Klimakrieg ums Baby?

·

·

Baby

Ein neu­ge­bo­re­ner Spröss­ling ist eine Freu­de für die Eltern! Selbst das Durch­le­ben schlaf­lo­ser Näch­te in den ers­ten Lebens­mo­na­ten kann ihr Glück nicht trü­ben. Freu­de trifft auch Groß­el­tern und den gesam­ten Kreis der Ver­wand­ten. Jeder will das schnu­cke­li­ge Klei­ne in Armen hal­ten und schau­keln, es ist strah­len­der Mit­tel­punkt auf zahl­rei­chen Han­dy­fo­tos und Adres­sat einer Fül­le von Geschen­ken. Alle freu­en sich! – Wirk­lich alle? Lei­der nein! Da gibt es eine gar nicht so klei­ne Grup­pe von Anhän­gern der reli­gi­ös auf­ge­la­de­nen Kli­ma­ka­ta­stro­phen-End­zeit­sek­te, die mensch­li­chem Nach­wuchs mit apo­ka­lyp­ti­scher Angst­ma­che verbinden.

Unter ande­rem auch mit die­sem gesell­schaft­li­chen Phä­no­men hat sich der aus Ungarn stam­men­de Wis­sen­schaft­ler Frank Fure­di beschäf­tigt. Er ist eme­ri­tier­ter Pro­fes­sor für Sozio­lo­gie an der Uni­ver­si­ty of Kent und setzt sich aus­ein­an­der mit Angst, The­ra­pie­kul­tur, ängst­li­cher Erzie­hung und dem Umgang mit Risi­ken und Wis­sen. In sei­nem Buch „How Fear Works: Cul­tu­re of Fear in the Twen­ty-First Cen­tu­ry“ setzt er sich auch ein­ge­hend mit der Spiel­art Angst­ma­che durch Kli­ma­wan­del aus­ein­an­der. Der fol­gen­de Aus­schnitt aus die­sem Buch beschäf­tigt sich mit der For­de­rung der erwähn­ten Akti­vis­ten, zur Scho­nung des Kli­mas auf mensch­li­chen Nach­wuchs zu ver­zich­ten. Der eng­li­sche Text wur­de mit deepL über­setzt und gering­fü­gig redi­giert, der bes­se­ren Les­bar­keit hal­ber wur­den Zwi­schen­ti­tel ein­ge­fügt. Hier also Frank Furedi:

Aktio­nen men­schen­feind­li­cher Angstunternehmer

König Hero­des‘ Angst vor dem Neu­ge­bo­re­nen beschränk­te sich auf ein ein­zi­ges Baby. Die men­schen­feind­li­chen Angst­un­ter­neh­mer von heu­te haben ihr Netz wei­ter aus­ge­brei­tet. Ein aus­tra­li­scher Pro­fes­sor für Geburts­hil­fe ist der Ansicht, dass das Über­le­ben des Pla­ne­ten eine stren­ge Kon­trol­le der Anzahl der Kin­der erfor­dert, die Eltern bekom­men kön­nen. Dies ist die Mei­nung von Bar­ry Walters:

Jedes neu­ge­bo­re­ne Baby in Aus­tra­li­en stellt eine star­ke Quel­le von Treib­haus­gas­emis­sio­nen für durch­schnitt­lich 80 Jah­re dar, und zwar nicht nur durch die Atmung, son­dern auch durch den für unse­re Gesell­schaft typi­schen ver­schwen­de­ri­schen Ver­brauch von Res­sour­cen. Was soll­ten wir als umwelt­be­wuss­te Medi­zi­ner also tun? Wir soll­ten alle, die es nicht sehen, auf die Fol­gen hin­wei­sen, not­falls auch die Gesund­heits­mi­nis­ter. Anstatt neue Müt­ter mit Geld zu über­schüt­ten und damit treib­haus­feind­li­ches Ver­hal­ten zu beloh­nen, soll­te nach dem Ver­ur­sa­cher­prin­zip eine „Baby-Abga­be“ in Form einer Koh­len­stoff­steu­er erho­ben werden.

„Treib­haus­feind­li­ches Verhalten“

Im Lau­fe der Geschich­te haben ver­schie­de­ne Kul­tu­ren die Geburt als einen ein­zig­ar­ti­gen Moment gefei­ert, der die Freu­de am Leben aus­drückt. Die Umdeu­tung die­ses Ereig­nis­ses in „treib­haus­feind­li­ches Ver­hal­ten“ zeugt von einer Vor­stel­lung, in der die Ver­rin­ge­rung des Koh­len­stoff­aus­sto­ßes die Ach­tung vor dem mensch­li­chen Leben über­trumpft. Sobald jedes Neu­ge­bo­re­ne als pro­fes­sio­nel­ler Umwelt­ver­schmut­zer und „poten­ter Ver­ur­sa­cher von Treib­haus­gas­emis­sio­nen“ ent­mensch­licht wird, ist es sehr schwie­rig, sich nicht über die Bedro­hung durch das Wachs­tum der mensch­li­chen Eth­nie zu sorgen.

Miss­trau­en gegen­über dem Men­schen selbst

Ein wesent­li­ches Merk­mal unse­rer Kul­tur der Angst ist das star­ke Miss­trau­en gegen­über der mensch­li­chen Spe­zi­es. Frü­her oder spä­ter rich­tet sich die Panik­ma­che gegen uns selbst. Die sys­te­ma­ti­sche Wei­ter­ga­be von Miss­trau­en und Angst führt unwei­ger­lich zur För­de­rung des Miss­trau­ens gegen­über den Moti­ven der Men­schen und schließ­lich zum Miss­trau­en gegen­über den Men­schen selbst. Als poten­zi­el­le Umwelt­ver­schmut­zer sind Babys nicht mehr jene lie­bens­wer­ten, kusche­li­gen Wesen, die so viel Freu­de in unser Leben brin­gen. Indem man Babys das nimmt, was wir als ihre lie­bens­wer­te Unschuld emp­fin­den, kann man die Men­schen leich­ter davon abhal­ten, sie zu bekom­men oder „zu vie­le“ von ihnen. Wäh­rend Babys frü­her häu­fig als Segen dar­ge­stellt wur­den, wird jetzt die Wei­ge­rung, sie zu bekom­men, als Segen für den Pla­ne­ten dargestellt.

Abtrei­bung zwecks Ressourcenschonung?

Die­se Umkehr der Wert­schät­zung des mensch­li­chen Lebens wird von der Umwelt­schüt­ze­rin Kel­pie Wil­son aus­drück­lich befür­wor­tet. Wil­son stellt die Abtrei­bung nicht so sehr als eine not­wen­di­ge Opti­on dar, die es den Frau­en ermög­licht, über ihr Leben zu bestim­men, son­dern als ein Opfer, das es wert ist, im Inter­es­se der Umwelt gebracht zu wer­den. Die Ein­sicht, dass ein win­zi­ger Embryo manch­mal für das Wohl der Fami­lie oder der mensch­li­chen Spe­zi­es als Gan­zes geop­fert wer­den muss, ist die mora­li­sche Grund­la­ge, auf der wir heu­te ste­hen“, argu­men­tiert sie, denn “wir müs­sen uns über­le­gen, wie wir mor­gen auf einem res­sour­cen­ar­men und kli­ma­tisch gefähr­de­ten Pla­ne­ten leben wer­den. Aus Wil­sons Sicht ist die Abtrei­bung als res­sour­cen­spa­ren­de Stra­te­gie mora­lisch gerecht­fer­tigt: Sie glaubt, dass „die meis­ten Frau­en, die eine Abtrei­bung vor­neh­men las­sen“, dies tun, um Res­sour­cen für Kin­der zu spa­ren, die sie bereits haben. In die­sem Sin­ne wer­den Schre­ckens­mel­dun­gen über die „phy­si­schen Gren­zen des Pla­ne­ten“ als „mora­li­sche Argu­men­te für die Abtrei­bung“ abgelehnt.

Kein Recht, über Fami­li­en­grö­ße zu entscheiden?

Die Kata­stro­phen­phan­ta­sie, die der west­li­chen Kul­tur des 21. Jahr­hun­derts zugrun­de liegt, hat die Befür­wor­ter der Idee ermu­tigt, dass der Tod der Mensch­heit die Mut­ter aller Zeit­bom­ben ist, um das Stre­ben nach Fort­pflan­zung selbst ins Visier zu neh­men. Die Kon­trol­le der Frucht­bar­keit wird als Pflicht und nicht als Wahl­mög­lich­keit pro­pa­giert. Paa­re, die Ent­schei­dun­gen über die Fami­li­en­grö­ße tref­fen, tun dies in dem Glau­ben, dass dies allein ihre Ange­le­gen­heit und ihre per­sön­li­chen Prä­fe­ren­zen sind“, stellt eine Grup­pe, die sich für Bevöl­ke­rungs­kon­trol­le ein­setzt, ungläu­big fest. Der Gedan­ke, dass Men­schen das Recht haben soll­ten, über ihre Fami­li­en­grö­ße selbst zu ent­schei­den, wird als empö­rend abgetan.

Mora­li­scher Sta­tus des mensch­li­chen Lebens

Aber las­sen Sie uns über die Bedeu­tung die­ser Aus­sa­ge nach­den­ken. Seit Anbe­ginn der Zeit ist eines der deut­lichs­ten Zei­chen einer auf­ge­klär­ten zivi­li­sier­ten Gesell­schaft der mora­li­sche Sta­tus, den sie dem mensch­li­chen Leben bei­misst. Die west­li­che Gesell­schaft des ein­und­zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts bringt nach außen hin ein noch nie dage­we­se­nes Maß an Beja­hung des mensch­li­chen Lebens zum Aus­druck. Es ist ein Zeit­al­ter, in dem der Grund­satz der Men­schen­rech­te von den vor­herr­schen­den kul­tu­rel­len und poli­ti­schen Insti­tu­tio­nen geprie­sen wird, und das phä­no­me­na­le Wachs­tum der Gesund­heits­aus­ga­ben beweist, wel­che Bedeu­tung wohl­ha­ben­de Gesell­schaf­ten dem mensch­li­chen Wohl­erge­hen bei­mes­sen. West­li­che Gesell­schaf­ten kön­nen außer­ge­wöhn­li­che Anstren­gun­gen unter­neh­men, um ein Früh­ge­bo­re­nes am Leben zu erhal­ten oder das Leben alter und chro­nisch kran­ker Men­schen zu verlängern.

Ent­frem­dung der Men­schen­rech­te von eige­ner Menschlichkeit?

Und doch steht das Ethos der Men­schen­rech­te und der heroi­schen Medi­zin in einem zwie­späl­ti­gen Ver­hält­nis zur Ent­frem­dung der heu­ti­gen Gesell­schaft von ihrer eige­nen Mensch­lich­keit. Um es ganz offen zu sagen: Es ist schwie­rig, das mensch­li­che Leben zu fei­ern, wenn die Gesell­schaft Angst vor dem Wachs­tum der Zahl der Men­schen auf der Erde hat. Eine Bot­schaft, die unse­re Kul­tur der Angst unauf­hör­lich ver­mit­telt, lau­tet, dass die Men­schen sich selbst und ihre Mit­men­schen fürch­ten soll­ten. Die­se men­schen­feind­li­che Ein­stel­lung ist eine der Haupt­ur­sa­chen für die zwang­haf­te Beschäf­ti­gung der Gesell­schaft mit dem The­ma Sicherheit.

—

Weitere Beiträge

Kategorien

Suche

Archiv

Stichwörter