Souveräne Stimme

Stimme

Es steht außer Zwei­fel, dass ein Gerichts­saal einer jener Orte ist, an dem alle Betei­lig­ten eine star­ke und zuver­läs­si­ge Stim­me benö­ti­gen. Was hier nicht in dem über­tra­ge­nen Sinn gemeint ist, dass jede Par­tei sich auf einen guten Rechts­ver­tre­ter ver­las­sen muss, son­dern im wahrs­ten Sinn des Wor­tes: Näm­lich bezo­gen auf das mensch­li­che Stimmor­gan. Aber nicht nur bei Gericht, son­dern auch in all­täg­li­chen Situa­tio­nen ist ein gut gepfleg­tes und rich­tig ein­ge­setz­tes Stimmor­gan von Vor­teil. Alles zusam­men ein Grund, ein Semi­nar dar­über zu besu­chen, wie man eine star­ke Stim­me erhält – und behält.

Wenn eine der­ar­ti­ge per­sön­lich­keits­bil­den­de Ver­an­stal­tung auf dem Boden einer höhe­ren Schu­le statt­fin­det, darf man nicht über­rascht sein, dass ein Groß­teil der Teil­neh­mer aus dem Lehr­kör­per eben­die­ser Bil­dungs­in­sti­tu­ti­on kommt. Eini­ge der Anwe­sen­den geben an, dann beson­ders gefor­dert zu sein, wenn sie Block­ver­an­stal­tun­gen durch­zu­füh­ren haben in der Dau­er von meh­re­ren Stun­den. Sie suchen Abhil­fe gegen vor­zei­ti­ge Schwä­chung, gegen Hei­ser­keit, zuneh­men­de Anstren­gung oder gar gegen Aus­fall der Stimme.

Was die Stimm­ge­bung beeinflusst

Man wird sich des­sen bewusst, dass bezo­gen auf die ein­zel­ne Per­son grund­sätz­li­che Ein­flüs­se auf die Stimm­ge­bung vor­herr­schend sein kön­nen, denen wir uns prak­tisch nicht ent­zie­hen kön­nen: Durch Erzie­hung und Lebens­er­fah­rung, durch die jewei­li­ge Situa­ti­on, natür­lich auch durch die Art der Gesprächs­part­ner oder durch das Ziel des Gesprächs. Dann sind Tages­ver­fas­sung, Anlass für das Gespräch oder die Emo­tio­nen zu beach­ten, mit denen man in ein Gespräch geht oder die im Lauf des Gesprächs hoch­kom­men können.

Vor­beu­gen­de Maß­nah­men und Verhaltensweisen

Hin­ge­wie­sen wird auf vor­beu­gen­de Maß­nah­men, die den Stimm­ge­brauch erleich­tern kön­nen: Da ist vor allem wich­tig, wäh­rend der Stimm­be­las­tung aus­rei­chend zu trin­ken! Dann sind Laut­stär­ke und Ton­hö­he den tat­säch­li­chen Erfor­der­nis­sen anzu­pas­sen. Es emp­fiehlt sich auch, wie den Kör­per vor dem Sport auch die Stim­me vor einem Vor­trag auf­zu­wär­men. Von Vor­teil sind auch Sprech­pau­sen, wenn immer dies mög­lich ist. Wäh­rend des Spre­chens kann Bewe­gung und Jus­tie­rung der Kör­per­hal­tung hilf­reich sein.

Räus­pern und Flüstern

Es dürf­te uns viel­leicht wenig bewusst sein, aber Exper­ten mei­nen, dass häu­fi­ges Räus­pern der Stim­me nach­hal­tig scha­den kann: Es sei zu ver­glei­chen mit einem ziem­lich gro­ben „Bear­bei­ten“ der Stimm­bän­der mit Schmir­gel­pa­pier. Das­sel­be gel­te auch für Flüs­tern: Es sei nicht nur anstren­gend, son­dern scha­de auch den Stimm­bän­dern. Im Fall einer Erkäl­tung emp­fiehlt es sich, Flüs­tern zu ver­mei­den, und statt­des­sen mit der Rest­stim­me zu spre­chen. Und dass Rau­chen der Stim­me gehö­rig scha­den kann, braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden.

Kör­per­hal­tung und Atmung

Man kann an sich selbst aus­pro­bie­ren, wie sich die Kör­per­hal­tung auf die Spra­che aus­wirkt, oder wie sich Gefüh­le dies­be­züg­lich aus­wir­ken. Bes­te Wir­kung erzielt man mit einem guten Stand, mit den Fuß­soh­len im Boden gut „ver­an­kert“, sich von unten nach oben auf­rich­tend und stre­ckend und den Schul­tern leicht nach hin­ten. Im Sit­zen soll das Gewicht gut auf der Unter­la­ge ruhen. Der gut auf­ge­rich­te­te Kör­per lässt den Atem frei und unge­hin­dert flie­ßen, wobei zu beach­ten ist, dass das Zwerch­fell den Haupt­mus­kel für das Atmen darstellt.

Stim­me und Artikulation

Locker und ent­spannt spre­chen schont die Stim­me und ver­leiht ihr ange­neh­me Reso­nanz, wes­halb man dann von sei­ner „Wohl­fühlstim­me“ – oder sei­ner Indif­fe­renz­la­ge – spricht. Zu die­ser soll man zurück­keh­ren, wenn man lan­ge oder laut spre­chen muss. Wich­tig ist auch die Arti­ku­la­ti­on, die Prä­zi­si­on der Aus­spra­che: Locke­rer Kie­fer, beweg­li­che Lip­pen und Zun­ge: Wer deut­lich spricht, benö­tigt weni­ger Stimm­kraft! Häu­fi­ger Feh­ler: Zu gerin­ge Öff­nung der Kie­fer – die Arti­ku­la­ti­on lässt sich durch Spre­chen von Tex­ten mit Dau­men zwi­schen den Zäh­nen deut­lich verbessern.

Satz­me­lo­die und Tempo

Die Satz­me­lo­die kenn­zeich­net die Aus­sa­ge von Sät­zen und bestimmt den Ein­druck, den die Stim­me hin­ter­lässt: Sie kann Ruhe, Sou­ve­rä­ni­tät, oder Ver­bind­lich­keit ver­mit­teln. Oder aber sie führt zu offe­nen und geschlos­se­nen Fra­gen. Pau­sen im Spre­chen geben dem Gegen­über Zeit, das Gehör­te zu ver­ar­bei­ten, glie­dern das Gesag­te in Abschnit­te, kön­nen aber auch Span­nung erzeu­gen oder Ruhe bewir­ken. Aus Sicht des Red­ners kann man dadurch Atem holen, den nächs­ten Satz oder Gedan­ken for­mu­lie­ren oder kon­trol­lie­ren, ob der Inhalt ver­stan­den wurde.

Der rich­ti­ge Ton macht die Bot­schaft perfekt

Nicht umsonst sagt man nach gelun­ge­nen Anspra­chen, Vor­trä­gen, Vor­le­sun­gen oder Plä­doy­ers: Er oder sie hat den rich­ti­gen Ton getrof­fen. In unse­rem Fall ist damit der letz­te Bau­stein für den gelun­ge­nen Stimm­ein­satz gemeint: Nicht nur die Sprach­me­lo­die macht die Wir­kung aus, ein „dyna­mi­scher Akzent“ ent­steht erst mit der rich­ti­gen Beto­nung, sprich mit dem geziel­ten Ein­satz von höhe­rer oder gerin­ge­rer Laut­stär­ke! Wer das beher­zigt, macht sei­nen Stimm­ein­satz per­fekt. – Was bleibt zu tun? Ganz ein­fach, und doch so schwer: Immer wie­der Üben, Üben, Üben …

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Quel­le: „Star­ke Stim­me – sou­ve­rän und gesund spre­chen“, Skrip­tum Sum­mer Busi­ness School 2024, ver­fasst von Clau­dia Graf, M.A., Logo­pä­din, 8010 Graz

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