Strahlungsheizung vollelektrisch – warum nicht ?

Blitz

Wenn sich Poli­tik, Medi­en und Öffent­lich­keit mit Gebäu­de­hei­zung aus­ein­an­der­set­zen, geschieht dies meist mit Blick auf die dafür ver­wen­de­ten Ener­gie­trä­ger. Aktu­el­le The­men sind zumeist die Abkehr von Heiz­öl und Erd­gas und der Umstieg auf ver­meint­lich „umwelt­freund­li­che“ oder „kli­ma­scho­nen­de“ Pel­lets- oder Wär­me­pum­pen­hei­zun­gen oder – wo das mög­lich ist – auf Fern­wär­me. Weit weni­ger Beach­tung hin­ge­gen schenkt man der Wär­me­ab­ga­be in Wohn- und Büro­räu­men und den dahin­ter­ste­hen­den Heiz­sys­te­men, die fast samt und son­ders auf alt­her­ge­brach­ten Tech­ni­ken aufbauen.

Das ist nicht abschät­zig gemeint, son­dern bloß Ver­weis dar­auf, dass die heu­te hier­zu­lan­de weit­aus über­wie­gend vor­han­de­nen Warm­was­ser-Zen­tral­hei­zun­gen End­ergeb­nis einer bestimm­ten Ent­wick­lung sind. Ich bin in einer klei­nen Indus­trie­stadt in der Ost­stei­er­mark auf­ge­wach­sen. In den 50er-Jah­ren (des vori­gen Jahr­hun­derts) waren dort in klei­nen Ein­fa­mi­li­en­häu­sern zen­tra­le Luft­hei­zun­gen – sehr ein­fa­che aller­dings – stark ver­brei­tet. Erst zehn Jah­re spä­ter kamen nach und nach die Warm­was­ser­hei­zun­gen auf, erst noch mit Koh­le und Holz befeu­ert, bald aber mit bil­li­gem und kom­for­ta­ble­ren Heizöl.

Zei­ten­wen­de bringt Änderungen

Heu­te sind wir wie­der in einer Zei­ten­wen­de: Zur­zeit wird hier am Land – geschürt durch die Kli­ma­dis­kus­si­on – mehr oder weni­ger eif­rig umge­rüs­tet auf Pel­lets und Wär­me­pum­pen, letz­te­re zumeist mit Luft als Wär­me­quel­le. Wer die Mög­lich­keit hat, schließt ger­ne an Fern- oder Nah­wär­me an. Moder­ne, zeit­spa­ren­de Instal­la­ti­ons­tech­ni­ken haben sich im Lauf der Jah­re durch­ge­setzt. Weit­ge­hend unver­än­dert sind aber in den letz­ten Jahr­zehn­ten die Heiz­sys­te­me geblie­ben. In Neu­bau­ten von Wohn­häu­sern domi­nie­ren viel­fach Fuß­bo­den­hei­zun­gen, oft ergänzt um Heiz­krei­se mit Radiatoren.

Wär­me­über­tra­gung durch Strahlung

Strah­lungs­hei­zun­gen in Form von Decken- oder Wand­hei­zun­gen sind eher sel­ten, sind aber aus vie­len Grün­den einer nähe­ren Betrach­tung wert. Das betrifft ins­be­son­de­re alle Arten von Nie­der­tem­pe­ra­tur­aus­füh­run­gen. Sie zeich­nen sich dadurch aus, dass sie ein sehr behag­li­ches  Wohn­kli­ma schaf­fen kön­nen, weil die Innen­flä­chen des Rau­mes durch Wär­me­über­tra­gung in die Behei­zung des Rau­mes mit­ein­be­zo­gen wer­den und die Raum­luft dabei nicht erwärmt und daher nicht bewegt wird. Wär­me­strah­len brei­ten sich wie auch das sicht­ba­re Licht mit Licht­ge­schwin­dig­keit aus und tun die­ses völ­lig geräuschlos.

Wär­me­über­tra­gung durch Konvektion 

Natür­lich gibt auch eine Fuß­bo­den­hei­zung den größ­ten Teil ihrer Wär­me­wir­kung in Form von  Wär­me­strah­lung ab, aller­dings wird der rest­li­che – nicht gerin­ge Teil – durch Kon­vek­ti­on, also Luft­be­we­gung, in den Raum ein­ge­tra­gen. Noch grö­ßer ist der in die Luft abge­ge­be­ne Wär­me­an­teil von her­kömm­li­chen Heiz­kör­pern, ins­be­son­de­re von sol­chen mit vie­len Kon­vek­ti­ons­la­mel­len. „Nor­ma­le“ Rip­pen- oder Kom­pakt­heiz­kör­per erwär­men die durch­strö­men­de Luft, die im Raum auf­steigt, die­sen durch­quert, abfällt und schließ­lich zum Heiz­kör­per zurück­strömt, wo der Kreis­lauf von Neu­em beginnt.

Behag­li­ches Raum­kli­ma durch Wärmestrahlung

Ein unver­meid­ba­rer Nach­teil der von die­sen Heiz­kör­pern ver­ur­sach­ten Luft­zir­ku­la­ti­on ist die Mit­nah­me von Staub. Dem­ge­gen­über ver­ur­sa­chen Strah­lungs­hei­zun­gen wie gesagt kei­ne Luft­be­we­gung, weil sie Luft nicht als Wär­me­über­tra­ger benö­ti­gen. Die Wär­me­strah­len, die zum Bei­spiel von einer Decken­strah­lungs­hei­zung aus­ge­hen, erwär­men die Raum­luft nicht! Erst die erwärm­ten Umschlie­ßungs­flä­chen des Rau­mes tun dies auf ener­gie­spa­ren­de Art. Groß­flä­chi­ge Decken­strah­lungs­hei­zun­gen haben Ober­flä­chen­tem­pe­ra­tu­ren von z. B. 32 °C, die Wän­de z. B. 21 bis 22 °C, die Luft­tem­pe­ra­tu­ren lie­gen um ein bis zwei Grad Cel­si­us dar­un­ter, was ein sehr behag­li­ches Wohn­kli­ma ergibt.

Elek­tri­sche Deckenstrahlungsheizung

Die­se Vor­tei­le stei­gern sich noch beim Ein­satz einer elek­tri­schen Decken­strah­lungs­hei­zung,  weil das kon­ven­tio­nel­le Heiz­sys­tem voll­stän­dig ent­fällt: Statt Hei­zungs­roh­ren unsicht­ba­re Kabel, statt stö­ren­den Heiz­kör­pern eine unsicht­ba­re Heiz­flä­che, kein Brenn­stoff-Lager­raum! Das spart eine gan­ze Men­ge an Inves­ti­ti­ons­kos­ten. Aber wie sieht es mit den Heiz­kos­ten aus? Dass elek­tri­scher Strom pro Kilo­watt­stun­de teu­rer ist als kon­ven­tio­nel­ler Brenn­stoff, ist klar. Das kann auch der nied­ri­ge­re Ener­gie­ver­brauch der Strah­lungs­hei­zung nicht auf­wie­gen. Setzt man aber Pho­to­vol­ta­ik ein, kann die Rech­nung schon ganz anders aus­se­hen, wie eini­ge Pra­xis­bei­spie­le zei­gen. Dazu ein ande­res Mal mehr.

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Anmer­kung 1: Das The­ma Strah­lungs­hei­zung wur­de übri­gens in die­sem Blog schon des Öfte­ren ange­spro­chen, sie­he etwa hier.

Anmer­kung 2: Das Buch „Infra­rot­hei­zung: Gebäu­de­be­hei­zung per Infra­rot­strah­lung“ von Jür­gen Sch­am­pel ist eine gut ver­ständ­lich geschrie­be­ne Ein­füh­rung in das Thema

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