Impressionen von der Intersolar 2014

Impressionen
Impres­sio­nen

Für ein paar Tage war Mün­chen wie­der Nabel der Solar­welt: die Inter­so­lar sieht sich als welt­weit größ­te Fach­mes­se der Solar­wirt­schaft. Letz­te­re ist – wie­der ein­mal – im Umbruch. Man­che Rand­be­din­gun­gen und Spiel­re­geln haben sich geän­dert oder ändern sich gera­de. Eini­ge ehe­mals gro­ße Mit­spie­ler sind nicht mehr am Feld, neue ver­su­chen, ins Spiel zu kom­men. Der Blick rich­tet sich auf Ent­wick­lun­gen und Trends, die sich am Hori­zont abzeich­nen. Anlass für einen Mes­se­be­such mit Alfred Lang und Ewald Samer, zwei aus­ge­wie­se­nen Prak­ti­kern und Exper­ten für alles, was irgend­wie mit Solar­tech­nik zusammenhängt.


Eines vor­ab: Die schie­re Grö­ße und räum­li­che Aus­deh­nung der Mes­se, die Anzahl der Besu­cher aus aller Welt und die Viel­falt des Gezeig­ten waren auch dies­mal über­wäl­ti­gend. Dies obwohl ins Auge ste­chen­de spek­ta­ku­lä­re tech­ni­sche Lösungs­vor­schlä­ge wie etwa mons­ter­gro­ße Nach­führ­sys­te­me oder ganz all­ge­mein bemer­kens­wer­te Neue­run­gen dies­mal zu feh­len schienen.
Doch nun zu den Trends:

Spei­chern, spei­chern über alles …

Das Haupt­the­ma und der Schwer­punkt der Mes­se lagen ein­deu­tig auf der Spei­che­rung elek­tri­scher Ener­gie aus Pho­to­vol­ta­ik, wobei dem The­ma sogar eine eige­ne Hal­le gewid­met war. Die Grund­la­gen­tech­no­lo­gien sind dabei eher banal: Im Prin­zip hat man ohne­hin nur die Wahl zwi­schen Lithi­um-Ionen (scheint all­mäh­lich zu domi­nie­ren) und Blei (wird wie nicht anders zu erwar­ten von den klas­si­schen Bat­te­rie­her­stel­lern ver­tre­ten, dürf­te aber eher schon am abstei­gen­den Ast sein). Garan­tie­zei­ten für die Stand­fes­tig­keit der Spei­cher lie­gen meist bei zehn Jahren.

Speicherung und Management ...
Spei­che­rung und Management …
... mit Lithium-Batterien
… mit Lithium-Batterien

… in Ver­bin­dung mit Eigennutzung.

Salopp gesagt schei­nen die bes­ten Zei­ten der Netz­ein­spei­sung vor­bei zu sein. Eigen­ver­brauch hat Zukunft. Das ist ja auch logisch, wenn die Ein­spei­se­ta­ri­fe zusam­men­bre­chen und eine Anla­ge nicht mehr qua­si zwangs­läu­fig zu einem wirt­schaft­li­chen Erfolg machen, will man anders­her­um den Bezug teu­ren Netz­stroms mini­mie­ren, wo dies nur mög­lich ist. Die Indus­trie bie­tet bereits erprob­te Spei­cher­lö­sun­gen für jeden Anwen­dungs­fall, in Kapa­zi­tä­ten vom Ein­fa­mi­li­en­haus bis hin zur gro­ßen Wohn­sied­lung. Für klei­ne­re Stan­dard­an­la­gen wur­den von den Her­stel­lern bereits statt­li­che Stück­zah­len an instal­lier­ten Anla­gen genannt.

System von BYD ...
Sys­tem von BYD …
... und eines von BOSCH
… und eines von BOSCH

Aber ohne Manage­ment geht gar nix …

Der gewon­ne­ne  Solar­strom soll so gut wie mög­lich den Ver­brau­chern zuge­teilt wer­den oder die Ver­brau­cher best­mög­lich auf die Ver­sor­gungs­la­ge abge­stimmt wer­den. Ener­gie­ma­nage­ment­sys­te­me über­neh­men die­se Auf­ga­be. End­ziel ist, jede gewon­ne­ne Kilo­watt­stun­de mög­lichst opti­mal zu ver­wer­ten. Im End­ef­fekt wird das elek­tro­ni­sche Manage­ment­sys­tem in Ver­bin­dung mit dem Spei­cher und der intel­li­gen­ten Ver­tei­lung die kom­pak­te „Schalt­zen­tra­le“ zum Bei­spiel für ein Wohn­haus. Zahl­ei­che Anbie­ter haben dazu durch­aus unter­schied­li­che Ansät­ze und Sys­te­me gefunden.

Speicher in klein (hier Blei) ...
Spei­cher in klein (hier Blei) …
... und hier etwas Größeres
… und hier etwas Größeres

… und auch nicht ohne das Zube­hör drum herum.

Die Sys­tem­viel­falt beschränkt sich nicht auf die Manage­ment­sys­te­me. Schon für die Befes­ti­gung oder Dach­in­te­gra­ti­on von Solarm­pa­nee­len zeigt sich eine schier unglaub­li­che Fül­le an Ansät­zen. Einer­seits soll die Mon­ta­ge dem Hand­wer­ker mög­lichst ein­fach gemacht wer­den und soll rasch erfol­gen kön­nen, ande­rer­seits müs­sen dau­er­haf­te Sta­bi­li­tät und Sicher­heit gege­ben sein. Und wie über­all sonst ist natür­lich der Preis ein wich­ti­ges Aus­wahl­kri­te­ri­um. Nach­führ­sys­te­me sind natür­lich nach wie vor prä­sent, haben aber – sub­jek­tiv gese­hen – stark an Bedeu­tung ver­lo­ren und wer­den mit dem wei­ter­hin zu erwar­ten­den Ver­fall der Prei­se von Solar­mo­duln ver­mut­lich in einer unbe­deu­ten­den Nische enden.

Solar-Carport en miniature
Solar-Car­port en miniature
Praktischer Prospekte-Sammel-Trolley
Prak­ti­scher Prospekte-Sammel-Trolley

Elek­tro­mo­bi­li­tät überall …

Auch dies­mal wie­der zogen vie­le elek­tro­be­trie­be­ne Fahr­zeu­ge die Besu­cher an, zumal vie­le ledig­lich als Blick­fang pos­tiert waren. Auf­fäl­lig das Feh­len mehr oder weni­ger aus­ge­fal­le­ner Pro­to­ty­pen. Der Fahr­zeug­markt ist deut­lich seriö­ser, dadurch aber auch irgend­wie lang­wei­li­ger gewor­den. Denn die prä­sen­tier­ten Fahr­zeu­ge waren aus­schließ­lich die­je­ni­gen gro­ßer Her­stel­ler, deren ent­spre­chen­de Model­le ohne­hin schon satt­sam bekannt sind. Natür­lich fin­det sich auch sonst alles, was das Herz begehrt: E‑Fahrräder, E‑Motorräder, E‑Roller etc., etc. Aber auch Ori­gi­nell-Kurio­ses war zu sehen: Etwa eine elek­trisch ange­trie­be­ne Schie­be­tru­he, die nach kur­zem Test von Ewald das Prä­di­kat „pen­sio­nis­ten­freund­lich“ ver­lie­hen bekam.

Ewald testet pensionistenfreundliche Schiebetruhe
Ewald tes­tet E‑Schiebetruhe
... und Tauglichkeit des BMW i3
… und Taug­lich­keit des BMW i3

… beson­ders prä­sent aber dies­mal die Fahr­zeu­ge der Mar­ke Tesla

Auch am Frei­ge­län­de wur­den wie­der­um Fahr­zeu­ge prä­sen­tiert und stan­den für Pro­be­fahr­ten zur Ver­fü­gung. Dazu gehör­ten bei­spiels­wei­se die klei­ne­ren Fahr­zeu­ge von Renault, wie der Twi­zy oder der (oder die?) Zoe. Regel­recht von Men­schen­trau­ben bela­gert wur­den aber die Fahr­zeu­ge der Mar­ke Tes­la. Zwei Tes­la S stan­den denn auch für Pro­be­fahr­ten zur Ver­fü­gung. Alfred war schon im Vor­feld der Mes­se zu einer Test­fahrt ein­ge­la­den wor­den und als Mit­fah­rer gab es beein­dru­cken­de Momen­te. Doch davon in einem kom­men­den Blog-Bei­trag mehr.

Twizy de Luxe
Twi­zy de Luxe
Tesla-Schnauze
Tes­la-Schnau­ze

Fazit der Messebesuche 

Bei einem guten Mit­tag­essen – wie es sich gehört in einem länd­li­chen Brau­haus­re­stau­rant – haben wir die Ein­drü­cke revue pas­sie­ren las­sen und zusammengefasst.

Was sich klar abzeichnet:

  • - inter­na­tio­nal gese­hen ist Pho­to­vol­ta­ik das domi­nie­ren­de The­ma, Solar­ther­mie führt eher ein Nischen­da­sein, bleibt aber kla­rer­wei­se in Regio­nen mit Heiz­be­darf nach wie vor ein wich­ti­ges Thema.
  • - Ten­den­zi­ell rich­tet sich aber auch hier­zu­lan­de alles ver­mehrt auf Pho­to­vol­ta­ik aus. Dies des­halb, weil in weni­gen Jah­ren das Nied­rigst- oder Null-Ener­gie­haus Stan­dard sein wer­den und Heiz­ener­gie eine gerin­ge Rol­le spie­len wird, der Strom­be­darf aber blei­ben und eher stei­gen wird.
  • - Auch wenn in einem künf­ti­gen Wohn­haus die Behei­zung kaum noch eine Rol­le spie­len mag, bleibt immer noch der Wär­me­be­darf zur Warm­was­ser­be­rei­tung. Auch hier bie­ten sich sei­tens der Pho­to­vol­ta­ik ein Lösungs­an­satz an: die Ver­wen­dung sola­rer Strom­über­schüs­se zur Wassererwärmung.
  • - Gene­rell aber gilt jeden­falls: Die Zeit der hohen Ein­spei­se­ta­ri­fe ist vor­bei, der künf­ti­ge Schwer­punkt der Pho­to­vol­ta­ik liegt in der Abde­ckung des Eigen­be­dar­fes an elek­tri­schem Strom. Das gilt für Wohn­häu­ser genau­so wie für Betriebsgebäude.

A

Natür­lich bleibt noch viel zu tun, zahl­rei­che Her­aus­for­de­run­gen sind zu lösen. Aber die Mes­se setzt ermu­ti­gen­de Zei­chen dafür, dass die­se Her­aus­for­de­run­gen erkannt und im posi­ti­ven Sinn ange­nom­men werden.

Weitere Beiträge

Kategorien

Suche

Archiv

Stichwörter