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„Der ver­nünf­ti­ge Mensch passt sich der Welt an; der unver­nünf­ti­ge besteht auf dem Ver­such, die Welt sich anzu­pas­sen. Des­halb hängt aller Fort­schritt von unver­nünf­ti­gen Men­schen ab.“ Die­ses Zitat des iri­schen Dra­ma­ti­kers und Sati­ri­kers Geor­ge Ber­nard Shaw (1856 – 1950) ist an den wis­sen­schaft­li­chen, gesell­schaft­li­chen und tech­ni­schen Fort­schritt adres­siert. Es trifft aber genau­so zu auf die „Welt“ in Form der Arbeits­um­ge­bung eines geis­tig-schöp­fe­risch täti­gen Ange­stell­ten, Frei­be­ruf­lers oder Selb­stän­di­gen. Denn für den beruf­li­chen Erfolg die­ser „Wis­sens­ar­bei­ter“ ist das Vor­han­den­sein eines geeig­ne­ten Arbeits­um­felds unabdingbar.

Wo ist der geeig­ne­te Ort?

Gleich zu Beginn der Tätig­keit zum Bei­spiel als ein­zeln arbei­ten­der Sach­ver­stän­di­ger stellt sich die grund­le­gen­de Fra­ge: Wo – an wel­chem Ort – will ich arbei­ten und wo kann ich tat­säch­lich arbei­ten? Unter wel­chen Mög­lich­kei­ten kann ich wäh­len? Vor allen Din­gen: Wie kann ich mei­ne Tätig­keit ört­lich und zeit­lich der­art ein­rich­ten, dass sie weit­ge­hend stö­rungs- und ablen­kungs­frei erfol­gen kann? Wo sind alle nöti­gen Arbeits­mit­tel in greif­ba­rer Nähe? Wo ste­hen aus­rei­chen­de Arbeits- und Abla­ge­flä­chen zur Ver­fü­gung? Wo kann ich Gegen­stän­de Drit­ter zwi­schen­la­gern und wo sind die­se vor Zugrif­fen Unbe­fug­ter geschützt?

For­de­run­gen der Arbeitswelt 

Es ist schwer, von außen beur­tei­len zu kön­nen, ob und wie weit in unse­rer Arbeits­welt – zum Bei­spiel in grö­ße­ren Betrie­ben – gezielt auf die Erfor­der­nis­se der geis­tig-schöp­fe­ri­schen Arbeit Rück­sicht genom­men wird oder wer­den kann. Und wie weit in der Zeit der stän­di­gen Erreich­bar­keit und der gera­de noch gedul­de­ten und immer kür­zer wer­den­den Reak­ti­ons­fris­ten zum Bei­spiel Stö­rungs­frei­heit über­haupt denk­bar ist. Aber gera­de die­se ist wich­tigs­te Vor­aus­set­zung für das, was der Infor­ma­tik­pro­fes­sor Carl New­port als „Deep Work“ bezeich­net: Höchs­te Kon­zen­tra­ti­on, damit das Gehirn sein gesam­tes Poten­zi­al für höchst­wer­ti­ge Arbeit ent­fal­ten kann.

Vor­den­ker der „Wis­sens­ar­beit“

Die Her­aus­for­de­run­gen sind nicht neu: Schon vor etli­chen Jahr­zehn­ten hat einer der gro­ßen Manage­ment-Den­ker auf beson­de­re Not­wen­dig­kei­ten im Hin­blick auf geis­tig-schöp­fe­risch Täti­ge hin­ge­wie­sen, näm­lich Peter Dru­cker (1909 – 2005), der US-ame­ri­ka­ni­sche Öko­nom mit alt­ös­ter­rei­chi­schen Wur­zeln. Sein Zitat aus dem Jahr 1968 hat bis heu­te nichts an Aktua­li­tät ver­lo­ren: Wis­sens­ar­beit pro­duk­tiv zu machen ist die gro­ße Manage­ment­auf­ga­be die­ses Jahr­hun­derts, so wie es die Auf­ga­be des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts war, manu­el­le Arbeit pro­duk­tiv zu machen. – Die Begrif­fe „Wis­sens­ar­beit“ und „Wis­sens­ar­bei­ter“ sind übri­gens Wort­schöp­fun­gen Druckers.

Büro oder Zuhause?

Die Arbeit als Sach­ver­stän­di­ger ist allein schon auf­grund der gebo­te­nen Ver­trau­lich­keit orga­ni­sa­to­risch von der „nor­ma­len“ Beschäf­ti­gung im Erwerbs­le­ben zu tren­nen. Selbst­ver­ständ­lich will man aber auf die gewohn­ten Arbeits­mit­tel zurück­grei­fen kön­nen, wobei vor­teil­haf­ter­wei­se ein über­wie­gen­der und immer noch wach­sen­der Anteil an Infor­ma­tio­nen elek­tro­nisch und damit orts­un­ab­hän­gig zur Ver­fü­gung steht. Bleibt zum Bei­spiel für einen Ange­stell­ten noch zu klä­ren, ob er als Sach­ver­stän­di­ger im Büro außer­halb der regu­lä­ren Arbeits­zeit – früh­mor­gens oder spät­nach­mit­tags – oder eher zuhau­se unter­bre­chungs­frei arbei­ten kann.

Ist man im Home-Office ablenkungsfrei?

Also doch eher zuhau­se? Ist man aus­rei­chend Rea­list, wird einem bewusst sein, dass auch bei räum­lich getrenn­tem Home-Office und trotz ver­ein­bar­ter tem­po­rä­rer „Nicht-Sicht­bar­keit“ Unter­bre­chun­gen durch fami­liä­re Ein­flüs­se und For­de­run­gen nie ganz zu ver­mei­den sind, selbst wenn sich die Fami­lie noch so sehr bemüht. Dazu kom­men Anfor­de­run­gen psy­cho­lo­gi­scher Art, etwa die Ablen­kun­gen durch noch zu erle­di­gen­de häus­li­che Auf­ga­ben: Zum Bei­spiel durch die Wie­se vor dem Fens­ter, die wie­der drin­gend Pfle­ge braucht und durch den start­be­rei­ten Rasen­mä­her, der sich auch schon irgend­wie ins Sicht­feld gedrängt hat …

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