Test Tesla S

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E-Power
E‑Power

Die Inter­so­lar 2014 war auch wie­der Anlass, sich mit dem Stand der Tech­nik in Sachen Elek­tro-Mobi­li­tät zu befas­sen. Kla­res The­ma Num­mer 1: Tes­la. Kaum zu fas­sen, wie sehr die­ses Unter­neh­men und vor allem des­sen neu­es­tes Modell „Tes­la S“ prä­sent waren: Vie­le Her­stel­ler unter­schied­lichs­ter Pro­duk­te oder Sys­te­me hat­ten die ele­gan­te Limou­si­ne auf ihren Stän­den als Blick­fang prä­sent. Ers­te Ein­drü­cke über Eigen­hei­ten des Fahr­zeugs erbrach­te eine kur­ze Pro­be­fahrt von Alfred Lang auf Land­stra­ße und Auto­bahn rund um Mün­chen, der ich als Pas­sa­gier im Fond bei­woh­nen konnte.

Was ist von einem Auto­mo­bil zu hal­ten, das tech­nisch gese­hen in eine neue Dimen­si­on auf­bricht und von dem man hört, dass es zumin­dest in den USA den Luxus- oder Pre­mi­um­sek­tor des Fahr­zeug­markts ziem­lich auf­wir­belt? Ist das, was wir aus der Ver­gan­gen­heit über Elek­tro­an­trieb so wis­sen, in neu­em Licht zu über­den­ken? Fra­gen über Fragen …

Elek­tro pur und sonst nix

Vor­ab ist dem Inter­es­sier­ten schon eines bekannt: Das Fahr­zeug ist kom­pro­miss­los mit rei­nem Elek­tro­an­trieb aus­ge­stat­tet und besitzt auch kei­nen Ben­zin­mo­tor als „Ran­ge-Exten­der“, wie etwa anläss­lich der Inter­so­lar 2012 noch zu sehen­de bild­schö­ne „Kar­ma“ der inzwi­schen ver­schie­de­nen Motor­schmie­de „Fis­ker“. Nein, hier gibt es wahr­haf­tig nur Elek­tro­an­trieb und sonst nichts. Die bei­den für den Vor­trieb zustän­di­gen Elek­tro­mo­to­ren sit­zen nahe der Hin­ter­ach­se und trei­ben die Hin­ter­rä­der an. Die Bat­te­rien sind im Wagen­bo­den ver­staut, was einen extrem nied­ri­gen Schwer­punkt zur Fol­ge hat, der nach Aus­sa­ge des die Fahrt beglei­ten­den Tech­ni­kers tie­fer liegt als der des Super­sport­wa­gens Fer­ra­ri F 40.

Die Fra­ge der Reichweite

Was gleich die nächs­te Fra­ge auf­wirft: wie weit fährt man denn mit einer Bat­te­rie­la­dung? Da wer­den gleich ein­mal fünf­hun­dert Kilo­me­ter genannt. Wobei die tat­säch­li­che Reich­wei­te neben der Fahr­wei­se auch von der Topo­gra­fie abhän­gig sein dürf­te: In ber­gi­gen Gegen­den wird sie wohl kür­zer sein, selbst wenn man berück­sich­tigt, dass der größ­te Teil der beim Brem­sen auf­tre­ten­den Ver­zö­ge­rungs­en­er­gie rück­ge­won­nen wird. Aber eins ist klar: Wenn nicht gera­de eine Fern­fahrt ange­sagt ist, reicht allein schon die­se Kapa­zi­tät locker für den All­tags­be­trieb aus. Für den Fern­ver­kehr dürf­te – wenn es nicht eh schon exis­tiert – bald auch in Euro­pa ein Netz an Schnell­a­de­sta­tio­nen ver­füg­bar sein.

Großer Wagen ...
Gro­ßer Wagen …
... mit großem Gedränge
… mit gro­ßem Gedränge

Äußer­lich­kei­ten

Vor­ab gleich eines: Dass die­ses Auto schon unbe­setzt über zwei Ton­nen schwer sein soll, sieht man ihm weder äußer­lich an, noch ist – wie Alfred spä­ter bestä­tigt – im Fahr­ver­hal­ten etwas davon zu spü­ren. Einen Kof­fer­raum gibt es übri­gens nicht nur hin­ten, son­dern auch vor­ne, also dort, wo bei kon­ven­tio­nel­len Vehi­keln der Motor sitzt. Irgend­wie erin­nert das lee­re Front­ab­teil an den alten VW-Käfer, der den Motor hin­ten und daher sei­nen Kof­fer­raum vor­ne hat­te. Rein äußer­lich fal­len die soli­den her­aus­ste­hen­den Tür­grif­fe auf, die sich bei Fahrt auto­ma­tisch ver­sen­ken. Ansons­ten sieht alles recht kon­ven­tio­nell aus, die ele­gan­ten Alu-Fel­gen las­sen die Brems­schei­ben und in man­chen Model­len rot lackier­te Brems­sät­tel durch­schim­mern (sie­he Bild ganz oben), was an ande­re sport­li­che Limou­si­nen der Ober­klas­se erinnert.

Sportliche Felgen ...
Sport­li­che Felgen …
... und versenkbarer Türgriff
… und ver­senk­ba­rer Türgriff

Inne­re Werte

Setzt man sich hin­ein, fällt recht rasch der fla­che Wagen­bo­den auf, die mehr oder weni­ger aus­ge­präg­ten Höcker in übli­chen Fahr­zeu­gen (komi­scher­wei­se gibt es der­ar­ti­ge „Kar­dan­tun­nel“ auch in den meis­ten Autos mit Front­mo­tor und Front­an­trieb) feh­len hier gänz­lich. Alles wirkt sehr soli­de und gut gezeich­net, mit einem Schuss ame­ri­ka­ni­schen Geschmack. Ober­klas­se eben. Die Rück­leh­nen der Front­sit­ze erschei­nen im ers­ten Ein­druck sehr dünn, hier wird ohne Zwei­fel Gewicht gespart, aber ohne erkenn­ba­re Nach­tei­le für den Kom­fort. Auch das Cock­pit sieht im ers­ten Blick recht kon­ven­tio­nell aus, mit einer Aus­nah­me, auf die spä­ter noch ein­zu­ge­hen sein wird.

Alles schaut solide aus ...
Alles schaut soli­de aus …
... und fährt sich auch so
… und fährt sich auch so

Info­tain­ment

Als Mit­fah­rer braucht man sich nicht auf den Ver­kehr zu kon­zen­trie­ren und hat daher die Mög­lich­keit, sich um das anzu­neh­men, was so rund­her­um vor­geht. Die Instru­men­te für den Fah­rer erschei­nen auf Digi­tal­an­zei­gen, was an sich ja nichts Unge­wöhn­li­ches mehr ist. Hier kommt aber die oben erwähn­te Aus­nah­me ins Spiel: Das eigent­li­che Infor­ma­ti­ons­zen­trum für Fah­rer, Fahrt und Fahr­zeug liegt als Rie­sen­bild­schirm in der Mit­tel­kon­so­le. Sei­ne beacht­li­chen Aus­ma­ße und sein Funk­ti­ons­um­fang müss­ten Desi­gner ent­spre­chen­der Info­sys­te­me in deut­schen Nobel­fahr­zeu­gen schlicht erblas­sen las­sen: In der Navi-Funk­ti­on hat­te bei noch akzep­ta­bler Les­bar­keit halb Bay­ern drauf Platz.

Faszinierendes Info-Center ...
Fas­zi­nie­ren­des Info-Center …
... hier allein als Navi
… hier allein als Navi

Fah­rein­drü­cke

Die Spie­le­rei­en mit dem Info-Cen­ter und des­sen lie­bens­wert-ori­gi­nel­len Details zogen am Anfang der Fahrt alle Auf­merk­sam­keit auf sich. Die Fahrt selbst ver­lief natür­lich ange­nehm lei­se, das ist sie aber in Fahr­zeu­gen die­ser Klas­se sowie­so. Atem­be­rau­bend aber war eines: Die schie­re Urkraft beim Beschleu­ni­gen – von Null auf Hun­dert wer­den vier Sekun­den genannt. Das sind tol­le Wer­te, kein Wun­der bei über vier­hun­dert Pfer­de­stär­ken, die sich beim Beschleu­ni­gen ins Zeug legen. Das Info-Dis­play lie­fer­te dazu gleich die Daten in Form der ver­brauch­ten Kilo­watt­stun­den und der abge­ru­fe­nen Leis­tung. Die Fah­rer­be­an­spru­chung ist die eines übli­chen Fahr­zeugs mit Automatik.

Kos­ten

Die Anschaf­fungs­kos­ten zei­gen, dass wir hier auch finan­zi­ell von der Ober­klas­se reden müs­sen. Das getes­te­te Modell mit allen Fines­sen wie etwa Rück­fahr­ka­me­ra und der­glei­chen schlug mit etwa 115.000 Euro zu Buche, der Ein­stieg beginnt bei 75.000 Euro. Nicht ganz bil­lig und für die Mehr­heit der Auto­fah­rer wohl außer Reich­wei­te, wenn­gleich bereits gewal­ti­ge Stück­zah­len pro­du­ziert wer­den. Doch wer­den vom Her­stel­ler künf­tig sicher­lich auch klei­ne­re Model­le auf den Markt kom­men. Von den Betriebs­kos­ten her ist der Tes­la S hoch­in­ter­es­sant, beson­ders natür­lich für den, der über sei­ne Eigen­an­la­ge Solar­strom zur Ver­fü­gung hat.

Fazit

Fas­zi­nie­rend ist ein sol­ches E‑Mobil auf jeden Fall, zeigt es doch, was unter Ein­satz unkon­ven­tio­nel­ler Ideen heut­zu­ta­ge mach­bar ist. Ande­rer­seits lässt es aber auch erken­nen, wel­che Mög­lich­kei­ten die inter­na­tio­na­le Auto­moil­in­dus­trie bis­her nicht genützt hat. Für die eta­blier­ten Her­stel­ler der Pre­mi­um­klas­se wird das Fahr­zeug eine ech­te Kampf­an­sa­ge sein. Das ist ja auch gut so, denn Wett­be­werb belebt nicht nur den Markt, son­dern lässt auch wei­te­re tech­ni­sche Fort­schrit­te erwar­ten, die unser Leben ver­bes­sern hel­fen können.

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