Befund erstellen mit Descartes

D3

Anspruchs­vol­le Sach­ver­stän­di­ge wer­den immer danach trach­ten, ihren Auf­trag­ge­bern bes­te Leis­tung zu bie­ten. Dazu gehört auch, die Metho­dik der Gut­ach­ten­ser­stel­lung stän­dig zu ver­fei­nern. Zen­tra­les Augen­merk liegt dabei auf einem hieb- und stich­fes­ten Befund. Der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph, Mathe­ma­ti­ker und Natur­wis­sen­schaft­ler René Des­car­tes (1596–1650) hat im Rah­men sei­ner Abhand­lung „Dis­cours de la métho­de“ vier Grund­re­geln zur ver­nunft­ba­sier­ten Suche nach der wis­sen­schaft­li­chen Wahr­heit auf­ge­stellt, die für die täg­li­che Arbeit eines Gut­ach­ters sehr hilf­reich sein können.

Der vol­le Wort­laut „Dis­cours de la métho­de pour bien con­dui­re sa rai­son et cher­cher la veri­té dans les sci­en­ces” bedeu­tet „Abhand­lung über die Metho­de, sei­ne Ver­nunft gut zu gebrau­chen und die Wahr­heit in den Wis­sen­schaf­ten zu suchen“.

Die dar­in ent­hal­te­nen vier Regeln sind der Ana­ly­sis und Alge­bra ent­lehnt und lau­ten wie folgt:

A

1. Skep­sis – das Evi­den­te*) als wahr annehmen

„Nie­mals eine Sache als wahr anzu­neh­men, die ich nicht als sol­che sicher und ein­leuch­tend erken­nen wür­de, das heißt sorg­fäl­tig die Über­ei­lung und das Vor­ur­teil zu ver­mei­den und in mei­nen Urtei­len nur so viel zu begrei­fen, wie sich mei­nem Geist so klar und deut­lich dar­stel­len wür­de, dass ich gar kei­ne Mög­lich­keit hät­te, dar­an zu zweifeln.“

Anders gesagt: Nichts für wahr hal­ten, was nicht so klar und deut­lich erkannt ist, dass es nicht in Zwei­fel gezo­gen wer­den kann.

B
2. Ana­ly­se – das Gan­ze in Tei­le zerlegen

„Jede der Schwie­rig­kei­ten, die ich unter­su­chen wür­de, in so vie­le Tei­le zu zer­le­gen  als mög­lich und zur bes­se­ren Lösung wün­schens­wert wäre.“

Anders gesagt: Schwie­ri­ge Pro­ble­me in Teil­schrit­ten erledigen.

C
3. Kon­struk­ti­on – vom Ein­fa­chen zum Schwie­ri­gen fortschreiten

„Mei­ne Gedan­ken zu ord­nen; zu begin­nen mit den ein­fachs­ten und fass­lichs­ten Objek­ten und auf­zu­stei­gen all­mäh­lich und gleich­sam stu­fen­wei­se bis zur Erkennt­nis der kom­pli­zier­tes­ten, und selbst sol­che Din­ge irgend­wie für geord­net zu hal­ten, von denen natür­li­cher­wei­se nicht die einen den ande­ren vorausgehen.“

Anders gesagt: Die Unter­su­chung mit dem Ein­fachs­ten und Kleins­ten beginnen.

D
4. Rekur­si­on – nichts auslassen

„Über­all so voll­stän­di­ge Auf­zäh­lun­gen und so umfas­sen­de Über­sich­ten zu machen, dass ich sicher wäre, nichts auszulassen.“

Anders gesagt: Stets prü­fen, ob bei der Unter­su­chung Voll­stän­dig­keit erreicht ist.

E

Anmer­kun­gen:

*) Evi­dent ist etwas, wenn kei­ne wei­te­re gedank­li­che Leis­tung mehr von­nö­ten ist, um es zu legi­ti­mie­ren. Evi­denz ist das unmit­tel­ba­re Erschei­nen von Wahr­heit. Zwei­fel stellt den Gegen­satz zur Wahr­heit dar.

Quel­len: Zollondz, „Grund­la­gen Qua­li­täts­ma­nage­ment“, Olden­bourg 2011; Wiki­pe­dia; Quel­le der Zita­te (kur­siv) unbe­kannt

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