Der Weg zur aufwandsgerechten Zeugengebühr (Teil 1)

Ü

Neh­men wir an, Sie wären selbst­stän­di­ger Inge­nieur und in einem Zivil­ver­fah­ren als Zeu­ge vor­ge­la­den, weil Sie zuvor für eine der Streit­par­tei­en gear­bei­tet haben. Sie sol­len zu Ihren Wahr­neh­mun­gen befragt wer­den. Sie kom­men Ihrer Zeu­gen­pflicht nach, rei­sen zum Gerichts­ter­min im eige­nen Fahr­zeug an und fin­den einen Park­platz. Zwei Stun­den war­ten Sie vor dem Ver­hand­lungs­saal, end­lich wer­den Sie ver­nom­men, eine Stun­de lang. Die Rich­te­rin erklärt, dass Ihnen dafür Zeu­gen­ge­bühr zustün­de, fragt Sie, ob Sie eine sol­che bean­spru­chen und wenn ja, in wel­cher Höhe. Was ant­wor­ten Sie?

Unter dem Druck, rasch reagie­ren zu müs­sen, lau­fen Sie Gefahr, ein paar gra­vie­ren­de Feh­ler zu bege­hen. Denn Sie sind auf die­se Fra­ge nicht vor­be­rei­tet und daher fällt Ihnen im ers­ten Moment kei­ne Ant­wort ein (ers­ter Feh­ler). Die Rich­te­rin hakt nach, ob Sie einen Ver­dienst­ent­gang gehabt hät­ten. Sie ant­wor­ten mit einem Nein, Sie sei­en ja selbst­stän­dig (zwei­ter Feh­ler). Dann fragt Sie, mit wel­chem Ver­kehrs­mit­tel Sie ange­reist wären. Eige­nes Auto, ja? Also kön­nen Sie Kilo­me­ter­geld bean­spru­chen. Man bie­tet Ihnen ein paar Euro an. Sie akzep­tie­ren (drit­ter Fehler).

Von der Aus­sa­ge bleibt ein scha­ler Nachgeschmack

Wäh­rend der fol­gen­den Heim­fahrt und nach­dem die Anspan­nung nach­ge­las­sen hat, wird Ihnen all­mäh­lich klar, dass Sie für die­se paar Euro Ent­schä­di­gung einen gan­zen Nach­mit­tag geop­fert haben. Ja mehr noch, am Vor­tag sind Sie meh­re­re Stun­den lang kon­zen­triert über den aus dem Archiv her­vor­ge­hol­ten Unter­la­gen geses­sen und haben ver­sucht, sich an Details und Vor­gän­ge zu erin­nern, die auch schon wie­der zwei Jah­re her waren, in der Hoff­nung, nur ja nichts zu über­se­hen. Müh­sam und in kei­ner Wei­se erbau­lich, aber was tut man nicht alles, wenn man sei­nen staats­bür­ger­li­chen Pflich­ten nach­kom­men muss …

Müs­sen Zeu­gen finan­zi­el­le Nach­tei­le haben?

Auf der Grund­la­ge der Teil­nah­me an vie­len Gerichts­ver­hand­lun­gen kann ich guten Gewis­sens behaup­ten, dass der­lei Vor­komm­nis­se recht häu­fig sind: Fach­leu­te, die ihrer Pflicht nach­kom­men und als Zeu­gen viel zur Wahr­heits­fin­dung bei­tra­gen, bezah­len dies im End­ef­fekt mit per­sön­li­chem Ver­lust an Zeit und Ver­dienst. Das ist nicht gera­de ein Zei­chen der Wert­schät­zung. Erst unlängst war ich Sach­ver­stän­di­ger in einem Ver­fah­ren und konn­te mit­er­le­ben, wie ein Kol­le­ge aus dem Tech­nik­fach genau durch die glei­che Situa­ti­on gegan­gen ist, wie ich sie in den ers­ten bei­den Absät­zen beschrie­ben habe.

Es sind die Par­tei­en, die ein Ver­fah­ren vor dem Zivil­ge­richt tragen 

Wenn wir Sach­ver­stän­di­ge oder Fach­leu­te jemals wie­der in die Lage kom­men soll­ten, in einem Ver­fah­ren vor einem Zivil­ge­richt als Zeu­ge aus­sa­gen zu müs­sen, soll­ten wir uns fol­gen­des vor Augen hal­ten: Ein sol­ches Ver­fah­ren wird grund­sätz­lich von den Par­tei­en getra­gen! Das heißt im Klar­text: Selbst wenn wir unter jus­ti­zi­el­ler Auto­ri­tät zur Zeu­gen­aus­sa­ge gela­den wer­den, bleibt das Ver­fah­ren im Grun­de genom­men immer noch eine Ange­le­gen­heit von einem Klä­ger und einem Beklag­ten. Zeu­gen wer­den fast immer von einer die­ser Par­tei­en genannt, um den jewei­li­gen Pro­zess­stand­punkt zu unterstützen.

Zeu­gen müs­sen kei­ne Gra­tis-Dienst­leis­tun­gen erbringen

Das ist aber noch lan­ge nicht alles: Berück­sich­ti­gen wir des Wei­te­ren noch die Tat­sa­che, dass es in einem Zivil­ver­fah­ren fast immer nur um Mate­ri­el­les geht, stellt sich unwei­ger­lich die nächs­te Fra­ge: War­um soll ich als fach- und sach­kun­di­ger Zeu­ge in einem Streit, den zwei Par­tei­en etwa um eine beträcht­li­che Sum­me Gel­des aus­fech­ten, qua­si als Dienst­leis­ter tätig wer­den? Das mehr oder weni­ger gra­tis, ja sogar zum eige­nen Nach­teil und in einem Pro­zess, der mich nichts angeht? Noch bru­ta­ler: War­um soll ich für zwei „Streit­han­seln“ irgend­wel­che Gra­tis­leis­tun­gen erbringen?

Ein Zeu­ge kann sich eine Stra­te­gie zurechtlegen

Selbst bin ich zu mei­nem Glück in ein sol­ches „Gra­tis­leis­tungs-Sze­na­rio“ nur ein- oder zwei­mal hin­ein­ge­stol­pert, und das ist auch schon recht lan­ge her. Als mir aber vor eini­ger Zeit wie­der eine Ladung zu einer Zeu­gen­aus­sa­ge zu einem grö­ße­ren Gerichts­fall ins Haus geflat­tert ist, habe ich mir Zeit genom­men und über­legt, wie ich mei­nen Auf­wand für die nicht unbe­trächt­li­chen Vor­be­rei­tun­gen und die Zeu­gen­aus­sa­ge ersetzt bekom­men könn­te. Dann habe ich mir dazu eine pas­sen­de Stra­te­gie über­legt. Die hat zum Nut­zen aller sehr gut funk­tio­niert. Mehr dar­über im nächs­ten Blogbeitrag!

Weitere Beiträge

Kategorien

Suche

Archiv

Stichwörter