Wertbasiertes Honorar

PfeilEin jun­ger soeben selbst­stän­dig gewor­de­ner Maschi­nen­bau-Kol­le­ge ist erfreut über sei­nen ers­ten Auf­trag. Sein Kun­de hat sich kos­ten­güns­tig eine gebrauch­te Pro­duk­ti­ons­ma­schi­ne ange­schafft und will mit ihr das glei­che Pro­dukt erzeu­gen, wie mit einem fort­ge­schrit­te­nen, fabrik­neu­en, aber nicht leist­ba­ren Exem­plar. Einen Auf­trag dazu hat er bereits. Aller­dings fehlt ihm jede Vor­stel­lung davon, wie die Maschi­ne tech­nisch auf­zu­rüs­ten ist und wel­che Ver­bes­se­run­gen not­wen­dig sind. Noch dazu drängt die Zeit, da er eine Frist zur Aus­lie­fe­rung sei­nes Auf­trags hat. Der jun­ge Kol­le­ge macht sich unver­züg­lich an die Arbeit.

Er bringt den gro­ßen Vor­sprung mit, dass er zuvor in einem Pro­duk­ti­ons­be­trieb gear­bei­tet hat und viel Erfah­rung mit sol­chen Maschi­nen und ihren Arbeits­pro­zes­sen hat. Er ist auch bes­tens über gesetz­li­che, tech­ni­sche Not­wen­dig­kei­ten und über For­de­run­gen der Maschi­nen­si­cher­heit im Bil­de. Zudem hat er ein gutes Gespür für kos­ten­güns­ti­ge Lösun­gen und ein aus­ge­präg­tes Gefühl dafür, was mach­bar ist und was nicht. Er ist auf jeden Fall ein Glücks­griff für sei­nen Auf­trag­ge­ber. Es dau­ert nicht sehr lan­ge und der Kol­le­ge hat sei­ne tech­ni­schen Vor­schlä­ge in weni­gen Stun­den ent­wor­fen, aus­ge­feilt und für den Kun­den ver­ständ­lich aufs Papier skizziert.

Wis­sen und Erfah­rung zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort

Nach unver­züg­li­cher Frei­ga­be durch den Kun­den ver­an­lasst er die Umset­zung durch einen Fach­be­trieb, der die Umbau­ten auf­grund der punkt­ge­nau­en Vor­ga­ben recht schnell durch­füh­ren kann. Der jun­ge Kol­le­ge kon­trol­liert nach Fer­tig­stel­lung einen kur­zen Pro­be­be­trieb, sieht, dass alles wie gewünscht funk­tio­niert und über­gibt die Maschi­ne sofort an den äußerst glück­li­chen Kun­den. Sie erfüllt alle Erwar­tun­gen! Bereits kur­ze Zeit danach geht die Pro­duk­ti­on in Voll­be­trieb, der Auf­trag wird frist­ge­mäß und in der gefor­der­ten Qua­li­tät erfüllt wer­den können.

Mehr­fa­cher Erfolg für den Kunden

Die gesam­te Akti­on hat sich für den Auf­trag­ge­ber in mehr­fa­cher Hin­sicht gelohnt: Er konn­te sei­nen Lie­fer­ter­min ein­hal­ten und sein Auf­trag­ge­ber war mit den gefer­tig­ten Pro­duk­ten zufrie­den. Aber vor allem in finan­zi­el­ler Hin­sicht hat sich die Hil­fe des jun­gen Kol­le­gen mehr als bezahlt gemacht: Ers­tens hat der gesam­te Umbau weni­ger als 50.000 Euro gekos­tet. Zwei­tens hät­te der Preis für eine neue Maschi­ne mehr als das Zehn­fa­che die­ses Betra­ges aus­ge­macht! Also hat ihm drit­tens der jun­ge Kol­le­ge das­sel­be Ergeb­nis ermög­licht wie die neue Maschi­ne, aber um sage und schrei­be zumin­dest 450.000 Euro günstiger!

Wenn der Erfolg für den Kun­den zum Miss­erfolg des Exper­ten wird

So weit, so gut. Der jun­ge Kol­le­ge hat aller­dings dann die­sem Rie­sen­er­folg für sei­nen Kun­den einen Miss­erfolg für sich selbst fol­gen las­sen: Er ver­rech­ne­te nur sei­nen Zeit­auf­wand. Wegen sei­nes Wis­sens und sei­ner rei­chen prak­ti­sche Erfah­rung war die­ser für all die Mühen recht gering und belief sich auf weni­ger als zwei Dut­zend Stun­den, Fahr­zei­ten inklu­si­ve. Pro Stun­de ver­rech­ne­te er ein­hun­dert Euro. Das war sogar dem Auf­trag­ge­ber zu wenig, wor­auf der jun­ge Kol­le­ge den Satz auf ein­hun­dert­zwan­zig Euro erhöh­te, was ihm bei­na­he schon mora­li­sche Skru­pel bescherte …

Auf den „Out­put“ kommt es an, nicht auf den „Input“

Jedem außen­ste­hen­den Beob­ach­ter wird klar sein, dass hier etwas nicht stimmt, dass hier ein Miss­ver­hält­nis vor­liegt zwi­schen Nut­zen für den Kun­den und dem ver­lang­ten Preis für die erfolg­rei­che Erle­di­gung des Auf­trags. Aber was genau ist falsch? Nun ganz ein­fach das Bemes­sen der Leis­tung am „Input“ der Zeit durch den jun­gen Kol­le­gen, der den Wert sei­nes Wis­sens und sei­ner Erfah­rung, die den Auf­trag zu einem Erfolg hat wer­den las­sen – den „Out­put“ –  in kei­ner Wei­se berück­sich­tigt hat. Statt­des­sen hat er einen Stun­den­lohn ange­setzt, den er irgend­wel­chen obsku­ren Quel­len glaub­te ent­neh­men zu müs­sen, ohne aber dass die­se „Quel­len“ einen Bezug zur kon­kre­ten Auf­ga­be gehabt hätten.

Wert­ba­sier­tes Hono­rar ist der Schlüssel

Was hät­te der jun­ge Kol­le­ge statt­des­sen tun sol­len? Jeder wird sei­ne eige­nen Vor­schlä­ge dazu haben. Mei­ner ist der: Hier wäre ein wert­ba­sier­tes Hono­rar gerecht­fer­tigt gewe­sen, der Preis hät­te sich am Nut­zen für den Kun­den ori­en­tie­ren müs­sen: Die­ser Nut­zen lag bei 450.000 Euro! Sobald die­se Rela­tio­nen sicht­bar wur­den, hät­te der jun­ge Kol­le­ge vor sei­nen Auf­trag­ge­ber tre­ten sol­len: „Schau, lie­ber Auf­trag­ge­ber, ich spa­re Dir jetzt die­sen rie­si­gen Betrag. Die­ser gro­ße Vor­teil für Dich ist mei­nem Wis­sen und mei­ner jah­re­lan­gen Erfah­rung zu ver­dan­ken, in das ich ent­spre­chend viel Lebens­zeit inves­tiert habe. Für mich erwar­te ich jetzt einen Anteil von wenigs­tens fünf Pro­zent an die­sem Erfolg.“

Auch bei offen­sicht­li­chem Nutzen …

Ich bin der Ansicht, dass sich einer Argu­men­ta­ti­on die­ser oder ähn­li­cher Art kein ver­nünf­tig den­ken­der Auf­trag­ge­ber ent­zie­hen könn­te. Der mög­li­che Nut­zen aus dem Ein­satz sei­nes Bera­ters war zu Beginn des Pro­jekts noch gar nicht so recht abschätz­bar, das tat­säch­li­che Resul­tat muss dem Auf­trag­ge­ber aber dann doch ein ange­neh­mes Lächeln ins Gesicht gezau­bert haben. Schließ­lich wür­de er wie wohl jeder ande­re im Bedarfs­fall wie­der auf einen Exper­ten zukom­men, der zu sol­chen augen­schein­li­chen Erfol­gen ver­hol­fen hat.

… ist über­zeu­gen­de Argu­men­ta­ti­on notwendig!

Soll jedoch die Begrün­dung des jun­gen Kol­le­gen die erwünsch­te Wir­kung eines wert­ge­rech­ten Hono­rars erzie­len, hat er zwei Vor­aus­set­zun­gen zu beach­ten: Ers­tens, dass er sich des wah­ren Wer­tes sei­ner Arbeit bewusst ist. Und zwei­tens, dass er in der Lage ist, die­sen Wert nicht nur zu lie­fern, son­dern dem Kun­den gegen­über auch plau­si­bel dar­zu­stel­len. Die­se bei­den Fähig­kei­ten wären in unse­rem Fall der Schlüs­sel gewe­sen zum Zehn­fa­chen des Hono­rars, das der jun­ge Kol­le­ge tat­säch­lich erhal­ten hat …

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