Gasturbinen: Anmerkungen aus Sicht eines Technikers

·

·

Gasturbine

Die wach­sen­de Strom­erzeu­gung durch Solar- und Wind­kraft­wer­ke benö­tigt wegen ihrer Unste­tig­keit ein Rück­grat, das nicht nur aus­rei­chend stark, son­dern auch fle­xi­bel genug ist, tages­zeit- und wit­te­rungs­ab­hän­gi­ge Schwan­kun­gen aus­zu­glei­chen. Die­ses Rück­grat bil­den zu einem über­wie­gen­den Teil Gas­tur­bi­nen-Kraft­wer­ke. Gas­tur­bi­nen sind ther­mi­sche Tur­bo­ma­schi­nen, die mit Erd­gas oder Kraft­stof­fen aus Erd­öl ange­trie­ben wer­den. Auf­grund ihrer tech­ni­schen Eigen­schaf­ten sind sie in der Lage, inner­halb weni­ger Minu­ten aus dem Still­stand auf Höchst­leis­tung hoch­fah­ren zu können.

Gas­tur­bi­nen sind nicht nur wegen die­ser Eigen­schaft wich­tig. Es ist vor allem die breit­ge­fä­cher­te Viel­falt von Anwen­dun­gen, mit der die­se Rota­ti­ons­ma­schi­nen glän­zen. Der häu­fi­ge sta­tio­nä­re Ein­satz zur Strom­erzeu­gung dürf­te der All­ge­mein­heit eher weni­ger bekannt sein. Bedenkt man aber, dass prak­tisch alle gro­ßen Pas­sa­gier- und Fracht­flug­zeu­ge Antrie­be über Gas­tur­bi­nen auf­wei­sen, muss auch dem Lai­en fol­gen­de Tat­sa­che klar sein: Setz­te man welt­weit alle Gas­tur­bi­nen außer Betrieb, wür­de die Welt­wirt­schaft emp­find­lich getrof­fen, wenn nicht gar zusammenbrechen.

Gas- und Dampfkraftwerke

Zurück zur Strom­erzeu­gung: Rei­ne Gas­tur­bi­nen-Kraft­wer­ke sind kos­ten­güns­tig zu errich­ten, haben aber einen gerin­gen Wir­kungs­grad. Effi­zi­en­ter ist die Kom­bi­na­ti­on mit einer Dampf­tur­bi­ne. In sol­chen GuD-Anla­gen erzeugt zuerst eine Gas­tur­bi­ne Strom, dann wird durch das hei­ße Abgas der Gas­tur­bi­ne in einem Abhit­ze­kes­sel Dampf erzeugt, der dann über eine Dampf­tur­bi­ne gelei­tet wird, die ihrer­seits wie­der über einen Gene­ra­tor Strom erzeugt. Sol­che Anla­gen haben einen höhe­ren Wir­kungs­grad, ein schö­nes Bei­spiel dafür fin­det sich in der Stei­er­mark im neu­es­ten Bau­teil des Kraft­werks Mellach.

Anwen­dun­gen in der Industrie

Weni­ger bekannt dürf­te sein, dass viel­fach auch gro­ße Indus­trie­be­trie­be die Mög­lich­keit nut­zen, eige­nen Strom über Gas­tur­bi­nen-Kraft­wer­ke zu erzeu­gen. Der Grund dafür könn­te in güns­ti­ge­ren Geste­hungs­kos­ten lie­gen, aber auch in Sicher­heits­über­le­gun­gen, etwa dann, wenn ein Werk über eine ein­zi­ge Strom­zu­lei­tung ver­sorgt wird, die bei Unwet­tern Gefahr läuft, unter­bro­chen zu wer­den, was Pro­ble­me in der Pro­duk­ti­on zur Fol­ge haben könn­te. Bei­spie­le für sol­che Anla­gen fin­den sich hier­zu­lan­de in der Kar­ton- oder in der Auto- und Autozulieferindustrie.

Anwen­dun­gen im Luftverkehr

Sieht man von Klein­flug­zeu­gen ab, bedient sich der gesam­te Luft­ver­kehr der Strahl­an­trie­be über Gas­tur­bi­nen. Die tech­ni­sche Ent­wick­lung im Lauf der Jahr­zehn­te hat dazu geführt, dass die­se Antrie­be nicht nur um eine Grö­ßen­ord­nung spar­sa­mer und damit ärmer an Emis­sio­nen wur­den, son­dern auch wesent­lich lei­ser. Stand der Tech­nik sind Man­tel­strom­trieb­wer­ke, bei denen der Rück­stoß aus dem Abgas­strahl um einem zusätz­li­chen Luft­strom um die Trieb­werks­zel­le erwei­tert wird. Auch die Pro­pel­ler klei­ne­rer Pas­sa­gier­ma­schi­nen wer­den von Gas­tur­bi­nen angetrieben.

Anwen­dun­gen im Militär

In der Luft …

Schon im zwei­ten Welt­krieg wur­den Kampf­flug­zeu­ge mit Strahl­an­trie­ben aus Gas­tur­bi­nen ein­ge­setzt. Heu­ti­ge Kampf‑, aber auch Trans­port­flug­zeu­ge fast jeder Art und jeder Nati­on wären ohne Gas­tur­bi­nen­an­trie­be undenk­bar. Das schnells­te bis­her bekann­te bemann­te Flug­zeug dien­te der Spio­na­ge und erreich­te Geschwin­dig­kei­ten von über Mach 3, also mehr als drei­fa­che Schallgeschwindigkeit.

… zu Lande …

Der bekann­tes­te und wahr­schein­lich auch der größ­te Kampf­pan­zer der US-Armee, der Abrams M1, wird durch eine Gas­tur­bi­ne mit einer Leis­tung von ein­ein­halb­tau­send PS ange­trie­ben. Die­se Gas­tur­bi­ne erwies sich als äußerst zuver­läs­sig, mei­nes Wis­sens hat es bei den über tau­send die­ser Kolos­se, die im Golf­krieg 1991 ein­ge­setzt wor­den sind, kei­nen ein­zi­gen Aus­fall einer Gas­tur­bi­ne gegeben.

… und zu Wasser!

Ein Bei­spiel: Sämt­li­che Zer­stö­rer der Ticon­de­ro­ga-Klas­se der US-Mari­ne sind mit vier Gas­tur­bi­nen als Antriebs­ag­gre­ga­te aus­ge­stat­tet. Die der „USS Cape St. Geor­ge (CG-71)“ etwa haben zusam­men eine Leis­tung von etwa 80.000 PS. Bei Schnell­start erlaubt dies eine Beschleu­ni­gung von 0 auf über 30 Kno­ten (deut­lich über 50 km/h) in weni­gen Minu­ten. Das Schiff ist etwa 170 Meter lang und hat eine Besat­zung von etwa 350 Mann.

Fazit: Gas­tur­bi­nen wei­ter­hin allgegenwärtig 

Im Hin­blick auf erneu­er­ba­re Ener­gie und sich bie­ten­de Alter­na­ti­ven für die­se Art von Antrie­ben steht fest: Ein Ersatz für Gas­tur­bi­nen ist weit und breit nicht in Sicht. Man darf daher die Augen nicht vor der Tat­sa­che ver­schlie­ßen, dass wir in wei­ten Berei­chen der Ener­gie­be­reit­stel­lung zumin­dest in den nächs­ten zehn oder zwan­zig Jah­ren noch auf beträcht­li­che Men­gen kon­ven­tio­nel­ler und fos­si­ler Brenn­stof­fe ange­wie­sen sein wer­den, vor­aus­ge­setzt, der heu­ti­ge Lebens­stan­dard soll bei­be­hal­ten oder zumin­dest nicht dra­ma­tisch gekürzt werden.

Weitere Beiträge

Kategorien

Suche

Archiv

Stichwörter