Entwurf einer Sitzungsnorm

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Sitzungsraum

(IRS) Wer ein­mal an einer der (oft quä­lend) lan­gen Sit­zun­gen eines Aus­schus­ses teil­ge­nom­men hat, der sich mit Stan­dar­di­sie­rung tech­ni­scher Gege­ben­hei­ten befasst, kennt das: Um erschöpf­te Gehirn­win­dun­gen wie­der­zu­be­le­ben, lässt man abschwei­fen­de Gedan­ken zu in der Hoff­nung, dadurch etwas erfrischt zu wer­den. Ver­mut­lich bei einem sol­chen „Abschwei­fer“ kam vor Jah­ren jemand auf die Idee, eine sati­risch ange­hauch­te Norm über Sit­zun­gen zu ent­wer­fen. Soll kei­ner sagen, tech­nisch Ori­en­tier­te hät­ten kei­nen Sinn für Humor. Hof­fe nur, das betrof­fe­ne Insti­tut hat kei­ne Vor­be­hal­te gegen eine Veröffentlichung.

ÖNORM X 1000  Sit­zun­gen – Grund­be­grif­fe, Arten

Mee­tings – Basic ter­mi­no­lo­gy, types

Réuni­ons – Ter­mi­no­lo­gie fon­da­men­ta­le, types

Auch Nor­men­grup­pen A, B, C, E, F, G, H, K, L, M, N, O, S, V und Z

Vor­be­mer­kung

Die­se ÖNORM stimmt inhalt­lich weit­ge­hend über­ein mit DIN 333 333, Ent­wurf Dezem­ber 1963, sie wur­de nur dem öster­rei­chi­schen Sprach­ge­brauch ange­passt und stellt eine Ergän­zung zu den Richt­li­ni­en des Öster­rei­chi­schen Nor­mungs­in­sti­tu­tes (ON) dar.

1. Zweck und Anwendungsbereich

Die­se ÖNORM hat den Zweck, den Begriff „Sit­zung“ ein­deu­tig zu bestim­men und wei­te­re damit zusam­men­hän­gen­de Begrif­fe zu erklä­ren. Sie ist zunächst zur Anwen­dung im Bereich des Öster­rei­chi­schen Nor­mungs­in­sti­tu­tes (ON) ent­wi­ckelt wor­den, dürf­te jedoch auch für ande­re Insti­tu­tio­nen von Wert sein. Die Anwen­dung der defi­nier­ten Begrif­fe, ange­passt an die jewei­li­gen Gege­ben­hei­ten der ein­zel­nen Insti­tu­ti­on wird daher empfohlen.

2. Begriffs­be­stim­mun­gen

Für die Anwen­dung die­ser ÖNORM gel­ten die fol­gen­den Definitionen.

2.1 Sit­zung: Zusam­men­kunft von Per­so­nen  bei­der Geschlech­ter oder eines der bei­den Geschlech­ter – in über­wie­gend sit­zen­der Kör­per­la­ge zum Zwe­cke des Redens und/oder Schwei­gens bzw. Zuhö­rens mit der aus­drück­li­chen Absicht, hie­durch einen gewis­sen Nutz­ef­fekt zu erzie­len, und zwar jeder für sich selbst oder in der und für die Gemeinschaft.

en mee­ting     fr réunion

ANMERKUNG:

Das Ein­neh­men von Erfri­schungs­ge­trän­ken  durch die Anwe­sen­den ist zwar in der Regel ein inte­grie­ren­der Bestand­teil einer Sit­zung, jedoch nicht Teil einer Grund­de­fi­ni­ti­on und gehört zu den Begrif­fen „Beschluss­freu­dig­keit‘ und „Nutz­ef­fekt“, die in einer wei­te­ren ÖNORM defi­niert wer­den sollen.

2.2 Teil­neh­mer: alle natür­li­chen Per­so­nen, die sich zum Zweck des Erschei­nens in einer Sit­zung an den Sit­zungs­ort bege­ben haben, sofern sie sich nicht bereits an die­sem befinden.

Ver­tritt eine natür­li­che Per­son eine juris­ti­sche Per­son, so gilt letz­te­re gleich­falls als Teil­neh­mer. Sie kann jedoch nicht Anwe­sen­der werden.

en par­ti­ci­pan­ts     fr participants

2.3 Anwe­sen­de: alle an einer Sit­zung teil­neh­men­den natür­li­chen Per­so­nen, die durch Ein­tra­gen in die Anwe­sen­heits­lis­te den Wunsch bekun­det haben, im Sit­zungs­be­richt als anwe­send erwähnt zu werden.

Jeder Teil­neh­mer wird also frü­hes­tens zum Zeit­punkt des Ein­tra­gens zum Anwe­sen­den und ver­liert die­se Eigen­schaft beim end­gül­ti­gen Ver­las­sen der Sit­zung. Zeit­lich begrenz­tes Ver­las­sen des Sit­zungs­rau­mes aus zwin­gen­den Grün­den gilt nicht als Unter­bre­chung der Anwesenheit.

en peo­p­le pre­sent     fr per­son­nes présentes

Die Anwe­sen­den wer­den wir folgt unterschieden:

2.3.1 Vor­sit­zen­der; Obmann: prak­tisch oder theo­re­tisch Lei­ter der  Sitzung.

Der Vor­sit­zen­de kann sich ent­we­der auf eige­nen Wunsch durch eine ande­re Per­son ver­tre­ten las­sen oder de fac­to von ihr (trotz eige­ner Anwe­sen­heit) ver­tre­ten („unter­stützt‘) werden.

en chair­man, con­ve­nor     fr président

2.3.2 Mit­ar­bei­ter; Mit­glie­der: mehr oder weni­ger genau bestimm­ter Kreis von Per­so­nen, meist ein­zeln dem Namen nach benannt. Außer anwe­sen­den Mit­ar­bei­tern gibt es auch  (kör­per­lich) abwe­sen­de Mitarbeiter.

en mem­bers     fr membres

2.3.3 Gäs­te: wei­te­re nicht unter 2.3.1, 2.3.2, 2.3.4 und 2.3.5 fal­len­de Anwe­sen­de, die aus irgend­ei­nem Grund erschie­nen sind oder deren Ein­la­dung nicht zu umge­hen war.

en guest     fr invité(e)s

2.3.4 Refe­rent; Geschäfts­stel­le; Sekre­ta­ri­at: ein oder meh­re­re Ver­tre­ter des ON, deren Haupt­auf­ga­be dar­in besteht

-  für etwa­ige Feh­ler oder Ver­säum­nis­se  (angeb­li­che und/oder wirk­li­che) in jedem Fal­le ver­ant­wort­lich zu sein;

-  einen all­ge­mein ver­ständ­li­chen Sit­zungs­be­richt anzu­fer­ti­gen (sie­he aber 2.3.5);

-  für Ver­pfle­gung und Geträn­ke der Anwe­sen­den zu sor­gen; Kon­zer­te, Bahn- Flug­ver­bin­dun­gen, Wein­stu­ben, sons­ti­ge Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten zu ertei­len, Ein­tritts- und Fahr­kar­ten zu besor­gen, ver­lo­re­ne Gegen­stän­de zu fin­den, abge­ris­se­ne Knöp­fe anzu­nä­hen, Akten nach­zu­sen­den, nicht bezahl­te Rech­nun­gen von Teil­neh­mern zu beglei­chen u. ä.

Sie fun­gie­ren oft auch mehr oder weni­ger offi­zi­ell als Ver­tre­ter des Vor­sit­zen­den, vor allem bei der Sit­zungs­art gemäß 2.4.2.

en tech­ni­cal offi­cer  fr secrétariat

2.3.5 Schriftführer(in): vom ON kos­ten­güns­tig  (hono­rar­frei als Mit­ar­bei­ter gemäß 2.3.2) oder gegen hor­ren­des Hono­rar (als ‚frei­er Mit­ar­bei­ter mit Werk­ver­trag“) zu Beschul­di­gun­gen über den Inhalt, die Form und den Zeit­punkt der Sit­zungs­be­richts­er­stel­lung her­an­ge­zo­ge­ne Per­son, die eben­falls zu den Anwe­sen­den zählt.

en pro­to­co­list    fr secrétaire

2.4 Sit­zungs­ar­ten:

en forms of mee­tings   fr varia­ti­ons des réunions

2.4.1 Redung:

en tal­king  fr discours

2.4.1.1 Mono-Redung: anzu­stre­ben­der Regel­fall, bei dem jeweils nur ein Anwe­sen­der auf Auf­for­de­rung des Vor­sit­zen­den redet.

en mono-tal­king  fr mono-discours

2.4.1.1 Poly-Redung: in der Pra­xis gebräuch­li­che Sit­zungs­art, bei der alle nicht ander­wei­tig beschäf­tig­ten Anwe­sen­den gleich­zei­tig reden.

en poly-tal­king   fr poly-discours

2.4.2 Schwei­gung: Regel­fall für die ers­te Stun­de nach der Mittagspause.

Gele­gent­li­ches reso­nanz­lo­ses Auf­tre­ten der Sit­zungs­art gemäß 2.4.1 ändert nichts am Cha­rak­ter der Schweigung.

en taci­tu­ming    fr tacitumité

2.4.3 Ver­drü­ckung: lang­sa­mes Abbrö­ckeln der Anwe­sen­den, allein oder in Grup­pen, gele­gent­lich durch Mur­meln beglei­tet. Die­se Sit­zungs­art ist typisch für das Ende von Sitzungen.

en fading   fr volatilisation

2.4.4 inver­se Ver­drü­ckung (manch­mal als „Sit­zungs­be­ginn“ bezeich­net): lang­sa­mes Ein­tref­fen der Anwe­sen­den, allein oder in Grup­pen, gele­gent­lich durch Mur­meln beglei­tet. Die­se Sit­zungs­art ist typisch für den Anfang von Sitzungen.

en inver­se fading   fr vola­ti­li­sa­ti­on inverse

2.5 Sit­zungs­be­richt: Sum­me der Bemü­hun­gen von Schriftführer(in) und Refe­rent, etwa zu ver­mu­ten­de Ergeb­nis­se einer oder meh­re­rer der unter 2.4 genann­ten Sit­zungs­ar­ten als tat­säch­lich vor­han­den hin­zu­stel­len und gleich­zei­tig dem Leser des Sit­zungs­be­rich­tes die Vor­stel­lung einer flüs­si­gen, auf das Ziel gerich­te­ten Dis­kus­si­on wäh­rend der Sit­zung zu erwecken.

en brief minu­tes   fr comp­te rendu

2.6 Sit­zungs­ort: jene Stel­le der Erd­ober­flä­che (Bespre­chungs­zim­mer, Raum, Saal, Hotel, Wirts­haus, Fir­ma, Fabrik, Dienst­stel­le o.ä.), an der vor­geb­lich eine Sit­zung statt­fin­den sollte.

en venue of the mee­ting  fr lieu du réunion

2.7 Kon­sens: das all­mäh­li­che Nach­las­sen anhal­ten­den Wider­stan­des gegen bestimm­te For­mu­lie­run­gen in einem Normentext.

3 Bezugs­nor­men und not­wen­di­ge Unterlagen

(wird spä­ter ergänzt)

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