Kinderstube

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Frage

„Immer wie­der ist mir bei der Beur­tei­lung per­sön­li­cher Eigen­schaf­ten das Feh­len der Kin­der­stu­be auf­ge­fal­len. Der dies­be­züg­lich nicht klei­ne Feh­ler­ka­ta­log umfasst das Feh­len von Höf­lich­keit, Respekt, Dis­zi­plin und Demut sowie die per­sön­li­che Erschei­nung. Gleich­zei­tig sind mir gefähr­li­che Ver­hal­tens­wei­sen wie Eitel­keit, Über­heb­lich­keit, Respekt­lo­sig­keit und das Feh­len jeg­li­cher Selbst­kri­tik auf­ge­fal­len. Ich habe auch mit sol­chen Schwä­chen bei Füh­rungs­mit­ar­bei­tern zu tun gehabt. Sie kom­men auf allen Ebe­nen des Unter­neh­mens von der Feld­ebe­ne bis zum höchs­ten Füh­rungs­kol­le­gi­um vor.“

Die­se Sät­ze ent­stam­men dem Buch „Inge­nieu­re an die Schalt­he­bel“ von Ger­fried Zei­chen. Zei­chen ist eme­ri­tier­ter Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor an der TU Wien und Bera­ter in der indus­tri­el­len Grund­la­gen­for­schung sowie Autor. Er hat­te meh­re­re Füh­rungs­po­si­tio­nen in der Indus­trie inne, unter ande­rem bei der Carl Zeiss AG und der Steyr-Daim­ler-Puch AG, der heu­ti­gen Magna. Sein Buch befasst sich mit allen Anfor­de­run­gen, denen ein Inge­nieur heu­te in der Indus­trie aus­ge­setzt ist.

Auf­merk­sam­keit für den Umgang mit Kun­den, Part­nern und Mitarbeitern

Sei­ne Aus­füh­run­gen sind aber nicht nur für Füh­rungs­kräf­te in der Indus­trie von Bedeu­tung, son­dern auch für selbst­stän­dig täti­ge Inge­nieu­re und für deren Mit­ar­bei­ter. Die posi­ti­ven Merk­ma­le der Per­sön­lich­keit sind letzt­end­lich ein wich­ti­ger Fak­tor für den Erfolg wohl aller Dienst­leis­ter. Aller­dings nei­gen gera­de Tech­ni­ker dazu, den Umgang mit Kun­den und Mit­ar­bei­tern zu sehr auf eine sach­lich-fach­li­che Ebe­ne zu begren­zen, ohne zu beden­ken, dass wir es mit Men­schen zu tun haben, die ganz all­ge­mein nicht immer rein ratio­nal han­deln und die als Kun­den oder Part­ner nun­mehr beson­de­rer Auf­merk­sam­keit bedürfen.

Ande­re als tech­nisch-sach­li­che Herausforderungen 

Inso­fern ähnelt die Posi­ti­on des jun­gen Inge­nieurs, der aus sei­nem Ange­stell­ten­ver­hält­nis her­aus und in die Wild­bahn der „Frei­en Wirt­schaft“ ein­tritt, durch­aus der Situa­ti­on des Ange­stell­ten, der mit Füh­rungs­auf­ga­ben betraut wird. Denn ab sofort ste­hen bei­de nicht nur wirt­schaft­li­chen und orga­ni­sa­to­ri­schen Her­aus­for­de­run­gen gegen­über, son­dern auch sol­chen, in denen Emo­ti­on und Empa­thie eine gra­vie­ren­de Rol­le spie­len. Nicht jeder tut sich damit leicht, kommt es doch in der neu­en Posi­ti­on sehr dar­auf an, jene Eigen­schaf­ten an sich und sei­nen Mit­ar­bei­tern zu för­dern, die auf eine gute Kin­der­stu­be schlie­ßen lassen.

Posi­ti­ve Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten verlangt

Was Zei­chen für Füh­rungs­kräf­te ver­langt, gilt daher natür­lich genau­so auch für Selbst­stän­di­ge und deren Mit­ar­bei­ter: „Es gibt eine gan­ze Rei­he von per­sön­li­chen Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, die für Füh­rungs­ar­beit unter schwie­ri­gen Bedin­gun­gen beson­de­re Bedeu­tung haben: Ich nen­ne hier nur die mei­ner Erfah­rung gemäß wich­tigs­ten: Anstand, Dank­bar­keit, Ehr­lich­keit, Loya­li­tät, Natür­lich­keit, Neu­gier­de und Mut.“ In wei­te­rer Fol­ge nennt er als posi­ti­ve Attri­bu­te unter ande­rem die Bereit­schaft, eine Vor­bild­funk­ti­on zu über­neh­men, das Vor­han­den­sein von Cha­ris­ma und Empa­thie sowie die Qua­li­tät des Agierens.

Was tun, wenn die gute Kin­der­stu­be fehlt?

„Jeden Tag bes­ser wer­den“ ist ein gutes Lebens­mot­to, das kei­nen Bereich aus­schlie­ßen will. Weil wir nicht unfehl­bar sind, braucht es von uns die Bereit­schaft zur Kor­rek­tur. Zum Glück haben die meis­ten von uns ein Umfeld, aus dem sowohl Lob als auch Tadel kom­men, wobei letz­te­rer zwar nicht immer leicht zu ertra­gen und anzu­neh­men, aber für unse­ren Fort­schritt im Weg zu einer rei­fen Per­sön­lich­keit beson­ders wert­voll ist. Die Kin­der­stu­be liegt zwar zeit­lich schon weit zurück, ihr Ergeb­nis ist aber immer noch prä­sent. Es braucht zwar Mut, jeman­den um Kri­tik oder beson­de­re Beob­ach­tung des eige­nen Ver­hal­tens zu bit­ten, aber es lohnt sich.

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