Preis und Wert (7) – Wertbewusstsein entwickeln

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Wertbewusstsein

(IRS) – Jemand, der als Frei­be­ruf­ler oder Selb­stän­di­ger sei­ne eher über­schau­ba­ren Ein­künf­te für­der­hin dau­er­haft stei­gern möch­te, wird nicht umhin­kom­men, sich aktiv mit dazu not­wen­di­gen Schrit­ten zu beschäf­ti­gen. Das bedeu­tet zunächst ein­mal, sich von bestimm­ten Fehl­vor­stel­lun­gen zu ver­ab­schie­den. Eine davon ist die Über­zeu­gung, aus­schließ­lich äuße­re Umstän­de sei­en für die eige­ne Malai­se ver­ant­wort­lich, so da sind: Ein umkämpf­ter Markt, Preis­druck der Auf­trag­ge­ber, Dum­ping­prei­se der Mit­be­wer­ber, vor­ge­ge­be­ne Tari­fe, etc. Nein! Ver­än­de­rung muss im Inne­ren begin­nen: Mit Ent­wick­lung des Wertbewusstseins.

Ein Stopp allen Blendern!

Um hier klar­zu­stel­len: Der Begriff „Wert­be­wusst­sein“ ist nicht gleich­zu­set­zen mit sich als Per­son  und sei­ne Fähig­kei­ten schlicht und ein­fach höher ein­zu­schät­zen, als sie tat­säch­lich sind. Extre­mes Bei­spiel wäre der „Dun­ning-Kru­ger-Effekt“ als Fol­ge ange­maß­ter, aber in Wahr­heit nicht vor­han­de­ner Kom­pe­ten­zen. Neu­lin­ge könn­ten dem Effekt unter­lie­gen, indem sie sich sel­ber blen­den, um dann umso kräf­ti­ger auf die Nase zu fal­len. Um sodann lan­ge Zeit sehr demü­tig und lei­se zu ver­su­chen, wie­der in die Spur zu kom­men. Nein, mit grund­lo­ser Ein­bil­dung kommt man zu kei­nem Wert­be­wusst­sein, da muss schon Sub­stanz an Wis­sen und Erfah­rung dahinterstehen.

Eine nütz­li­che Definition 

Was ver­ste­hen wir in con­cre­to unter Wert­be­wusst­sein? Las­set uns also mit einer Defi­ni­ti­on begin­nen! Wer heu­te eine sol­che benö­tigt, wen­det sich an KI, dies­falls also an die Goog­le-KI:  Wert­be­wusst­sein ist der Zustand, in dem eine Per­son ihre gefühls­mä­ßig ent­stan­de­nen Wert­vor­stel­lun­gen ratio­nal ver­ar­bei­tet und klärt, was bedeu­tet, die zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­hal­te zu ver­ste­hen und zu bewer­ten. Es beinhal­tet die Fähig­keit, eige­ne Wer­te zu erken­nen und zu ver­ste­hen, die als Ori­en­tie­rung für das Den­ken, Han­deln und Urtei­len die­nen. Ein hohes Wert­be­wusst­sein ermög­licht es, Ent­schei­dun­gen bewusst zu tref­fen und Sach­ver­hal­te objek­tiv zu beurteilen.

Ein paar Anmer­kun­gen über Techniker …

Ver­su­chen wir, aus die­sem Wort­knäu­el das für uns Wich­ti­ge her­aus­zu­ho­len, ohne es wei­ter auf­zu­drö­seln! Woher kom­men die gefühls­mä­ßig ent­stan­de­nen Wert­vor­stel­lun­gen, wie sind sie ent­stan­den? Mei­ne Ein­schät­zung, und ich kann nur für mei­nen Beruf spre­chen: Wir Tech­ni­ker sind vor­sich­ti­ge Men­schen. Wir arbei­ten aus­schließ­lich im Rah­men von Natur­ge­set­zen, die ein­zu­hal­ten sind und über die man sich nicht hin­weg­set­zen kann. Natur­ge­set­ze haben die Eigen­schaft, selbst­voll­stre­ckend zu sein, und  sie sind gna­den­los, weil es – Juris­ten auf­ge­passt! – kei­ne Beru­fung gegen sie gibt. Eine Maschi­ne funk­tio­niert, wenn deren Kon­struk­ti­on alle die­se Geset­ze beachtet.

… ihre beruf­li­che Prägung …

Aus die­ser rigo­ro­sen Arbeits­vor­ga­be her­aus sind Tech­ni­ker meist demü­ti­ge Men­schen, die mit Genau­ig­keit, Ver­läss­lich­keit, Inte­gri­tät und Geduld gewapp­net alles rich­tig machen wol­len. Die­ses Bemü­hen steht bedin­gungs­los im Vor­der­grund. Eigen­re­kla­me ist ihrem Cha­rak­ter fremd. Leis­tun­gen müs­sen pas­sen, Kun­den müs­sen so weit zufrie­den sein, dass sie kei­nes­falls auch nur über irgend­ei­ne Klei­nig­keit meckern. Man legt an sich ein oft übers­tren­ges Maß an Dis­zi­plin an. Da macht man not­falls  lie­ber Über­stun­den, gra­tis natür­lich. – Ich neh­me stark an, dass mit die­ser Prä­gung und der ent­spre­chen­den see­li­schen Gemenge­la­ge vie­le Tech­ni­ker in die Selb­stän­dig­keit gehen. Ich neh­me wei­ters an, dass ähn­li­che Mecha­nis­men – viel­leicht in ande­rer Inten­si­tät – auch für ande­re Beru­fe gelten.

… und wie man ihr entflieht

Gewiss, Tech­ni­ker, die in den Frei­be­ruf oder in eine ande­re Form der Selb­stän­dig­keit wech­seln, müs­sen fach­lich auf Draht sein. Und sie müs­sen allein schon auf­grund von Zugangs­hür­den in den neu­en Beruf mit unter­neh­me­ri­schem Den­ken ver­traut sein. Ihr Wert­be­wusst­sein kann nicht nur auf den vor­hin erwähn­ten Tugen­den auf­bau­en wie Genau­ig­keit etc., son­dern auch auf einem Schatz an umfas­sen­dem Wis­sen und rei­cher Erfah­rung. Die­sen nut­zen sie als ver­läss­li­che Dienst­leis­ter zum Wohl ihrer Auf­trag­ge­ber, für die sie schwie­ri­ge Pro­ble­me lösen. An star­kem Selbst­ver­trau­en soll­te es ihnen daher nicht mangeln.

Neue Kühn­heit in Honorarangelegenheiten

Das Selbst­ver­trau­en darf auch in der Kühn­heit mün­den, neue Hono­rar­hö­hen aus­zu­lo­ten. Es heißt, man sei so alt, wie man sich fühlt. Genau­so gilt: Mei­ne Arbeits­zeit ist so wert­voll, wie ich sie emp­fin­de. Ich dre­he also den Spieß um: Nicht äuße­re Umstän­de, Insti­tu­tio­nen oder Auf­trag­ge­ber schrei­ben mir vor, was mein Stun­den­ta­rif ist, son­dern mein Emp­fin­den oder mei­ne frei gewähl­te Fest­le­gung ist ab sofort der vor­ge­ge­be­ne Maß­stab! Es wird rea­lis­ti­scher­wei­se die­ser Wert nicht sofort und mit Bra­chi­al­ge­walt erreich­bar sein, son­dern erst im Lau­fe der Zeit. Aber ich lege ihn für mich ein­mal fest und hal­te ihn mir immer wie­der vor Augen.

Die Geschich­te von Naval Ravikant

Der erfolg­rei­che indisch-US-ame­ri­ka­ni­sche Unter­neh­mer, Inves­tor und Pod­cas­ter Naval Ravi­kant erzählt dazu sei­ne Geschich­te: Bereits in jugend­li­chem Alter habe er sich ent­schlos­sen, für sein eige­nes Wir­ken und des­sen Wert einen per­sön­li­chen Stun­den­ta­rif fest­zu­le­gen: Die­sen ange­sichts sei­ner dama­li­gen Situa­ti­on in einer absur­den Höhe, die ein Viel­fa­ches von ihrem aktu­el­len Wert ent­fernt war, näm­lich  – wenn ich mich recht erin­ne­re – mit fünf­tau­send US-Dol­lar. Er hat sich dar­auf­hin ange­wöhnt, grund­sätz­lich Wir­kungs­be­rei­che zu suchen, mit denen er die­sem Wert nahe­zu­kom­men hoff­te. Jah­re spä­ter und im Rück­blick hat er den dama­li­gen tat­säch­li­chen Wert immer­hin schon real mit ein­tau­send US-Dol­lar bemessen.

Per­sön­li­che Erfahrungen

In mei­nem eige­nen Weg hat sich gezeigt, dass kon­ti­nu­ier­li­ches Behar­ren auf hoher Qua­li­tät sich inso­fern aus­zahlt, als die über­tra­ge­nen Auf­ga­ben und damit Stun­den­ta­ri­fe kon­ti­nu­ier­lich gewach­sen sind. Das bis zu dem Punkt, als ein Groß­auf­trag einen aus mei­ner Sicht unge­wöhn­lich hohen Tarif erfor­der­te, den anzu­set­zen mit einem hohen Maß an Selbst­über­win­dung ver­bun­den war. Inter­es­san­ter­wei­se waren es genau die­se und ähn­li­che Auf­ga­ben, in denen kein Auf­trag­ge­ber Ein­wen­dun­gen erho­ben oder Erläu­te­run­gen ver­langt hat. Letz­te­re waren höchs­tens in dem einen oder ande­ren Fall gefor­dert, in dem ich dem Auf­trag­ge­ber mit rela­tiv gerin­gen Stun­den­ta­ri­fen ent­ge­gen­ge­kom­men bin …

(Wird fort­ge­setzt)

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