Grenzgänge mit Wärmetauschern

Pfeile

Es waren meh­re­re Her­aus­for­de­run­gen tech­ni­scher Art, die Ende der Sieb­zi­ger-Jah­re bei Errich­tung der ers­ten geo­ther­ma­len Fern­wär­me­ver­sor­gung in Wal­ters­dorf (Heu­te: Bad Wal­ters­dorf) in der Ost­stei­er­mark zu meis­tern waren. Dazu muss man wis­sen, dass Ther­mal- und Heil­was­ser­vor­kom­men übli­cher­wei­se star­ken Gehalt an Mine­ral­stof­fen auf­wei­sen. Das schließt eine direk­te Ver­wen­dung für Heiz­zwe­cke aus, da die­se im Was­ser gelös­ten oder mit­ge­führ­ten Mine­ral­stof­fe aus­schei­den könn­ten. Die dann ent­ste­hen­den Abla­ge­run­gen auf Rohr­lei­tun­gen und Heiz­flä­chen wür­den die­se nach kür­zes­ter Zeit funk­ti­ons­un­fä­hig machen.

Sehr vie­len Haus- oder Woh­nungs­be­sit­zern wer­den ähn­li­che Pro­ble­me mit Abla­ge­run­gen in elek­trisch beheiz­ten  Warm­was­ser­be­rei­tern geläu­fig sein. Bei ganz nor­ma­lem Trink­was­ser und noch mehr bei sol­chem mit gro­ßer Här­te kön­nen sich nach zum Bei­spiel ein oder zwei Jah­ren kalk­ar­ti­ge Rück­stän­de auf den Heiz­ele­men­ten oder Heiz­stä­ben bil­den. Die Warm­was­ser­be­rei­tung funk­tio­niert dann nicht mehr rich­tig, ein Instal­la­teur muss her. Umfas­sen­de Rei­ni­gung der Heiz­ele­men­te ist unum­gäng­lich, sind die­se bereits geschä­digt, ist Aus­tausch notwendig.

Grenz­tem­pe­ra­tu­ren

Der Aus­fall der Mine­ral­stof­fe aus dem Trink­was­ser wird dann beschleu­nigt, wenn die Tem­pe­ra­tu­ren im Warm­was­ser­be­rei­ter einen Wert von unge­fähr 60°C über­schrei­ten. Direkt an den vor­hin erwähn­ten Heiz­ele­men­ten ist das meist der Fall, selbst wenn die Tem­pe­ra­tur im Warm­was­ser­be­rei­ter auf einen nied­ri­ge­ren Wert ein­ge­stellt ist. (Die all­ge­mei­ne Emp­feh­lung der Instal­la­ti­ons­bran­che, in Warm­was­ser­be­rei­tern den genann­ten Wert nicht zu über­schrei­ten, hat aller­dings auch noch ener­gie­tech­ni­sche Grün­de, denn mit höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren im Inne­ren des Warm­was­ser­be­rei­ters stei­gen auch die Wär­me­ver­lus­te nach außen.)

Gren­zen der Wärmeströme

Rein tech­nisch gese­hen liegt ein wei­te­rer und meist viel weni­ger beach­te­ter Grund für die Anfäl­lig­keit auf „Ver­kal­kung“ bei elek­tri­schen Heiz­ein­sät­zen dar­in, dass die­se Heiz­ele­men­te eine sehr hohe Wär­me­strom­dich­te auf­wei­sen. Das bedeu­tet ver­ein­facht gesagt, dass recht klei­ne Ober­flä­chen sehr hohe Heiz­leis­tun­gen über­tra­gen müs­sen. Mit zuneh­men­der Höhe der Wär­me­strom­dich­te steigt die Wahr­schein­lich­keit des Auf­tre­tens von Abla­ge­run­gen. Die Her­stel­ler sol­cher Heiz­ein­sät­ze sind dar­über sehr genau im Bil­de und ken­nen die „kri­ti­schen“ Wer­te ihrer Produkte.

Funk­ti­on von Plattenwärmetauschern

All das vor­hin Gesag­te gilt in gewis­sem Maß auch für Wär­me­tau­scher jeg­li­cher Bau­art. Und damit zurück zur ther­ma­len Fern­wär­me­ver­sor­gung in Bad Wal­ters­dorf. Zur Über­tra­gung der Wär­me aus dem Ther­mal­was­ser in den Hei­zungs­kreis­lauf der ört­li­chen Fern­wär­me wer­den soge­nann­te Plat­ten­wär­me­tau­scher ein­ge­setzt: Über meh­re­re Schich­ten von Plat­ten aus Edel­stahl wird vom Ther­mal­was­ser (von der „Pri­mär­sei­te“) Wär­me auf das Hei­zungs­was­ser (auf die „Sekun­där­sei­te“) über­tra­gen. Das aus der Boh­rung aus­tre­ten­de Ther­mal­was­ser hat etwa 62°C, es tritt auf der Pri­mär­sei­te in den Wär­me­tau­scher und liegt damit im kri­ti­schen Tem­pe­ra­tur­be­reich, die Tem­pe­ra­tur des Aus­tre­ten­den sekun­dä­ren Hei­zungs­was­sers liegt nur knapp darunter.

Gren­zen der Strömungsgeschwindigkeiten

Zu den genann­ten Her­aus­for­de­run­gen – hohen Gehalt an Mine­ral­stof­fen und kri­ti­schen Tem­pe­ra­tur­be­reich berück­sich­ti­gen und mög­lichst nied­ri­ge Wär­me­strom­dich­te errei­chen – kam noch die Not­wen­dig­keit, Abla­ge­run­gen durch zu gerin­ge Strö­mungs­ge­schwin­dig­kei­ten zu ver­mei­den, was Ver­su­che mit ver­schie­de­nen Plat­ten­prä­gun­gen und die Berück­sich­ti­gung von Spül­mög­lich­kei­ten erfor­der­te. Noch dazu soll­ten Revi­sio­nen mit Zer­le­gen der ver­schraub­ten, mit Gum­mi­dich­tun­gen ver­se­he­nen und durch Schraub­ver­bin­dun­gen fest zusam­men­ge­press­ten Plat­ten so weit wie mög­lich hin­aus­ge­zö­gert oder gänz­lich ver­mie­den werden.

Erfolg = Theo­rie + Pra­xis­wis­sen + Erfahrung

Die tat­säch­li­che Aus­wahl der Wär­me­tau­scher hat sich als Erfolgs­ge­schich­te erwie­sen: Sie sind nun bereits über vier­zig Jah­re im Ein­satz. Die äußerst gerin­gen Tem­pe­ra­tur­dif­fe­ren­zen, die für die Wär­me­über­tra­gung zur Ver­fü­gung ste­hen, mach­ten gro­ße Über­tra­gungs­flä­chen erfor­der­lich, was wie­der­um gerin­ge Wär­me­strom­dich­ten zur Fol­ge hat­te. Es ist dem Autor nicht bekannt, ob über­haupt jemals Revi­sio­nen erfor­der­lich wur­den, zumin­dest in den ers­ten Betriebs­jah­ren war das nicht der Fall. – Das klag­lo­se Funk­tio­nie­ren wider­leg­te alle Beden­ken jener Fach­leu­te, die das Pro­jekt zuvor für undurch­führ­bar gehal­ten hatten …

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