Ölheizung ade?

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Storno

In der Nach­kriegs­zeit der 1950er-Jah­re wur­den mit begin­nen­dem Wohl­stand in der klein­städ­tisch gepräg­ten Gegend, in der ich auf­ge­wach­sen bin, mit viel Eigen­leis­tung zahl­rei­che Ein­fa­mi­li­en­häu­ser errich­tet. Hei­zungs­sei­tig gese­hen waren sie noch recht ein­fach aus­ge­stat­tet: Sie besa­ßen mit Holz und Koh­le befeu­er­te Kamin­öfen. Warm­was­ser gab es nur zu Bade­ta­gen, die damals übli­chen Bade­zim­mer­öfen ver­tru­gen ordent­li­che Men­gen Brenn­stoff. Mit den Sech­zi­gern kamen dann Zen­tral­hei­zun­gen auf, anfangs eben­falls noch mit Fest­brenn­stof­fen betrie­ben. All­mäh­lich aber began­nen sich bei denen, die es sich leis­ten konn­ten, Ölfeue­run­gen durchzusetzen.

Anfangs waren vor allem die grö­ße­ren Anla­gen noch mit leich­ten oder gar mit­tel­schwe­ren Heiz­ölen befeu­ert, die elek­trisch vor­ge­wärmt wer­den muss­ten. Den­noch: Gegen­über Fest­brenn­stoff­hei­zun­gen war der Kom­fort­ge­winn enorm. Für klei­ne­re Heiz­an­la­gen war Heiz­öl extra leicht in Ver­wen­dung, das sich dann ab den Acht­zi­gern prak­tisch als Stan­dard eta­blier­te. Die Ver­bren­nungs­tech­ni­ken wur­den stän­dig ver­bes­sert, zahl­rei­che Her­stel­ler betra­ten den Markt, auch klei­ne­re, die nur regio­na­le Bedeu­tung hatten.

Ölfeue­run­gen brach­ten kon­kur­renz­lo­sen Komfort

Inter­es­san­ter­wei­se ver­moch­ten auch die soge­nann­ten Ölkri­sen 1973 oder 1979 und die auf­ein­an­der­fol­gen­den Preis­er­hö­hun­gen in unse­rer länd­li­chen Gegend die Beliebt­heit ölbe­feu­er­ter Zen­tral­hei­zungs­kes­sel nicht zu min­dern. Preis­schwan­kun­gen konn­te man durch geschick­tes Abwar­ten vor der nächs­ten Tank­be­fül­lung abfe­dern, außer­dem gab es unter den Lie­fe­ran­ten noch so etwas wie Kon­kur­renz. Für das Heiz­öl als Ener­gie­lie­fe­rant waren auch noch kei­ne erns­ten Mit­be­wer­ber in Sicht, Erd­gas oder Fern­wär­me waren den grö­ße­ren Städ­ten vor­be­hal­ten und am Land kein The­ma. Auch Flüs­sig­gas­an­la­gen waren sel­te­ne Ausnahmeerscheinungen.

Ersatz von Heiz­öl durch Holz­feue­rung oder Wärmepumpen

Ers­te, zu Beginn noch zag­haf­te Her­aus­for­de­rer erschie­nen erst in den Acht­zi­gern auf der Bild­flä­che: Einer­seits auto­ma­ti­sier­te Holz­hei­zun­gen in Form von Hack­schnit­zel- und spä­ter Pel­lets-Feue­run­gen und ande­rer­seits Wär­me­pum­pen, anfangs über­wie­gend sol­che mit Erd­wär­me­nut­zung. Wäh­rend die Anzahl an Holz­hei­zun­gen seit­her ste­tig zunahm, haupt­säch­lich wegen der brei­ten Ver­füg­bar­keit des hei­mi­schen Brenn­stoffs und wegen sei­nes Kos­ten­vor­teils, war der Wär­me­pum­pen­tech­nik eher ein Wech­sel­bad der Akzep­tanz beschie­den: Mal ging etwas, dann sta­gnier­ten die Absatz­zah­len wieder.

Ersatz von Heiz­öl durch Fernwärme

Eben­falls begin­nend mit den Acht­zi­gern kam in der klein­städ­ti­schen und länd­li­chen Regi­on ein wei­te­rer Fak­tor ins Spiel: Fern­wär­me, hier wegen der Klein­räu­mig­keit auch oft als Nah­wär­me bezeich­net. Die­se Anla­gen wer­den fast aus­schließ­lich mit Bio­mas­se in Form von Holz-Hack­schnit­zeln befeu­ert und sind heu­te aus vie­len Markt­fle­cken und klei­ne­ren Städ­ten nicht mehr weg­zu­den­ken. Da sie für den Wär­me­be­zie­her den Vor­teil boten, sich prak­tisch nicht mehr mit Hei­zung beschäf­ti­gen zu müs­sen, sind im Lauf der Zeit auch vie­le Ölfeue­rungs­an­la­gen durch Fern­wär­me­sta­tio­nen ersetzt worden.

CO2-Emis­sio­nen sind kein geeig­ne­ter Maßstab

Im gesam­ten gese­hen spie­len aber die Ölfeue­rungs­an­la­gen immer noch eine bedeu­ten­de Rol­le in der Wär­me­ver­sor­gung von Ein­fa­mi­li­en­häu­sern. Dass von EU- und natio­na­ler Gesetz­ge­ber­sei­te aus­ge­rech­net mit dem Argu­ment der CO2-Reduk­ti­on den Ölhei­zun­gen nun der tota­le Krieg ange­sagt wur­de, ent­behrt nicht der Iro­nie: Die Ver­feue­rung von Heiz­öl ver­ur­sacht pro Kilo­watt­stun­de End­ener­gie wesent­lich weni­ger CO2- Emis­sio­nen als die von Holz, das deut­lich mehr CO2-Emis­sio­nen ver­ur­sacht als Heiz­öl, näm­lich fast gleich viel wie Kohle!

Alte Abhän­gig­kei­ten nicht gegen neue eintauschen

Auch wenn die ener­gie­po­li­ti­schen Ho-Ruck-Metho­den unnö­ti­gen zeit­li­chen und finan­zi­el­len Stress ver­ur­sa­chen, darf man den­noch den lang­sa­men Abschied vom Heiz­öl begrü­ßen, allein schon der Abhän­gig­keit von den Öllie­fe­ran­ten wegen. Nur muss der Über­gang auf Neu­es mit Bedacht, Beach­tung und Ver­mei­dung mög­li­cher Nach­tei­le erfol­gen, dies auch des­halb, um nicht alte Abhän­gig­kei­ten gegen neue ein­zu­tau­schen. Ob im Hin­blick dar­auf die als Mine­ral­ö­ler­satz ange­dach­ten E‑Fuels poli­tisch und wirt­schaft­lich sinn­voll sein kön­nen und ob sich dar­aus ein neu­es Leben für Ölfeue­run­gen ergibt, wird erst die Zukunft zeigen.

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