Begegnungen: Mária Telkes (1900 – 1995)

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Am 12.12.2022 hat Goog­le einer beson­de­ren Ame­ri­ka­ne­rin mit unga­ri­schen Wur­zeln ein Dood­le gewid­met. Die Salz­bur­ger Nach­rich­ten heben die Pio­nier­ar­beit die­ser Wis­sen­schaft­le­rin her­vor, die sie in der Nut­zung von Solar­ener­gie geleis­tet hat (Arti­kel sie­he hier). Sie war eine der ers­ten, der es gelang, mit Solar­ener­gie ein Wohn­ge­bäu­de zu behei­zen, das „Dover Sun House“, das nach Plä­nen der Archi­tek­tin Ele­a­n­or Ray­mond bereits im Jah­re 1948 errich­tet wor­den war und für das sie das Ener­gie­kon­zept ent­wor­fen hat­te. – Vor vie­len Jah­ren hat­te ich das Ver­gnü­gen, ihr per­sön­lich zu begegnen.

Mária Tel­kes wur­de in Buda­pest gebo­ren, stu­dier­te an der dor­ti­gen Uni­ver­si­tät phy­si­ka­li­sche Che­mie und mach­te 1924 ihr Dok­to­rat. Im glei­chen Jahr wan­der­te sie in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten aus. Ihr Tätig­keits­be­reich war ihr gan­zes Leben lang sehr viel­fäl­tig und nicht auf Solar­ener­gie begrenzt. So arbei­te­te sie eine Zeit­lang als Bio­phy­si­ke­rin und ent­wi­ckel­te Appa­ra­tu­ren zur Mes­sung von Hirn­strö­men, ande­rer­seits war sie auch in der Metall­ur­gie tätig. Zu ihren Wir­kungs­stät­ten zähl­ten For­schungs­ein­rich­tun­gen in der Indus­trie und an Uni­ver­si­tä­ten wie dem Mas­sa­chu­setts Insti­tu­te of Tech­no­lo­gy (MIT).

Sola­re Destil­la­ti­on zur Trinkwassergewinnung

Wie sehr vie­le ande­re Wis­sen­schaft­ler im zwei­ten Welt­krieg stell­te auch sie sich in den Dienst ihrer neu­en Hei­mat. Selbst in die­ser Zeit ließ sich das The­ma Nut­zung der Solar­ener­gie nicht los. Für Mari­ne und Armee ent­wi­ckel­te sie ein klei­nes solar­ener­gie­be­trie­be­nes Gerät, das in der Lage war, aus Meer- oder Schmutz­was­ser mit­tels Destil­la­ti­on sau­be­res Trink­was­ser zu erhal­ten. Es soll­te Schiff­brü­chi­gen und Ver­spreng­ten hel­fen, über­le­ben zu kön­nen. Aus den vor­lie­gen­den Quel­len geht nicht ein­deu­tig her­vor, ob das Gerät tat­säch­lich ein­ge­setzt wor­den ist oder für den Kriegs­dienst zu spät kam.

Nut­zung laten­ter Wärme …

Als mir ihr Name das ers­te Mal unter­kam, war ich gera­de acht­zehn Jah­re alt. In einer Buch­aus­ga­be von Time Life mit dem Titel „Wun­der der Wis­sen­schaft – Die Maschi­nen“ fand sich ihr Bild, in ihrer Rech­ten ein Glas mit einer von ihr ent­wi­ckel­ten Salz­mi­schung, vor ihr ein Behäl­ter für den Trans­port des emp­find­li­chen Steue­rungs­sys­tems einer Pola­ris-Rake­te, der durch Aus­nut­zung der laten­ten Wär­me des Salz­ge­mi­sches ohne Zufuhr von elek­tri­scher Ener­gie fünf Tage lang auf kon­stan­ter Tem­pe­ra­tur gehal­ten wer­den konn­te. Tel­kes arbei­te­te damals in der For­schungs­ab­tei­lung des Her­stel­lers der­ar­ti­ger Transportbehälter.

… vor allem zur Spei­che­rung von Solarwärme

Genau die­se Sal­ze waren ein wich­ti­ger Angel­punkt im Schaf­fen von Maria Tel­kes. Schon beim „Dover Sun House“ hat­te sie mit Salz gefüll­te Spei­cher­tanks ein­ge­setzt, die durch Son­nen­ein­strah­lung direkt und durch in Kol­lek­to­ren erhitz­te Luft indi­rekt auf­ge­la­den wur­den. Das Salz schmolz, indem es Wär­me auf­nahm und erstarr­te wie­der, wenn es Wär­me abgab. In der Pra­xis taten sich aber zwei Pro­ble­me auf: Ers­tens war das Salz che­misch aggres­siv und griff die Stahl­be­häl­ter an, die leck wur­den. Zwei­tens wur­de das Salz nach einer bestimm­ten Zahl von Lade- und Ent­la­de­zy­klen fest und konn­te nicht mehr ver­wen­det wer­den. Aber Maria Tel­kes gab nicht auf.

Begeg­nung im „Solar One“

Im Mai 1976 bin ich ihr dann im Rah­men einer Rei­se­grup­pe begeg­net. Wir, teils Wis­sen­schaft­ler und teils Unter­neh­mer, die sich für Solar­ener­gie­nut­zung inter­es­sier­ten, besuch­ten auch das „Solar One“, ein Solar­haus in Wilm­ing­ton im Bun­des­staat Dela­ware. Ein Haus mit Salz­spei­cher und Solar­kol­lek­to­ren, die nicht nur Wär­me, son­dern auch Strom erzeug­ten. Plötz­lich stand sie da, geschmückt mit einer Hals­ket­te mit unüber­seh­ba­rem Son­nen­sym­bol und gab bereit­wil­lig Aus­kunft über jedes Detail des Hau­ses, dem sie ihren Stem­pel auf­ge­drückt hat­te und das von der Uni­ver­si­tät Dela­ware errich­tet wor­den war. Die alten Pro­ble­me mit Insta­bi­li­tät der Sal­ze schie­nen über­wun­den, auch Kor­ro­si­on war für die rohr­för­mi­gen Kunst­stoff­be­häl­ter kein Pro­blem mehr.

Blei­ben­de Eindrücke

Mei­ne dama­li­ge Fra­ge, ob sie auch hin und wie­der ihre alte Hei­mat besu­che, bejah­te sie lächelnd. Im Jah­re 1995 ist sie dann – hoch­ge­ehrt und als Trä­ge­rin vie­ler Aus­zeich­nun­gen – in Buda­pest gestor­ben. Zwei Ein­drü­cke blei­ben: Ein­mal mei­ne Hoch­ach­tung für eine Frau, die kon­se­quent alle sich bie­ten­den Chan­cen genutzt hat, um ihre Ideen zu rea­li­sie­ren in einer Zeit, in der sol­che Kar­rie­ren für Frau­en auch in Ame­ri­ka nicht selbst­ver­ständ­lich waren. Und mei­ne Bewun­de­rung für das Land, das damals wie heu­te schein­ba­ren Außen­sei­tern und Neu­an­kömm­lin­gen schier unbe­grenz­te Mög­lich­kei­ten zu bie­ten hat­te und hat, so die­se bereit waren oder sind, die­se zu ergreifen …

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