Energie: Worauf es wirklich ankommt

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Energie

Wer sich ein Berufs­le­ben lang mit dem The­ma Ener­gie beschäf­tigt, kann über man­che Ent­wick­lun­gen ins Grü­beln kom­men. Mein Ein­stieg in das Fami­li­en­un­ter­neh­men – damals noch Instal­la­ti­ons­un­ter­neh­men und schon Pla­nungs­bü­ro für Elek­tro- und Wär­me­tech­nik und Maschi­nen­bau – fiel in die Zeit nach der ers­ten „Ener­gie­kri­se“, als Scheichs den Roh­öl­preis gehö­rig hin­auf­schnalz­ten und allen die Abhän­gig­keit von Ener­gie­im­por­ten schmerz­lich bewusst wur­de. Mei­ne Kon­se­quenz: Inten­si­ve Beschäf­ti­gung mit Son­nen­en­er­gie und Ener­gie­ef­fi­zi­enz. Das ist bald fünf­zig Jah­re her, viel hat sich inzwi­schen geän­dert. Außer der Abhän­gig­keit, die besteht immer noch.

Knapp­heit – ob echt, her­bei­ma­ni­pu­liert oder auch nur vor­ge­täuscht – treibt heu­te wie damals die Prei­se nach oben. Knapp­heit ist wie­der Anlass zu fie­ber­haf­tem Suchen nach Alter­na­ti­ven und einem Aus­weg aus der Abhän­gig­keit. Man­cher schüt­telt ungläu­big den Kopf: Das Spiel ist doch seit Jahr­zehn­ten das glei­che, haben wir denn nichts dar­aus gelernt? Abhän­gig­keit zuerst von den Öllie­fer­län­dern, dann von Erd­gas­pipe­lines aus Russ­land. Und immer wie­der sind es geo­po­li­ti­sche Ereig­nis­se, die eine schein­bar sta­bi­le Situa­ti­on einer gesi­cher­ten Ver­sor­gung uner­war­tet zum Kip­pen brin­gen und fast jeden von uns emp­find­lich an der Geld­bör­se treffen.

Der Ener­gie­hun­ger wird nicht kleiner 

Im Lau­fe der Jah­re hat es auch ande­re Ent­wick­lun­gen gege­ben, die sich ablös­ten oder sich über­lapp­ten und die das Umden­ken wei­ter beflü­gel­ten: Sau­rer Regen und Wald­ster­ben, Ozon­loch, Umwelt­schutz und Rein­hal­tung der Luft, gesetz­li­che Rege­lun­gen zur Ener­gie­ein­spa­rung wie den Ener­gie­aus­weis und letzt­lich die Zuspit­zung der Umwelt­dis­kus­si­on auf den Kli­ma­wan­del. Weni­ger Ener­gie ver­brau­chen, erneu­er­ba­re Ener­gien nutz­bar machen, lau­te­ten  die Appel­le. Der glo­ba­le Ver­brauch an fos­si­len Ener­gien und die zuge­hö­ri­gen Emis­sio­nen stie­gen trotz­dem ste­tig wei­ter an, ver­ur­sacht beson­ders von Schwel­len­län­dern, vor allem China.

Eine dekar­bo­ni­sier­te Wirt­schaft ist nicht machbar

Was sich zur­zeit in Poli­tik und Gesell­schaft zum The­ma Ener­gie abspielt, ist schie­rer Aktio­nis­mus, getrie­ben von einer grü­nen und lin­ken Ideo­lo­gie, die als Teil der Angst­in­dus­trie durch ihr stän­di­ges Getrom­mel gro­ße Tei­le der Öffent­lich­keit in gehirn­ge­wa­sche­ne Gei­sel­haft genom­men hat. Die­se Ideo­lo­gie und ihre Ver­fech­ter schei­nen längst schon blind zu sein gegen­über Gege­ben­hei­ten und Mög­lich­kei­ten, die sich in der rea­len Welt bie­ten. Wir kön­nen uns zum Bei­spiel eine „dekar­bo­ni­sier­te“ oder „kli­ma­neu­tra­le“ Wirt­schaft (also eine ohne Net­to-CO2-Emis­si­on) wün­schen, wir kön­nen sie uns viel­leicht vor­stel­len, aber sie ist aus heu­ti­ger Sicht – wenn über­haupt – nicht in zwei oder drei Jahr­zehn­ten machbar.

Ohne fos­si­le Brenn­stof­fe geht auch in Zukunft nix

Unse­re gesam­te indus­tria­li­sier­te Zivi­li­sa­ti­on ist erst mög­lich gewor­den durch den Ein­satz fos­si­ler Ener­gien, von Koh­le ange­fan­gen über Erd­öl zum Erd­gas. Unse­re schie­re Exis­tenz ist dar­auf auf­ge­baut. Eine rasche Abkehr davon und ein völ­li­ger Über­gang auf ledig­lich Ener­gie aus Bio­mas­se, Son­ne und Wind­kraft ist nicht mach­bar. Der kana­di­sche Ener­gie-Exper­te Vaclav Smil weist in einem Inter­view, das er unlängst der New York Times gege­ben hat, dar­auf hin, dass etwa Deutsch­land in den letz­ten 20 Jah­ren umge­rech­net eine hal­be Bil­li­on Dol­lar für die Ener­gie­wen­de aus­ge­ge­ben hat, die den Anteil fos­si­ler Brenn­stof­fe von 84 auf 76 Pro­zent ver­min­dert hat. Wie soll­te man da bis 2030 oder 2035 auf net­to 0 Pro­zent kom­men, wenn noch völ­lig unklar ist, wie alles neu ent­ste­hen­de CO2 eli­mi­niert wer­den könnte?

Die Rela­tio­nen beachten

Dazu kommt noch, dass die glo­ba­len Aus­wir­kun­gen sol­cher Bemü­hun­gen ver­nach­läs­sig­bar sind: Deutsch­land ver­ur­sacht ledig­lich etwa 2 Pro­zent und Öster­reich etwa 0,2 Pro­zent der glo­ba­len CO2-Emis­sio­nen. Jede Ein­spa­rung an CO2 hier­zu­lan­de wird durch lau­fen­den Aus- und Neu­bau von Koh­le­kraft­wer­ken allein schon durch Chi­na und Indi­en um ein Mehr­fa­ches auf­ge­wo­gen. Dass ange­sichts die­ser Rela­tio­nen ton­an­ge­ben­de Poli­ti­ker hier wie dort vom mil­li­ar­den­ver­zeh­ren­den Wel­ten­ret­ter- und „Klimaschutz“-Syndrom getrie­ben zu sein schei­nen, ist ohne­hin unverständlich.

Wor­auf es ankommt

Heißt das jetzt, dass wir gar nichts tun sol­len? Natür­lich nicht! Wir kön­nen sehr wohl etwas tun. Aber Alar­mis­mus und hek­ti­scher Akti­vis­mus hel­fen nicht. Wor­auf es jetzt ankommt, ist etwas ganz ande­res: Die Fak­ten müs­sen end­lich auf den Tisch, Dis­kus­si­on und Hin­ter­fra­gen bis­her als Tabu betrach­te­ter Annah­men muss end­lich erlaubt sein, jedes Für und Wider muss abge­wo­gen wer­den kön­nen. Begrenz­te Mit­tel müs­sen klug ein­ge­setzt wer­den, über denk­ba­re Lösun­gen muss frei und nach sach­li­chen Gesichts­punk­ten ent­schie­den wer­den kön­nen. Ener­gie nicht nur effi­zi­ent (also mög­lichst wir­kungs­voll), son­dern auch effek­tiv (also nur so viel wie nötig) ver­wen­den muss wie­der Vor­rang bekom­men. Und unred­li­chen poli­ti­schen und media­len Akteu­ren soll­te die Bedeu­tung des nas­sen Fet­zens in Erin­ne­rung geru­fen werden …

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