CO2-Neutralität ist wohl nicht erreichbar

Energie

Der aus Tsche­chi­en stam­men­de kana­di­sche Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Vaclav Smil war schon öfter „Gast“ in die­ser Blog­rei­he. Er ist bekannt durch sei­ne etwa fünf­zig Bücher, von denen zum Glück auch eini­ge bereits auf Deutsch erschie­nen sind und in denen er die Erkennt­nis­se sei­ner For­schun­gen über wich­ti­ge The­men der Zeit mit peni­bler Genau­ig­keit dar­legt und stets mit Zah­len unter­mau­ert. Smil kon­zen­triert sich auf das Schrei­ben, Medi­en­auf­trit­te mei­det er grund­sätz­lich, weil ihm Pri­vat­heit wich­tig ist und weil er der Mei­nung ist, dass es ohne­hin genug Leu­te gibt, die sich in die Medi­en drängen.

Unlängst hat er über das Fraser Insti­tut, eine Denk­fa­brik in Van­cou­ver, Kana­da, einen 48-sei­ti­gen Bericht ver­öf­fent­licht mit dem Titel “Half­way Bet­ween Kyo­to and 2050: Net Zero Car­bon Is a High­ly Unli­kely Out­co­me,” in dem er ein­geht auf das enor­me Aus­maß des welt­wei­ten Ener­gie­be­darfs, den nur sehr lang­sa­men Über­gang in nach­hal­ti­ge Ener­gie­ar­ten und auf die enor­men Kos­ten, die mit dem Ver­such einer Abkehr von Koh­le­was­ser­stof­fen ver­bun­den sind. Wie es sei­ner Gewohn­heit ent­spricht, legt er in Bezug auf die welt­weit ange­streb­te CO2-Neu­tra­li­tät bis 2050 jedem Abschnitt des Berichts aus­sa­ge­kräf­ti­ge Zah­len hervor.

Nach­ste­hend ein län­ge­rer Aus­zug, der wie­der mit deepL über­setzt und gering­fü­gig kor­ri­giert wurde:

Was die End­ener­gie­ver­wen­dung und die spe­zi­fi­schen Ener­gie­um­wand­lun­gen betrifft, so müss­ten im Zuge des Über­gangs mehr als 4 Tera­watt (TW) an Strom­erzeu­gungs­ka­pa­zi­tät, die der­zeit in gro­ßen Koh­le- und Gas­kraft­wer­ken instal­liert sind, durch die Umstel­lung auf koh­len­stoff­freie Quel­len ersetzt wer­den; fast 1. 5 Mil­li­ar­den Ver­bren­nungs­mo­to­ren (Ben­zin und Die­sel) in Stra­ßen- und Gelän­de­fahr­zeu­gen wären zu erset­zen; alle land­wirt­schaft­li­chen und pflan­zen­ver­ar­bei­ten­den Maschi­nen (ein­schließ­lich etwa 50 Mil­lio­nen Trak­to­ren und mehr als 100 Mil­lio­nen Bewäs­se­rungs­pum­pen) wären auf elek­tri­schen Antrieb oder auf nicht-fos­si­le Brenn­stof­fe umzu­stel­len; neue Quel­len für Wär­me, Heiß­luft und Heiß­was­ser wären zu fin­den, die in einer Viel­zahl von indus­tri­el­len Pro­zes­sen (von der Eisen­ver­hüt­tung über die Zement- und Glas­her­stel­lung bis hin zu che­mi­schen Syn­the­sen und der Kon­ser­vie­rung von Lebens­mit­teln) ver­wen­det wer­den, die heu­te fast 30 Pro­zent aller End­ver­brau­cher fos­si­ler Brenn­stof­fe ver­brau­chen; mehr als eine hal­be Mil­li­ar­de Erd­gas­feu­er­stät­ten, die der­zeit Häu­ser und indus­tri­el­le, insti­tu­tio­nel­le und gewerb­li­che Räu­me behei­zen, wären durch Wär­me­pum­pen oder ande­re Wär­me­quel­len zu erset­zen; und neue Wege wären zu fin­den, um fast 120.000 Schif­fe der Han­dels­flot­ten (Mas­sen­gut­frach­ter für Erze, Zement, Dün­ge­mit­tel, Holz und Getrei­de sowie Con­tai­ner­schif­fe, das größ­te mit einer Kapa­zi­tät von etwa 24.000 Ein­hei­ten, die der­zeit haupt­säch­lich mit Schwer­öl und Die­sel­kraft­stoff betrie­ben wer­den) und fast 25.000 akti­ve Düsen­flug­zeu­ge, die die Grund­la­ge des welt­wei­ten Lang­stre­cken­trans­ports bil­den (die mit Kero­sin betrie­ben wer­den), anzu­trei­ben. .. Auf den ers­ten Blick und auch ohne fun­dier­te tech­ni­sche und wirt­schaft­li­che Ana­ly­sen scheint dies eine unlös­ba­re Auf­ga­be zu sein, wenn man bedenkt, dass

- Wir nur eine ein­zi­ge Gene­ra­ti­on (etwa 25 Jah­re) Zeit haben, um dies zu tun;

- Wir noch nicht ein­mal den Höhe­punkt des welt­wei­ten Ver­brauchs an fos­si­lem Koh­len­stoff erreicht haben; 

- Auf den Höhe­punkt kein sprung­haf­ter Rück­gang fol­gen wird; 

- Wir immer noch kei­ne koh­len­stoff­frei­en groß­tech­ni­schen Pro­zes­se zur Her­stel­lung wich­ti­ger Mate­ria­li­en ein­ge­führt haben; und

- Die Elek­tri­fi­zie­rung bis Ende 2022 nur etwa 2 Pro­zent der Per­so­nen­kraft­wa­gen (mehr als 40 Mil­lio­nen) auf ver­schie­de­ne Arten von bat­te­rie­be­trie­be­nen Autos umge­stellt hat, und die Dekar­bo­ni­sie­rung noch den schwe­ren Stra­ßen­ver­kehr, die Schiff­fahrt und die Luft­fahrt errei­chen muss. 

Smil taucht dann tief ein in das The­ma Roh­stof­fe, Metal­le und Mine­ra­li­en, die für den Ersatz von Koh­le­was­ser­stof­fen benö­tigt wer­den und legt ein beson­de­res Augen­merk auf Kup­fer. Auch hier bringt er wie­der­um Zah­len in sei­ne Überlegungen:

Der Ersatz der heu­ti­gen 1,35 Mil­li­ar­den Ben­zin- und Die­sel­fahr­zeu­ge durch E‑Fahrzeuge und die Ver­sor­gung des erwei­ter­ten Mark­tes (schät­zungs­wei­se 2,2 Mil­li­ar­den Autos bis 2050) wür­de somit in den nächs­ten 27 Jah­ren fast 150 Mil­lio­nen Ton­nen zusätz­li­ches Kup­fer erfor­dern. Das ent­spricht mehr als sie­ben Jah­ren der heu­ti­gen jähr­li­chen Kup­fer­ge­win­nung für die zahl­rei­chen indus­tri­el­len und kom­mer­zi­el­len Ver­wen­dun­gen des Metalls… Kup­fer bie­tet ein ein­drucks­vol­les Bei­spiel für die­se exter­nen Umwelt­aus­wir­kun­gen. Der Metall­ge­halt der aus­ge­beu­te­ten Kup­fer­er­ze aus Chi­le, der welt­weit füh­ren­den Quel­le für die­ses Metall, ist von 1,41 Pro­zent im Jahr 1999 auf 0,6 Pro­zent im Jahr 2023 gesun­ken, und eine wei­te­re Ver­schlech­te­rung der Qua­li­tät ist unver­meid­lich. Legt man den mitt­le­ren Reich­tum von 0,6 Pro­zent zugrun­de, so bedeu­tet dies, dass die Gewin­nung von zusätz­li­chen 600 Mil­lio­nen Ton­nen Metall den Abbau, die Ver­ar­bei­tung und die Abla­ge­rung von fast 100 Mil­li­ar­den Ton­nen Abfall­ge­stein (Berg­bau- und Ver­ar­bei­tungs­ab­fäl­le) erfor­dern wür­de, was etwa dop­pelt so viel ist wie die der­zei­ti­ge jähr­li­che Gesamt­men­ge des welt­weit gewon­ne­nen Mate­ri­als, ein­schließ­lich geern­te­ter Bio­mas­se, aller fos­si­len Brenn­stof­fe, Erze und Indus­trie­mi­ne­ra­le sowie aller Mas­sen­bau­stof­fe. Der Abbau und die Depo­nie­rung solch enor­mer Men­gen an Abfall­ma­te­ri­al hat einen sehr hohen Ener­gie- und Umweltpreis.

Smil weist auch auf die irr­sin­ni­gen Kos­ten von Net Zero hin. Unter Beru­fung auf eine McK­in­sey-Stu­die, in der die Kos­ten für die Net­to-Null­stel­lung auf etwa 275 Bil­lio­nen Dol­lar zwi­schen 2021 und 2050 geschätzt wur­den, sagt Smil, dass die tat­säch­li­chen Kos­ten auf­grund der unver­meid­li­chen Kos­ten­über­schrei­tun­gen min­des­tens 60 % höher lie­gen wer­den. Wenn man die­se Über­schrei­tun­gen hin­zu­rech­net, schreibt er:

Das wür­de die von McK­in­sey geschätz­ten Kos­ten für die glo­ba­le Dekar­bo­ni­sie­rung auf 440 Bil­lio­nen Dol­lar oder fast 15 Bil­lio­nen Dol­lar pro Jahr über drei Jahr­zehn­te erhö­hen, so dass wohl­ha­ben­de Volks­wirt­schaf­ten 20 bis 25 Pro­zent ihres jähr­li­chen BIP für den Über­gang aus­ge­ben müss­ten. Nur ein­mal in der Geschich­te haben die USA (und Russ­land) einen höhe­ren Anteil ihres jähr­li­chen Wirt­schafts­pro­dukts auf­ge­wen­det, und zwar für weni­ger als fünf Jah­re, als sie den Zwei­ten Welt­krieg gewin­nen mussten.

Das BIP der USA beläuft sich der­zeit auf etwa 25 Bil­lio­nen Dol­lar. Wenn wir davon aus­ge­hen, dass Net­to-Null­ener­gie 20 % unse­res BIP kos­ten wird, müss­ten die USA etwa 5 Bil­lio­nen Dol­lar pro Jahr für die Dekar­bo­ni­sie­rung aus­ge­ben. Zum Ver­gleich: Der Haus­halt des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums wird sich 2025 auf etwa 850 Mil­li­ar­den Dol­lar belau­fen. Es erüb­rigt sich zu sagen, dass die Bereit­stel­lung von 5 Bil­lio­nen Dol­lar pro Jahr – oder auch nur eines Vier­tels die­ser Sum­me für die Dekar­bo­ni­sie­rung – nicht mög­lich sein wird.

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Anmer­kung: Erstellt unter Ver­wen­dung von Tei­len des Arti­kels von Robert Bryce https://robertbryce.substack.com/p/vaclav-smil-calls-bullshit-on-net-zero

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