Energie-Balance

·

·

Holz

Weni­ger Ener­gie ver­brau­chen, Ener­gie­ef­fi­zi­enz stei­gern, erneu­er­ba­re Ener­gie ein­set­zen… Die Appel­le aus der Poli­tik, der Wis­sen­schaft, von NGOs und Lob­bys aller Art ken­nen wir zur Genü­ge. Für sich gese­hen sind sie ja meist auch nach­voll­zieh­bar und gerecht­fer­tigt. Beträcht­li­che Mit­tel wan­dern des­halb in ent­spre­chen­de Bemü­hun­gen, man den­ke etwa an die Kli­ma-Mil­li­ar­de. In man­chen Sek­to­ren, etwa in Solar- und Wind­ener­gie­nut­zung, sind beacht­li­che Erfol­ge zu ver­zeich­nen. Aber sub­jek­tiv gese­hen herrscht – zumin­dest natio­nal gese­hen – gro­ßes Durch­ein­an­der. Fehlt eine ord­nen­de Hand, die Balan­ce schafft?

Balan­ce der Motive

Schau­en wir uns ein­mal das Bukett an Moti­va­tio­nen an, das uns auf dem Ener­gie­spar­pfad beglei­tet. Es lohnt sich dazu, einen kur­zen Blick in die Ver­gan­gen­heit zu werfen:

- Vor ziem­lich genau vier­zig Jah­ren hat­ten wir die ers­te Ener­gie­kri­se. Öl und Gas wur­den plötz­lich knapp, ob wirk­lich oder nur gefühlt sei dahin­ge­stellt, jeden­falls wur­den sie teu­rer. Emp­fun­de­ne Knapp­heit und das Gefühl der wehr­lo­sen Abhän­gig­keit waren dann die ers­ten Moti­va­to­ren, nach Alter­na­ti­ven zu suchen.

- Bald kam das gestie­ge­ne Umwelt­be­wusst­sein dazu, Aus­lö­ser war das viel­dis­ku­tier­te „Wald­ster­ben“, haupt­säch­lich durch das Ereig­nis von oben, das man damals als „Sau­ren Regen“ bezeich­ne­te. Mit dem guten Effekt, dass der Schwe­fel aus dem Heiz­öl eli­mi­niert wur­de, was unse­rer Gesund­heit sicher guttat.

- Immer par­al­lel dazu beglei­te­te die Prä­mis­se Ener­gie spa­ren = Kos­ten spa­ren. Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nun­gen, Amor­ti­sa­ti­ons­zei­ten, Anschaffungs‑, Betriebs‑, Energie‑, Instand­hal­tungs­kos­ten etc. wur­den von da an stän­di­ger Beglei­ter der Bau­herrn, Pla­ner, Fach­leu­te etc.

- Und erst danach trat zur Unter­stüt­zung des Umwelt­schut­zes der Kli­ma­wan­del an. Seit­her beglei­ten uns CO2-Äqui­va­len­te, Glo­bal Warm­ing Poten­ti­als, Meer­was­ser-Über­säue­rung, Wet­ter­ka­prio­len etc., meist ver­bun­den mit einem star­ken alar­mis­ti­schen Element.

Was lässt sich aus die­ser Auf­zäh­lung schlie­ßen? Ich den­ke, dass es in der natio­na­len Stra­te­gie einer guten Balan­ce bedarf, die alle die­se Aspek­te stän­dig im Auge behält und kom­mu­ni­ziert und sich nicht vom Wind der Ereig­nis­se und dem Ein­fluss kurz­zei­ti­ger Moden (oder Wun­der­tech­no­lo­gien) aus der Bahn brin­gen lässt.

(Über das in Wirk­lich­keit stärks­te Motiv, das Ein­zel­per­so­nen zum Ener­gie­spa­ren bewegt, habe ich schon andern­orts berich­tet: Es ist der Her­den­trieb, der uns bewegt, es dem ande­ren in einer all­ge­mein als gut aner­kann­ten Sache gleichzutun.)

Die Balan­ce der Energiearten

Eine natio­na­le Stra­te­gie braucht auch eine Balan­ce der Ener­gie­ar­ten, die jeder das für sie opti­ma­le Maß zuord­net. Kei­ne Ener­gie­art ist das allei­ni­ge Heil­mit­tel! Jede Ener­gie­art hat ihren Platz, Ände­run­gen in ihrer Ver­wen­dung kön­nen ziel­stre­big ange­gan­gen wer­den, brau­chen aber Kon­se­quenz und vor allem Zeit, da dazu Finanz­mit­tel benö­tigt wer­den, die begrenzt sind.

Dazu eini­ge Anmer­kun­gen zu den Ener­gie­ar­ten, die für die Behei­zung von Wohn­ge­bäu­den  ein­ge­setzt werden:

Öl und Gas

wer­den uns noch lan­ge beglei­ten, auch wenn der Ver­brauch zumin­dest von Öl seit Jah­ren rück­läu­fig ist, ihr Ein­satz wird sich aber lang­fris­tig auf die Anwen­dun­gen beschrän­ken müs­sen, zu denen kei­ne oder nur nicht leist­ba­re Alter­na­ti­ven mög­lich wären. Bes­tes Dämp­fungs­mit­tel ist immer noch der Ölpreis, der aller­dings zur­zeit trotz hand­fes­ter Pro­ble­me in Nah­ost nicht steigt. Dazu kommt noch, dass in weni­gen Jah­ren der Groß­ver­brau­cher U.S.A. ver­stärkt in den Ölex­port ein­stei­gen dürfte.

Koh­le

Wird am Land noch fall­wei­se ver­wen­det, befin­det sich aber sub­jek­tiv gese­hen auf dem Rückzug.

Bio­mas­se

Die dekre­tier­te Qua­si-CO2-Frei­heit der Emis­sio­nen ist natür­lich ein guter Grund, die Nut­zung von Bio­mas­se zu for­cie­ren, was auch geschieht, die Agrar-Ver­tre­ter tun das Ihre dazu. Die Tech­nik der ther­mi­schen Nut­zung ist aus­ge­reift, breit­flä­chi­ge Nut­zung ist gege­ben. Aber man muss argu­men­tie­ren dür­fen, dass auch Bio­mas­se kein ein­zig glück­lich machen­des  All­heil­mit­tel dar­stellt: Bio­mas­se ist von der Men­ge her begrenzt und zugleich wert­vol­ler Industrierohstoff.

Solar­ener­gie

Über die ther­mi­sche Solar­ener­gie wird kaum mehr gespro­chen, so selbst­ver­ständ­lich ist sie seit dem Pio­nier­jahr 1975 gewor­den, in dem in Öster­reich die ers­ten Kol­lek­to­ren gebaut und getes­tet wur­den. Eben­so ist Foto­vol­ta­ik von der Exo­ten­tech­nik zum häus­li­chen Gemein­gut gewor­den. Aber hier muss ein kla­rer Fokus auf die sinn­vol­le Nut­zung gelegt wer­den: eine Balan­ce aus Eigen­ver­brauch und Ein­spei­sung. Die Spei­cher­stra­te­gien spie­len heu­te dazu die Schlüsselrolle.

Wind­ener­gie

Das ers­te Wind­rad in unse­rer Regi­on war lan­ge Jah­re mar­kan­ter Land­schafts­punkt und Aus­flug­ziel. Heu­te wach­sen und wach­sen sie, die Wind­rä­der, auch und gera­de in unse­ren schöns­ten Regio­nen. Hof­fent­lich ent­ar­tet es nicht zu Wind­parks oder Wind­rad­wäl­dern, durch die zu fah­ren man heu­te etwa in Nie­der­ös­ter­reich schon das zwei­fel­haf­te Ver­gnü­gen hat. Aber gera­de die Wind­ener­gie hat nicht nur von der Gesamt­leis­tung her welt­weit ech­te Power in den Markt gebracht. Auch für die För­de­run­gen: In Deutsch­land lie­fern Wind­rä­der bei etwa glei­chem För­der­vo­lu­men drei­mal mehr Ener­gie als Fotovoltaik.

Wär­me­pum­pen

Inter­es­sant sind auch hier die gewal­ti­gen Fort­schrit­te in der Men­ge an Umwelt­ener­gie, die heu­te durch eine elek­tri­sche Kilo­watt­stun­de gewon­nen wer­den kann. Zudem wer­den die Rege­lungs­kon­zep­te immer gewief­ter, die Ein­satz­mög­lich­kei­ten ver­grö­ßert. Aber egal ob die Wär­me aus Luft, Was­ser oder Erd­reich gewon­nen wird: auch hier ist die Tech­nik nicht über­all und für jeden Fall einsetzbar.

Fazit

Die bes­te Lösung für Ener­gie­spa­ren und Ener­gie­ef­fi­zi­enz ist ein soli­der Mix aus Lösun­gen, die so aus­ba­lan­ciert sind, dass jede Ener­gie­art und jede Tech­nik dort ein­ge­setzt wird, wo die ent­spre­chen­den Stär­ken liegen.

Es ist Auf­ga­be einer nach­hal­ti­gen natio­na­len Ener­gie­stra­te­gie, für die nöti­ge Ener­gie-Balan­ce zu sor­gen und dem­entspre­chend Richt­li­ni­en vor­zu­ge­ben für For­schung, Pro­duk­ti­on, Pla­nung und Aus­füh­rung von Ener­gie­sys­te­men aller Art und dem­entspre­chend zeit­lich begrenz­te Schwer­punk­te der Ent­wick­lung vorzugeben.

Weitere Beiträge

Kategorien

Suche

Archiv

Stichwörter

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert