Begegnungen: Georg von Pragenau (1927 – 2013)

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Team

Es gibt Men­schen, die nach einer direk­ten Begeg­nung einen lebens­lang anhal­ten­den Ein­druck hin­ter­las­sen. Die in ihrer Art und in ihren Errun­gen­schaf­ten außer­ge­wöhn­lich sind. Dies vor allem dann, wenn sie eine span­nen­de und mit his­to­ri­schen Ereig­nis­sen ver­bun­de­ne Lebens­ge­schich­te erzäh­len kön­nen, dies aber frei von jeg­li­chen per­sön­li­chen Eitel­kei­ten und in gro­ßer Beschei­den­heit – ja in Demut und Dank­bar­keit – tun. Ich hat­te das Glück, eini­ge die­ser Zeit­ge­nos­sen ken­nen ler­nen zu dür­fen. Einer davon war Georg von Pra­ge­nau. Sein Name ist eng mit der US-ame­ri­ka­ni­schen Raum­fahrt verbunden.

Gegen Ende der Fünf­zi­ger-Jah­re des vori­gen Jahr­hun­derts waren Öffent­lich­keit, Regie­rung und Mili­tärs der USA noch anhal­tend geschockt über die Pio­nier­tat der Rus­sen, die es geschafft hat­ten, 1957 den ers­ten künst­li­chen Satel­li­ten „Sput­nik 1“ in eine irdi­sche Umlauf­bahn zu schie­ßen. Die zivi­len und mili­tä­ri­schen Stel­len, die sich mit Raum­fahrt befass­ten, erfuh­ren einen ruck­ar­ti­gen Anstoß, es den Rus­sen gleich­zu­tun. Alle ver­füg­ba­ren Kräf­te wur­den mobi­li­siert, die Suche nach wei­te­ren Kräf­ten begann. Das Team um Wern­her von Braun und die Grup­pe der deut­schen Wis­sen­schaft­ler auf dem Reds­tone Arse­nal bei Hunt­sville in Ala­ba­ma such­te Verstärkung.

Tran­sis­to­ren

Georg von Pra­ge­nau war 1927 gebo­ren und hat­te nach dem Krieg in Wien sein Stu­di­um im Bereich Elek­trik, Elek­tro­nik und Fern­mel­de­we­sen abge­schlos­sen. Ein Schwer­punkt sei­ner Beschäf­ti­gung lag in der Anwen­dung von Tran­sis­to­ren, die ein ame­ri­ka­ni­sches For­scher­team erst­mals 1947 der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt hat­ten. Dies wie­der­um erreg­te die Auf­merk­sam­keit ame­ri­ka­ni­scher Stel­len. Ermu­tigt durch eine Emp­feh­lung eines sei­ner Pro­fes­so­ren bewarb er sich an der Bot­schaft in Wien. Er wur­de nach ein­ge­hen­der Prü­fung durch einen Exper­ten aus dem ehe­ma­li­gen deut­schen und nun in den USA täti­gen Rake­ten­teams in die­ses aufgenommen.

Vom Mili­tär zur zivi­len Raumfahrt

Georg von Pra­ge­nau über­sie­del­te nach Hunt­sville in Ala­ba­ma, wo er zunächst eini­ge Zeit für die US-Armee tätig war, genau­er gesagt in der Army Bal­li­stic Mis­sile Agen­cy (ABMA). Er bemüh­te sich aber, in den Bereich der Raum­fahrt zu kom­men, was ihm auch schließ­lich gelang. Er über­sie­del­te in das Mar­shall Space Flight Cen­ter (MSFC). Die ers­ten Model­le der für die Raum­fahrt vor­ge­se­he­nen Rake­ten wie­sen eine Men­ge von Schwä­chen auf. So etwa litt die Mess­tech­nik unter den star­ken Vibra­tio­nen, die der Antrieb ver­ur­sach­te. Die inten­si­ve Beschäf­ti­gung mit Schwin­gungs- und Sta­bi­li­täts­pro­ble­men brach­ten ihm die Ernen­nung zum Direk­tor für Dyna­mi­sches Tes­ten ein.

Saturn 1 und 5

Die größ­te Her­aus­for­de­rung aber war das Ver­hal­ten der Saturn 1, der ers­ten Rake­te für höhe­re Nutz­las­ten. Die auf­tre­ten­den Pro­ble­me erwie­sen sich als regel­recht bös­ar­tig, deren Lösung erfor­der­te außer­or­dent­li­che Anstren­gun­gen. Die nächs­te Arbeit begann an der Saturn 5, die spä­ter die ers­ten Men­schen auf den Mond beför­dern soll­te. Bei den ers­ten Test­flü­gen die­ser mäch­ti­gen Rake­te tra­ten an den För­der­pum­pen für Sau­er­stoff und Was­ser­stoff Druck­stö­ße auf, die die Funk­ti­on der Aggre­ga­te bedroh­ten. Von Pra­ge­nau und sein „Tiger Team“ konn­ten die Pro­ble­me noch recht­zei­tig vor dem ers­ten Start zum Mond beheben.

Tiger Team

Es war um das Jahr 1990, als ich Georg von Pra­ge­nau in Graz traf. Er hat­te zuvor einen Vor­trag bei den „Full Gos­pel Busi­ness Men“ gehal­ten, einer inter­na­tio­na­len christ­li­chen über­kon­fes­sio­nel­len Unter­neh­mer­ver­ei­ni­gung und nahm sich danach Zeit für ein aus­führ­li­ches Gespräch. Die Arbeit in den Tiger Teams war, mein­te er, der­art kon­zen­triert, dass er ein­mal vier Wochen am Stück sein Büro nicht ver­ließ und sogar dort über­nach­te­te. Alle Mit­tel stan­den zur Ver­fü­gung, auch noch so teu­re und exo­ti­sche, wenn es dar­um ging, ein Pro­jekt recht­zei­tig fertigzustellen.

Das Space-Shut­tle

Er über­reich­te mir eine detail­lier­te tech­ni­sche Zeich­nung mit der Dar­stel­lung eines Space Shut­tle, an dem er mit­ge­ar­bei­tet und Kon­struk­ti­ons­vor­schlä­ge zur bes­se­ren Gewichts­ver­tei­lung gemacht hat­te. Auf­grund sei­ner Leis­tun­gen und einer Viel­zahl von Paten­ten war er im Jah­re 1985 von der NASA zum Erfin­der des Jah­res ernannt wor­den. Die Chal­len­ger-Kata­stro­phe 1986 war für ihn Anlass, sich Gedan­ken über bes­se­re Dich­tun­gen für die Fest­stoff-Boos­ter-Rake­ten zu machen. Inter­es­sant war auch unse­re Dis­kus­si­on über die Antriebs­tech­nik der neu­es­ten Spionageflugzeuge.

Stau­strahl­trieb­werk, hm …

Die SR-71, die Mach 3 – also drei­fa­che Schall­ge­schwin­dig­keit erreicht hat­te, war gera­de außer Dienst gestellt wor­den. Über das Nach­fol­ge­mo­dell, das noch wesent­lich schnel­ler sei, etwa Mach 5 oder 6, dür­fe er nicht viel sagen, weil es noch geheim gehal­ten wer­de, aber so viel kön­ne er ver­ra­ten: Sein Antrieb sei ein Ram-Jet, ein Stau­strahl­trieb­werk, das kei­ne beweg­ten Tei­le habe. – In den Jah­ren nach sei­nem Aus­schei­den aus dem Unter­neh­men hat­te sich von Pra­ge­nau als frei­er Bera­ter und Kon­su­lent betä­tigt, haupt­säch­lich für sei­nen frü­he­ren Arbeit­ge­ber. Geor­ge Land­wehr von Pra­ge­nau – wie er mit vol­lem Namen genannt wur­de – war glück­lich ver­hei­ra­tet, Vater von fünf Töch­tern und von zwei Söh­nen. Er starb 2013.

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Quel­len für Inter­es­sier­te: https://en.wikipedia.org/wiki/George_Landwehr_von_Pragenau und in Deutsch: https://de.wikibrief.org/wiki/George_Landwehr_von_Pragenau

Noch was: Der Rocket Park am Reds­tone Arse­nal in Hunt­sville, Ala­ba­ma, ist einen Besuch wert!

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