Was macht altgediente Sachverständige interessant?

SV

Das, was folgt, gilt nicht nur für mich, son­dern in glei­chem Maß für vie­le Sach­ver­stän­di­ge, die in ihrem Metier schon eine gan­ze Wei­le – sagen wir wenigs­tens zwan­zig Jah­re – fort­lau­fend aktiv beschäf­tigt sind. Jeder von uns ist durch vie­le Gerichts­ver­fah­ren gegan­gen, hat mit unter­schied­lichs­ten Auf­ga­ben und Pro­ble­men, aber auch mit Men­schen aus allen mög­li­chen sozia­len Hin­ter­grün­den zu tun gehabt. Aber inter­es­san­ter­wei­se hat sich bei kei­nem, den ich aus die­sen Grup­pen ken­ne, so etwas wie resi­gna­ti­ve Rou­ti­ne ein­ge­schli­chen. Sie sind alle­samt hell­wach, wenn sie mit neu­en Auf­ga­ben kon­fron­tiert werden.

So ist es mir zumeist ein Ver­gnü­gen, mich mit die­sen alt­ge­dien­ten, aber akti­ven Kol­le­gen aus­zu­tau­schen, mit ihnen zu dis­ku­tie­ren, Pro­ble­me zu erör­tern. Jeder hat sein eige­nes Netz­werk an guten Kon­tak­ten, jeder ist bereit, ohne Wenn und Aber dem ande­ren im Rah­men sei­ner Mög­lich­kei­ten zu hel­fen. Der Fun­dus an Erfah­run­gen scheint uner­schöpf­lich, Posi­ti­ves wie Nega­ti­ves wird offen ange­spro­chen, die meis­ten sind in der glück­li­chen Posi­ti­on, nicht auf Bie­gen und Bre­chen auf Erfolgs­hatz sein zu müs­sen. Jeder sieht sich daher neue Her­aus­for­de­run­gen sehr genau an, bevor er sie annimmt.

Gelas­sen­heit

Die Alt­ge­dien­ten arbei­ten ger­ne. Aber kei­ner von ihnen lässt sich ein­span­nen für Arbei­ten, die er nicht ger­ne macht, im Regel­fall selbst dann nicht, wenn finan­zi­el­le Rei­ze locken. Zu wert­voll scheint die Zeit, zu unnö­tig der Stress, der damit ver­bun­den wäre. Die zuvor erwähn­ten Her­aus­for­de­run­gen wer­den dann ger­ne ange­nom­men, wenn sie in das Feld der Exper­ti­se pas­sen. An sie wird zumeist mit Gelas­sen­heit her­an­ge­gan­gen, Hast und Eile sind ver­pönt, unnö­ti­ge Auf­re­gung erst recht. Gut Ding braucht Wei­le. Der gro­ße Vor­teil für Auf­trag­ge­ber liegt dar­in, dass Lösun­gen wohl­über­legt und ziel­ge­nau sind, ein Noch­mal-von-vorn ist meist nicht erforderlich.

Men­schen­kennt­nis

Pro­ble­me von Kun­den sind viel­schich­tig, mal lie­gen Ursa­chen in ope­ra­ti­ven Berei­chen, sprich, sie sind im Zuge von Pro­jekt­ab­wick­lun­gen ent­stan­den, ein ande­res Mal sind die stra­te­gi­schen Ziel­set­zun­gen unter­schied­lich und füh­ren zu Kon­flik­ten. Zumeist aber haben Aus­ein­an­der­set­zun­gen ganz bana­le Ursa­chen, näm­lich die, dass Men­schen nicht mit­ein­an­der umge­hen kön­nen. Alte Kol­le­gen beherr­schen zumeist die Fähig­keit, ihre eige­ne Per­son zurück­zu­neh­men und sich nicht für über­trie­ben wich­tig zu erach­ten. Das befä­higt sie, schlich­tend und mode­rie­rend einzugreifen.

Auf­rich­tig­keit

Nicht alles, was erstre­bens­wert erscheint, muss des­halb nutz­brin­gend sein. Das gilt auch für Kun­den und Kli­en­ten. Älte­re Kol­le­gen kön­nen zumeist sehr gut unter­schei­den zwi­schen dem, was Kun­den wol­len und dem, was sie wirk­lich brau­chen. Sie haben nicht nur den Mut, son­dern auch das Bedürf­nis, auf die­se Diver­gen­zen hin­zu­wei­sen und sich in offe­ne und rück­halt­lo­se Dis­kus­sio­nen ein­zu­las­sen. Ihnen ist lie­ber, sie stei­gen aus einem Ver­trag aus, als dass sie Din­ge aus­füh­ren müs­sen, von denen sie über­zeugt sind, dass die­se den Kun­den letzt­lich nicht oder nur wenig nützen.

Rat­ge­ber

Sehr vie­len älte­ren Kol­le­gen ist es ein gro­ßes Anlie­gen und eine auf­rich­ti­ge Freu­de, jun­gen Fach­kol­le­gen dabei zu hel­fen, in ihrem Beruf oder in der Sach­ver­stän­di­gen­tä­tig­keit fuß­zu­fas­sen. Es geht dabei nicht nur um das Ver­mit­teln von Fach­kennt­nis und das Wei­ter­ge­ben von guten oder leid­vol­len Erfah­run­gen, son­dern in sehr gro­ßem Maße um Ermu­ti­gung und das Bestär­ken von rich­ti­gen Ein­stel­lun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen. Jun­ge Leu­te sind im Regel­fall sehr dank­bar dafür und es ist für Rat­ge­ber und Men­to­ren ein wun­der­ba­res Gefühl, den Erfolg eines Schütz­lings mit­er­le­ben zu können.

Mehr Medi­en­prä­senz!

Vie­le alt­ge­dien­te Sach­ver­stän­di­ge – ich rede als einer von ihnen – bli­cken auf ein ereig­nis­rei­ches Berufs­le­ben zurück. Die Erfah­run­gen, Erleb­nis­se und Ein­sich­ten eines jeden Ein­zel­nen sind ein­zig­ar­tig und könn­ten für vie­le Men­schen inter­es­sant und wert­voll sein. Sehr weni­ge geben die­se medi­al wei­ter, etwa in Zei­tungs­ar­ti­keln, in Form von Lite­ra­tur oder wie hier in einem Blog. Das ist scha­de! Ich möch­te auf die­sem Weg alle Kol­le­gen, die sich ange­spro­chen füh­len, ermu­ti­gen, in den Medi­en aktiv zu wer­den! Zumin­dest im Inter­net – einen Blog ein­rich­ten oder ein­rich­ten las­sen kos­tet fast nichts!

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