Aus der SV-Praxis: Stiefkind Wärmedämmung?

Test

Ein in mei­nen Augen stän­dig wie­der­keh­ren­des Fak­tum ist das Feh­len von Wär­me­däm­mung auf Hei­zungs- und Warm­was­ser­lei­tun­gen bei Ein­fa­mi­li­en­häu­sern. Dabei ist es – wie wohl jeder weiß – äußerst sinn­voll, Wär­me­ver­lus­te zu ver­mei­den, beson­ders dort, wo Ver­lust­wär­me kei­nen Nut­zen lie­fern kann, also etwa im Kel­ler, beson­ders im Heiz­raum. Wird eine Hei­zungs­an­la­ge errich­tet oder erneu­ert, ist lei­der oft die Däm­mung nicht mit im Auf­trag und gerät dadurch viel­fach in Ver­ges­sen­heit.  Dabei ist ord­nungs­ge­mä­ße Wär­me­däm­mung nicht nur wert­voll, son­dern hat einen fes­ten Platz in den Vor­schrif­ten der Baugesetze.

Von Bedeu­tung sind in die­sem Zusam­men­hang die Inhal­te der OIB-Richt­li­nie 6 und der brand­neu­en ÖNORM H 5155. Bei­de tech­ni­schen Richt­li­ni­en ent­hal­ten Anga­ben zur Aus­füh­rung von Däm­mun­gen an Rohrleitungen.

Bestim­mun­gen der OIB-Richt­li­nie 6

Seit eini­gen Jah­ren gibt es die OIB-Richt­li­nie 6, die für die Ener­gie­ef­fi­zi­enz von Gebäu­den rele­vant ist und auch zen­tra­le Bestim­mun­gen zum Ener­gie­aus­weis ent­hält. Die Richt­li­nie wur­de von den Bun­des­län­dern in das Bau­ge­setz über­nom­men. Dar­in fin­den sich auch kon­kre­te Anga­ben über die Aus­füh­rung von Wär­me­däm­mun­gen von wär­me­füh­ren­den Rohr­lei­tun­gen der Gebäu­de­tech­nik. Für die Dämm­stär­ke von Hei­zungs- und Warm­was­ser­lei­tun­gen sieht die­se Richt­li­nie z.B. fol­gen­de Rege­lun­gen vor:

Wär­me­däm­mung in nicht beheiz­ten Räu­men: Zwei Drit­tel des Rohrdurchmessers

Wär­me­däm­mung in beheiz­ten Räu­men: Ein Drit­tel des Rohrdurchmessers

Wär­me­däm­mung für im Boden ver­leg­te Lei­tun­gen: Min­des­tens 6 mm

Die­se Wer­te soll­ten unbe­dingt ein­ge­hal­ten wer­den, nicht nur bei Neu­bau­ten, son­dern auch in Sanie­run­gen soll­ten die Wär­me­däm­mun­gen auf die­sen Stand gebracht werden.

Inhal­te der ÖNORM H 5155

Die ÖNORM H 5155 mit der Bezeich­nung „Wär­me­däm­mung von Rohr­lei­tun­gen und Kom­po­nen­ten von haus­tech­ni­schen Anla­gen“ geht vom Umfang der betrof­fe­nen Haus­tech­nik über die Bestim­mun­gen der OIB-Richt­li­nie noch weit hin­aus und gibt umfas­sen­de Dar­stel­lun­gen von Däm­mun­gen nach dem der­zei­ti­gen Stand der Tech­nik. In die­ser Norm sind Dämm­ma­te­ria­li­en nach Art ihrer Ver­wen­dung und nach Lage der Lei­tung und auch im Hin­blick auf ihre Dämm­stär­ken genau dargelegt.

Die Norm befasst sich nicht nur mit Wär­me­däm­mung für Hei­zungs- und Warm­was­ser­lei­tun­gen, son­dern auch mit der Däm­mung und Iso­lie­rung von Lei­tun­gen von Käl­te­lei­tun­gen, von Kalt­was­ser­lei­tun­gen und dar­über hin­aus auch mit der Däm­mung von Luft­lei­tun­gen (Lüf­tungs­ka­nä­len).

Dar­über hin­aus sind Anga­ben ent­hal­ten über die Anfor­de­run­gen an den Brand­schutz und die Schall­däm­mung, aber auch für den Kor­ro­si­ons­schutz und die Vor­be­rei­tung von Lei­tun­gen für die Auf­brin­gung der Dämm­stof­fe. Ein inter­es­san­ter Aspekt der Norm ist der, dass der Kor­ro­si­ons­schutz von Lei­tun­gen – der vor der Däm­mung auf­zu­brin­gen ist – an neur­al­gi­schen Stel­len der Anla­gen alle drei bis fünf Jah­re auf sei­ne Wirk­sam­keit über­prüft wer­den soll.

Für die Pla­nungs- und Aus­füh­rungs­pra­xis ist auch wert­voll, dass die Norm genau fest­legt, dass der Min­dest­ab­stand zwi­schen gedämm­ten Rohr­lei­tun­gen und von Rohr­lei­tun­gen zu Bau­tei­len min­des­tens 100 mm betra­gen muss, womit sich vie­le Dis­kus­sio­nen im Zuge der Pla­nung und Bau­aus­füh­rung erübrigen.

Ein­bau­tei­le nicht übersehen!

Nicht ver­ges­sen wer­den darf, dass die Auf­brin­gung der Wär­me­däm­mung nicht nur für Rohr­lei­tun­gen selbst wich­tig ist, son­dern dass nach der­zei­ti­gem Stand der Tech­nik auch alle wär­me­ab­ge­ben­den Arma­tu­ren, Pum­pen­ge­häu­se, Rege­lungs­ar­ma­tu­ren, etc. mit einer Wär­me­däm­mung zu ver­se­hen sind. Bereits die OIB-Richt­li­nie legt sehr hohe Gewich­tung auf das Vor­han­den­sein der­ar­ti­ger Wär­me­däm­mun­gen, im Ener­gie­aus­weis wer­den sol­che Details in der Beur­tei­lung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz mitberücksichtigt.

Wirt­schaft­li­cher Nut­zen und öko­lo­gi­scher Vorteil

Letzt­lich ist zu beden­ken, dass das Anbrin­gen einer Wär­me­däm­mung zwar Geld kos­tet, das sich aber in ver­nünf­tig kur­zer Zeit für den Betrei­ber der Haus­tech­nik­an­la­ge als Nut­zen in Form gerin­ge­rer Heiz­kos­ten wie­der ein­spielt. Zusätz­lich wird unnö­ti­gem Ener­gie­ver­lust Ein­halt gebo­ten und damit ein wert­vol­ler Bei­trag für den Kli­ma­schutz geleistet.

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