Goldene Diplome

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50 Jahre

Es ist eine schö­ne Tra­di­ti­on an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz (aber wahr­schein­lich nicht nur dort), dass Absol­ven­ten fünf­zig Jah­re nach der Gra­du­ie­rung im Rah­men einer fest­li­chen aka­de­mi­schen Fei­er ein „Gol­de­nes Diplom“ über­reicht wird. Damit soll die Ver­bun­den­heit der ehe­ma­li­gen Stu­den­ten zu ihrer „Alma Mater“ bewusst gemacht und der aka­de­mi­sche Grad „erneu­ert“ wer­den. Vor allem aber ist es für die Betei­lig­ten der Fei­er – aber auch für die Ver­tre­ter der Uni­ver­si­tät – inter­es­sant zu erfah­ren, wel­che Berufs­lauf­bahn die ehe­ma­li­gen Kom­mi­li­to­nen durch­lau­fen haben, die jetzt alle­samt im Pen­si­ons­al­ter ange­kom­men sind.

Was zu Beginn einer der­ar­ti­gen Fei­er als ers­tes auf­fällt, ist das gänz­li­che Feh­len der far­ben­tra­gen­den stu­den­ti­schen Kor­po­ra­tio­nen in Uni­form samt Fah­nen und „Bewaff­nung“, die ja unlängst als nicht mehr zeit­ge­mäß in die Rum­pel­kam­mer der loka­len Uni­ver­si­täts-Geschich­te ver­räumt wor­den sind. Aber wenigs­tens fehlt das sons­ti­ge Geprän­ge nicht, die Magni­fi­zen­zen und Spek­ta­bi­li­tä­ten tra­gen noch ihre schwar­zen Roben und Baret­te und vor­ab mar­schiert immer noch ein weiß­be­hand­schuh­ter Pedell samt Szep­ter als Zere­mo­nien­meis­ter, der der ers­ten Rei­he der Ver­samm­lung dezent bedeu­tet, wann man zu sit­zen und zu ste­hen habe.

Was qua­li­fi­ziert zur Ehrung?

Sieht man von den gerin­gen for­ma­len Erfor­der­nis­sen ab, besteht die ein­zi­ge Vor­aus­set­zung für die Teil­nah­me an einer der­ar­ti­gen Fei­er­lich­keit im Grun­de genom­men dar­in, dass man alt genug wird, um sie erle­ben zu kön­nen und dass man Kraft genug hat, den Weg in die Aula zu schaf­fen, was sich für eini­ge als gar nicht so leich­tes Unter­fan­gen dar­stellt. Die Absol­ven­ten des Jahr­gangs 1974 sind fast aus­schließ­lich männ­lich, zumin­dest was die Fach­grup­pen Bau­we­sen, Maschi­nen­bau, Wirt­schafts­in­ge­nieur­we­sen  und Ver­fah­rens­tech­nik betrifft: Unter den Jubi­la­ren fand sich ledig­lich eine ein­zi­ge Frau.

Die Stu­di­en­de­ka­ne prä­sen­tie­ren die Geehrten

Wenn in einer der­ar­ti­gen Ver­an­stal­tung die not­wen­di­gen Begrü­ßungs­re­den und Ein­lei­tun­gen abge­legt sind und die anwe­sen­de Musik­grup­pe die ers­ten Kost­pro­ben ihres Kön­nens dar­ge­bo­ten hat, beginnt es für die wer­te Zuhö­rer­schaft all­mäh­lich inter­es­sant zu wer­den. Denn die Stu­di­en­de­ka­ne der ein­zel­nen Fach­ge­bie­te stel­len die ihnen zuge­ord­ne­ten gol­de­nen Diplo­mier­ten (oder auch gol­de­nen Dok­to­ren) per­sön­lich vor und schil­dern ihren beruf­li­chen Wer­de­gang und Lebens­lauf, dies in man­chen Fäl­len auf durch­aus humor­vol­le Art und Weise.

Job-Hop­ping mit Aus­lauf als Konsulent

Die beschrie­be­nen Kar­rie­ren sind zwar sehr unter­schied­lich ver­lau­fen, wei­sen aber in eini­gen Fäl­len gewis­se Mus­ter auf. Da sind die­je­ni­gen, die nach dem Stu­di­um rasch in die Indus­trie gewech­selt sind, man­che in weni­gen, vie­le in meh­re­ren Sprün­gen durch ver­schie­de­ne Fir­men beacht­li­che Stel­lun­gen erreicht haben. Vie­le davon enden mit einer Tätig­keit als Kon­su­lent. Ande­re wie­der­um star­te­ten als Assis­tent an der TU, mach­ten nach­her Kar­rie­re in der Indus­trie, um spä­ter wie­der eine Lehr­tä­tig­keit oder gar eine Pro­fes­sur an Uni­ver­si­tä­ten oder Höhe­ren Tech­ni­schen Lehr­an­stal­ten anzutreten.

Nicht vie­le Unter­neh­mer und Selbständige

Es ist ver­ständ­lich, dass nur weni­ge gleich nach dem Stu­di­um ein eige­nes Unter­neh­men oder ein Inge­nieur­bü­ro eröff­ne­ten, muss­ten die meis­ten doch erst die dazu not­wen­di­gen Qua­li­fi­ka­tio­nen erwer­ben. Aber meh­re­re der Jubi­la­re besa­ßen danach oder in kür­ze­ren Zeit­räu­men Inge­nieur­bü­ros oder wur­den Zivil­tech­ni­ker, wobei einer der Teil­neh­mer in per­sön­li­chem Gespräch durch­aus ein­be­kann­te, er habe sich in der „Cor­po­ra­te World“ sehr gut zurecht­ge­fun­den, als Selb­stän­di­ger mit eige­nem Inge­nieur­bü­ro sei er aber nicht glück­lich und daher auch nicht erfolg­reich gewor­den, was ihn wie­der in gewohn­te Gefil­de zurück­ge­führt habe.

Guter Abschluss

Da war noch ein Detail, nach dem man ver­ge­bens Aus­schau hielt: Die gol­de­nen Rol­len fehl­ten, auch sie waren offen­sicht­lich ein Opfer der der neu­en Schlicht­heit gewor­den, als Ersatz muss­ten schlich­te Prä­sen­ta­ti­ons­map­pen her­hal­ten. Aber das sind letzt­lich Äußer­lich­kei­ten. Was noch blieb? Eine Ein­tra­gung in das Gol­de­ne Buch der TU und der Genuss eines sehr guten Buf­fets im Bespre­chungs­zim­mer des Rek­to­rats, wo unter den vie­len Por­traits der Rek­to­ren aus ver­gan­ge­nen Epo­chen noch eini­ge gute Gesprä­che statt­fin­den konnten …

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