Problemlöser gesucht!

·

·

, ,
Frage

Mit Pro­ble­men wer­den wir alle kon­fron­tiert, mit grö­ße­ren und klei­ne­ren. Ob im Beruf oder im Pri­va­ten, sie sind unser ver­läss­li­cher Beglei­ter. Wir kön­nen sie mit mehr oder weni­ger Ein­satz zu lösen ver­su­chen, sie aber auch ver­drän­gen, igno­rie­ren oder ver­leug­nen oder gar hof­fen, dass sie sich von sel­ber lösen – was aber meist nicht funk­tio­niert. Ver­dräng­te Pro­ble­me zum Bei­spiel kön­nen wie­der auf­tre­ten, nur viel­leicht zeit­ver­scho­ben und in ande­rer Form. Bes­ser ist es alle­mal, ein auf­ge­tre­te­nes Pro­blem mög­lichst rasch zu lösen. Aber so klar uns die­se Tat­sa­che auch ist, so schwer ist sie umzu­set­zen. Also lau­tet die Fra­ge: Wie wird man enga­gier­ter Problemlöser?

Die Fra­ge ist nicht ein­fach und schnell zu beant­wor­ten, weil das per­sön­li­che Natu­rell, der jewei­li­ge Cha­rak­ter und die Lebens­er­fah­run­gen dafür ent­schei­den­dend sind, wie jemand auf Pro­ble­me reagiert und mit ihnen umgeht. Wie wir wis­sen, kann die glei­che Her­aus­for­de­rung für einen eine leicht zu lösen­de Klei­nig­keit dar­stel­len und für einen ande­ren eine mitt­le­re Kata­stro­phe bedeu­ten, viel­leicht sogar beglei­tet von einem Bün­del von auf­wüh­len­den Emo­tio­nen, die einer küh­len Her­an­ge­hens­wei­se alles eher als för­der­lich sind.

Der ers­te Reflex und eine Hür­de, die genom­men wer­den muss

Was also ist zu tun, wenn das Pro­blem da ist? In einem ers­ten Reflex macht der Betrof­fe­ne viel­leicht noch Anstal­ten, einen Aus­weg zu suchen, um sich erst gar nicht dem Pro­blem stel­len zu müs­sen. Viel­leicht lässt sich das Pro­blem umge­hen? Oder lässt es sich jeman­dem ande­ren auf­hal­sen? Doch sehr bald ist klar: Aus­flüch­te gel­ten nicht, Enga­ge­ment ist gefragt!

Denn wer ein Pro­blem lösen will, muss sich zuerst des Pro­blems anneh­men, was im Klar­text heißt, dass er die Ver­ant­wor­tung dafür über­neh­men muss, einen Weg zur Lösung zu suchen. Und das ist in einer Zeit, wo man bei­spiels­wei­se in der Berufs­welt gene­rell dazu ten­diert, alle mit Haf­tung ver­bun­de­nen Angriffs­flä­chen mög­lichst zu ver­mei­den, schon eine star­ke Hürde.

Was macht einen Pro­blem­lö­ser aus?

Wenn wir die­se Hür­de meis­tern und Exper­te in der Lösung eige­ner oder frem­der Pro­ble­me wer­den wol­len, lehrt die Erfah­rung, dass wir über die Bereit­schaft zur Ver­ant­wor­tung hin­aus drei wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen mit­brin­gen müssen:

Ers­tens ein ange­mes­se­nes Maß an Nüch­tern­heit, die aner­kennt, dass Pro­ble­me zum Leben gehö­ren und stets in irgend­wel­cher Form oder Inten­si­tät prä­sent oder zu erwar­ten sind; Nüch­tern­heit hat zur Fol­ge, dass wir kühl und gelas­sen blei­ben kön­nen und uns nicht zum über­stürz­ten Han­deln über­re­den oder gar zwin­gen las­sen, auch dann, wenn rund um uns Ver­wir­rung und Hek­tik ausbricht;

Zwei­tens die blei­ben­de Bereit­schaft, uns künf­tig­hin mit Pro­ble­men aus­nahms­los in akti­ver Wei­se aus­ein­an­der­set­zen zu wol­len und nicht pas­siv, ver­zö­gernd, hin­hal­tend oder gar ver­drän­gend. Damit wird einer­seits län­ge­re psy­chi­sche Belas­tung ver­mie­den und ande­rer­seits die Gefahr, dass sich das Pro­blem unnö­tig ver­grö­ßert oder gar aus dem Ruder läuft;

Drit­tens die ermu­ti­gen­de Gewiss­heit, dass wir mit jeder erfolg­rei­chen Pro­blem­lö­sung als Per­sön­lich­keit rei­fen und wach­sen und an Sicher­heit gewin­nen. Das führt letzt­lich dazu, dass wir uns künf­tig opti­mis­tisch an schwie­ri­ge Auf­ga­ben her­an­wa­gen und unser Ein­fluss in unse­rem Umfeld – pri­vat und beruf­lich – erwei­tert wird. Bei ande­ren Men­schen gewin­nen wir dadurch Ver­trau­en und Anerkennung.

Wie löst man ein Problem?

Das ist die Kern­fra­ge. Dazu die Ant­wort: Indem man es zer­glie­dert, ana­ly­siert, schließ­lich Schlüs­se zieht, danach Maß­nah­men fest­legt, die zu einer Lösung füh­ren und letzt­lich die­sen Lösungs­weg auch durch­setzt und aus­führt. Klingt ein­fach, ist es aber nicht. Die Erfah­rung lehrt, dass der schwie­rigs­te Teil sehr oft im Zer­glie­dern des Pro­blems liegt. Ist das ein­mal erle­digt, lässt sich jeder ein­zel­ne Teil getrennt wesent­lich leich­ter ana­ly­sie­ren. Die berech­tig­te Fra­ge lau­tet nun: Wie also zer­glie­dert man ein Pro­blem richtig?

Hier ein gol­de­ner Tipp, den ich selbst vor lan­ger Zeit auf­ge­schnappt und seit­her viel­fach erfolg­reich ange­wen­det habe. Er besagt Fol­gen­des: Jedes Pro­blem lässt sich aus drei Gesichts­punk­ten betrach­ten: einem rela­tio­na­len, einem ope­ra­ti­ven und einem stra­te­gi­schen (Man könn­te die drei Gesichts­punk­te auch als drei Ebe­nen eines Pro­blems sehen). Klingt kom­pli­ziert, des­halb die Erläu­te­rung dazu:

Rela­tio­na­ler Blick­win­kel: Hier geht es um Beziehungen

Man stellt sich Fra­gen etwa in der Art: Ist etwas in den Bezie­hun­gen der vom Pro­blem Betrof­fe­nen nicht in Ord­nung? Wur­den zuvor nicht aus­ge­spro­che­ne Erwar­tun­gen ent­täuscht? Hat sich irgend­je­mand falsch oder unge­bühr­lich ver­hal­ten? Wur­de jemand belei­digt? Gibt es per­sön­li­che Kon­flik­te oder Ani­mo­si­tä­ten, z. B. zwi­schen Teammitgliedern?

Ope­ra­ti­ver Blick­win­kel: Hier geht es um Tätigkeiten

Hier­zu könn­ten etwa fol­gen­de Fra­gen gestellt wer­den: Ist etwas in der Umset­zung schief­ge­lau­fen? Hat die Zusam­men­ar­beit nicht funk­tio­niert? War etwas in den Abläu­fen nicht klar oder in den Auf­ga­ben, den Ver­ant­wort­lich­kei­ten und Kom­pe­ten­zen? Wur­den Anwei­sun­gen miss­ach­tet? Waren Vor­gangs­wei­sen unzu­rei­chend abgestimmt?

Stra­te­gi­scher Blick­win­kel: Hier geht es um Ziele

Fol­gen­de Fra­gen könn­ten sinn­voll sein: Hat­ten alle Betei­lig­ten die glei­chen Zie­le und Absich­ten? Gab es von jeman­dem ver­deck­te Zie­le („Hid­den Agen­das“)? Hat sich jemand nicht mit den Plä­nen und Absich­ten iden­ti­fi­ziert oder gar intri­giert? Wur­den die Zie­le unge­nü­gend bekannt­ge­macht? Wur­de der Sinn des Vor­ha­bens angezweifelt?

Die Ant­wor­ten auf die gestell­ten Fra­gen sind schon Teil der Ana­ly­se. Alle hier ange­führ­ten Fra­gen sind nur Bei­spie­le, die je nach Anlass ver­schie­den sein wer­den: Pro­ble­me in einer Pro­jekt­ab­wick­lung wer­den ande­re Fra­gen auf­wer­fen als etwa die Beur­tei­lung von Scha­dens­fäl­len oder die blo­ße Dis­kus­si­on von Mei­nungs­un­ter­schie­den. Aber das Kon­zept der drei Blick­win­kel ist in allen Fäl­len gleich anwendbar.

Nach Abschluss der Ana­ly­se sind Schlüs­se und nöti­ge Maß­nah­men zur Pro­blem­lö­sung meist schon offen­sicht­lich, jetzt ist Han­deln ange­sagt – und nach erfolg­rei­cher Umset­zung gibt es Grund zum Fei­ern: Für den Pro­blem­lö­ser, weil er sich und sei­nen Mit­men­schen gehol­fen hat, für die Betrof­fe­nen, weil sie einen wert­vol­len und hilf­rei­chen Zeit­ge­nos­sen in ihrer Mit­te haben, der auch vor den kom­ple­xes­ten Pro­ble­men nicht zurück­scheut, eben ein wah­rer Pro­blem­lö­ser ist …

Weitere Beiträge

Kategorien

Suche

Archiv

Stichwörter

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert