihm Bestä­ti­gung, sei­nen Weg wei­ter zu gehen.

Wer sei­ne Leis­tung stets zum Bes­se­ren hin aus­rich­tet und ver­steht, wer sei­ne Ziel­grup­pe ist und was sie braucht, wer sei­ne Arbeit aus der eige­nen Ori­gi­na­li­tät her­aus betreibt und von ihrer Bedeu­tung über­zeugt ist, wird viel­leicht manch­mal erschöpft sein, mit Sicher­heit aber nie die in ein Gefühl der Sinn­lo­sig­keit schlit­tern, die zu Burn­out und Selbst­auf­ga­be führt. Er wird sich viel­mehr immer wie­der an sei­ner wah­ren Beru­fung auf­rich­ten, die ihm Sinn und Auf­trag für sein Arbeits­le­ben ist.

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