Energie-Impressionen USA, Teil 1 – Gebäude

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USA

Wenn die „Pee­pers“ am ers­ten lau­en April­abend ihr gril­len­ähn­li­ches Gezir­pe ertö­nen las­sen, dann sagen die Leu­te von Vir­gi­nia hier im Drei­län­der­eck zu West Vir­gi­nia und Mary­land, dass die klei­nen Baum­frö­sche damit den Früh­ling ankün­den. Und tat­säch­lich, nach dem Regen am fol­gen­den Tag legt sich ein grü­ner Schlei­er aus sprie­ßen­dem Laub auf die bis­her kah­len und schier end­lo­sen Wäl­der am Fuß der Blue Ridge Moun­ta­ins. Wie bei uns auch hof­fen die Leu­te auf das Ende eines kal­ten und har­ten Win­ters. Was uns zur Fra­ge führt, auf wel­che Wei­se sie ihre Häu­ser in der kal­ten Jah­res­zeit warm­ge­hal­ten haben.

Wenn einer eine Rei­se tut, kann er auch etwas über die Wohn-Gewohn­hei­ten der besuch­ten Freun­de und deren Fami­li­en berich­ten. Wenn man vom HLK-Fach ist, blei­ben auch Beob­ach­tun­gen zu Heiz­sys­te­men nicht aus. Zu letz­te­ren drei Bei­spie­le aus dem April 2018.

Farm­haus in Lou­don Heights, Virginia

Das geräu­mi­ge Holz­haus ein­fa­chen Stan­dards war in sei­nem Kern im acht­zehn­ten Jahr­hun­dert als Block­haus errich­tet und danach mehr­mals erwei­tert wor­den. Die Behei­zung erfolgt zum weit über­wie­gen­dem Teil mit Hart­holz, das der nahe­ge­le­ge­ne Wald der klei­nen, im Neben­er­werb geführ­ten Land­wirt­schaft im Über­fluss lie­fert. Das Scheit­holz wird über zwei ein­fa­che Holz­öfen ver­wer­tet, die in den Feu­er­plät­zen der bei­den aus Stein gemau­er­ten offe­nen Kami­ne errich­tet wor­den sind. Damit las­sen sich die im Erd­ge­schoß gele­ge­nen Räu­me wie Küche, Ess­zim­mer, Wohn­raum und Bibliothek/Arbeitsraum pro­blem­los beheizen.

Hat nie­mand Zeit zum Hei­zen, springt auto­ma­tisch eine mit Pro­pan­gas betrie­be­ne Umluft­hei­zung an, die aus dem Tank am Grund­stück ver­sorgt wird, aus dem auch der Koch­herd sei­ne Wär­me bezieht. Schlaf­räu­me, Gäs­te­zim­mer und Bad im Ober­ge­schoß wer­den bei Bedarf elek­trisch beheizt. Heiz­kos­ten fal­len nur in einem gerin­gen Maße an, da der Haus­herr die Holz­ar­beit als will­kom­me­nen Aus­gleich zu sei­nem Büro­job in einem Col­lege betrach­tet. Auf­fal­lend scheint der nicht unbe­trächt­li­che ste­te Erhal­tungs- und Sanie­rungs­be­darf eines der­ar­ti­gen Gebäudes.

Wohn­haus in Hamil­ton, Virginia

Das eini­ge Jah­re alte eben­erdi­ge, bun­ga­low­ar­ti­ge und unter­kel­ler­te Gebäu­de in leich­ter Hang­la­ge in der weit­räu­mi­gen Klein­stadt und inmit­ten eines gro­ßen Grund­stü­ckes fällt auf, weil es nicht wie die meis­ten Häu­ser in der Umge­bung aus Holz, son­dern aus Klink­erzie­geln errich­tet ist. Im Kel­ler befin­det sich eine sepa­ra­te Ein-Zim­mer-Woh­nung, die zu Zei­ten feh­len­der Eigen­nut­zung über Airbnb ver­mie­tet wer­den kann.

Geheizt und gekühlt aber auch gekocht wird in die­sem Haus geho­be­nen Stan­dards rein elek­trisch. Für die vier erwach­se­nen Per­so­nen im Haus­halt fal­len jähr­li­che Strom­kos­ten in der Höhe von ins­ge­samt etwa zwei­tau­send US-Dol­lar inklu­si­ve aller Steu­ern an. Ange­sichts der geschätz­ten Wohn­flä­che von etwa 250 Qua­drat­me­tern und der hier doch recht stren­gen Win­ter wird das als nicht sehr hoch ange­se­hen und weist auf einen ins­ge­samt recht guten Wär­me­dämm­zu­stand hin.

Wohn­haus in Green­ville, South Carolina

Das schon älte­re, aber sorg­sam reno­vier­te klei­ne­re Wohn­haus in sehr gutem Erhal­tungs­zu­stand befin­det sich in idyl­li­scher Hang­la­ge auf einem Grund­stück mit See­zu­gang. Für einen Euro­pä­er ange­sichts sons­ti­ger Wahr­neh­mun­gen eher über­ra­schend wird es über eine Luft-Luft-Wär­me­pum­pe beheizt, die im Som­mer zur Küh­lung ver­wen­det wer­den kann.

Wär­me- oder Käl­te­ver­tei­lung erfolgt über die Lüf­tungs­an­la­ge, die Behei­zung von Küche mit Ess­raum, Wohn­zim­mer, Büro, Bad und Wirt­schafts­raum im Erd­ge­schoß sowie Schlaf- und Gäs­te­zim­mer sowie Bad im Ober­ge­schoß funk­tio­niert sehr gut. Der im Haus vor­han­de­ne funk­ti­ons­fä­hi­ge offe­ne Kamin aus gemau­er­ten Stei­nen ist funk­ti­ons­tüch­tig, wird aber nicht genützt. Die Warm­was­ser­be­rei­tung erfolgt elektrisch.

Schluss­be­mer­kung: Obwohl die USA einen der höchs­ten Pro-Kopf-Ener­gie­ver­bräu­che auf­wei­sen, war in den kon­kre­ten Fäl­len kein Hang zur Sorg­lo­sig­keit oder gar Ver­schwen­dung fest­zu­stel­len. Im Gegen­teil war den Gesprä­chen mit allen Haus­be­sit­zern zu ent­neh­men, dass sie aus­nahms­los um eine mög­lichst ener­gie­ef­fi­zi­en­te und kos­ten­güns­ti­ge Behei­zung und Küh­lung ihrer Gebäu­de bemüht waren.

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