Aus der SV-Praxis: Feuer am Dach

Energie

Man glaubt es kaum: Eine Solar­an­la­ge soll den Brand eines gemischt genutz­ten Objekts aus­ge­löst haben. Zumin­dest ist dies dem Bericht des Exper­ten zu ent­neh­men, der mit der Ermitt­lung der Brand­ur­sa­che betraut war. Das Feu­er hat­te die weit­ge­hen­de Zer­stö­rung des betrof­fe­nen Gewer­be- und Wohn­ge­bäu­des zur Fol­ge. Ver­ur­sa­cher war den Anga­ben zufol­ge nicht etwa eine Pho­to­vol­ta­ik-Anla­ge, son­dern eine ganz nor­ma­le ther­mi­sche Solar­an­la­ge, die zur Erzeu­gung von Warm­was­ser dien­te. Der Besit­zer war drei Tage außer Haus gewe­sen, die Solar­an­la­ge habe sich wegen des schö­nen Herbst­wet­ters über­hitzt und dadurch den Dach­stuhl entzündet.

Auch wenn mir in mei­ner über vier­zig­jäh­ri­gen Pra­xis mit Solar­ener­gie der­lei noch nie unter­ge­kom­men ist, gilt das Prin­zip: Wir ler­nen nie aus! Und tat­säch­lich: Bei einer kur­zen Inter­net-Recher­che stößt man in den Aus­ga­ben 3/2013 und 2/2014 der Zeit­schrift Scha­den­pris­ma (www.schadenprisma.de) auf zwei Arti­kel, die für unser The­ma von Bedeu­tung sind: Einer erklärt uns erst ein­mal grund­sätz­li­chen Zusam­men­hän­ge Holz­brän­de betref­fend und der zwei­te zeigt auf­ge­tre­te­ne Scha­dens­fäl­le und deren mög­li­che Ursa­chen auf.

Bei wel­chen Tem­pe­ra­tu­ren kann Holz zu bren­nen beginnen?

Frau Diplom-Che­mi­ke­rin Chris­ti­ne Huth vom Insti­tut für Scha­den­ver­hü­tung und Scha­den­for­schung der öffent­li­chen Ver­si­che­rer e.V. in Stutt­gart erläu­tert in ihrem Arti­kel „Über­hit­zung – die schlum­mern­de Brand­ge­fahr“ (alle Zita­te kur­siv):

Die Über­hit­zung von Holz wird in Fach­krei­sen als „Pyro­pho­ri­sie­rung“ bezeich­net. Die­ser Pro­zess tritt auf, wenn Holz­bau­tei­le über einen län­ge­ren Zeit­raum hohen Tem­pe­ra­tu­ren aus­ge­setzt wer­den. Bei ther­misch belas­te­ten, wär­me­iso­lier­ten Höl­zern tre­ten regel­mä­ßig Zün­dun­gen weit unter­halb der in Tabel­len­wer­ken auf­ge­führ­ten Zünd­tem­pe­ra­tu­ren im Bereich von 120 °C auf. In Tabel­len­wer­ken wer­den die Zünd­tem­pe­ra­tu­ren von Holz […] mit 220 °C bis 450 °C angegeben.

Die Autorin erklärt wei­ters, dass die Pyro­pho­ri­sie­rung von Holz eine schon sehr lan­ge bekann­te Eigen­schaft sei, die zu Brän­den füh­ren kön­ne und dass der Mecha­nis­mus, durch den es zu einem Brand kommt, noch nicht auf­ge­klärt wer­den konn­te, man aber wis­se, dass schon bei Tem­pe­ra­tu­ren ab 80 °C in Holz bei einer Wär­me­dau­er­be­las­tung Zer­set­zungs­pro­zes­se ein­ge­lei­tet wer­den. Für eine Selbst­ent­zün­dung wür­den immer Start­tem­pe­ra­tu­ren von mehr als 100 °C benötigt.

Gren­zen Holz­bau­tei­le direkt an Hei­zungs­roh­re, Leuch­ten oder Schorn­stein­wan­gen an, so bestün­de bei einer anhal­ten­den ther­mi­schen Belas­tung des Hol­zes eine theo­re­ti­sche Brandgefahr.

Was hat das alles mit Solar­an­la­gen zu tun?

Eine Ant­wort dar­auf fin­det sich im äußerst wich­ti­gen und inter­es­san­ten Bei­trag „Brän­de an ther­mi­schen Solar­an­la­gen“ des Dipl.-Ing. (FH) Jür­gen Hoyer vom Insti­tut für Scha­den­ver­hü­tung und Scha­den­for­schung der öffent­li­chen Ver­si­che­rer e.V. in Deutsch­land. Der Autor ana­ly­sier­te drei Brand­er­eig­nis­se, bei denen er als gemein­sa­men Nen­ner für die Aus­lö­sung der Brän­de die drei Fak­to­ren 1.) Anla­gen­still­stand (Sta­gna­ti­on) infol­ge Über­hit­zung, 2.) Aus­füh­rung als Indach­kol­lek­to­ren und 3.) Kol­lek­tor­bau­art mit Holz­rah­men aus­fin­dig mach­te und kam zum Schluss:

Die genann­ten Scha­den­fäl­le zei­gen, dass bei Solar­ther­mie­an­la­gen mit Indach­kol­lek­to­ren in Holz­rah­men­bau­wei­se eine nicht zu unter­schät­zen­de Brand­ge­fahr besteht. Bei die­ser Kol­lek­tor­bau­form und ‑bau­art sind die Absor­ber­ble­che teil­wei­se direkt mit den Holz­rah­men der Kol­lek­to­ren ver­schraubt und die Rohr­lei­tun­gen wei­sen in den Kol­lek­to­ren teil­wei­se nur sehr gerin­ge Abstän­de zu den Holz­rah­men auf. Im Nor­mal­be­trieb kön­nen in den Kol­lek­to­ren Tem­pe­ra­tu­ren von über 100 °C auf­tre­ten. Gefähr­lich wer­den kann es, wenn eine Sta­gna­ti­on der Anla­ge auf­tritt. In die­sem Fall kön­nen in den Kol­lek­to­ren Tem­pe­ra­tu­ren von bis zu 190 °C in Erschei­nung tre­ten. Kon­struk­ti­ons­be­dingt kann es zu einer ther­mi­schen Auf­be­rei­tung (Pyro­pho­ri­sie­rung) der Holz­bau­tei­le in den Kol­lek­to­ren kom­men, wodurch die Zünd­tem­pe­ra­tur des Hol­zes her­ab­ge­setzt und eine Ent­zün­dung der Holz­bau­tei­le ver­ur­sacht wer­den kann.

Ergän­zend weist der Autor dar­auf hin, dass gemäß der genann­ten Pro­ble­ma­tik auch Dach­durch­füh­run­gen von Auf­dach­kol­lek­to­ren hohe Auf­merk­sam­keit ver­die­nen, weil in den Lei­tun­gen des Wär­me­trä­ger­kreis­laufs im ungüns­tigs­ten Fall Tem­pe­ra­tu­ren auf­tre­ten kön­nen, die nur gering­fü­gig unter­halb der Still­stands­tem­pe­ra­tur im Kol­lek­tor liegen:

Sind die Lei­tun­gen nicht aus­rei­chend iso­liert oder wei­sen kei­nen aus­rei­chen­den Abstand zu den Holz­bau­tei­len der Dach­kon­struk­ti­on auf, kann es auch an die­ser Stel­le zur ther­mi­schen Auf­be­rei­tung und schließ­lich zur Ent­zün­dung des Hol­zes der Dach­kon­struk­ti­on kommen.

Was sind die Kon­se­quen­zen aus alledem?

Für Pla­ner und Instal­la­teu­re ist also in zwei erhöh­te Auf­merk­sam­keit notwendig:

-          Bei der Aus­wahl von Indach­kol­lek­to­ren emp­fiehlt sich eine Rück­spra­che mit dem Her­stel­ler unter Hin­weis auf die oben beschrie­be­nen Erkennt­nis­se und Erfahrungen.

-          Bei der Ver­le­gung von Lei­tun­gen der Wär­me­trä­ger­kreis­läu­fe sind aus­rei­chen­de Sicher­heits­ab­stän­de zu Holz­ele­men­ten zu beachten.

Alles in allem sind das doch recht über­ra­schen­de Erkennt­nis­se. Wie gesagt – man lernt nie aus!

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