CO2 vermeiden – aber wie?

C

Als „Kli­ma­gas“ oder gar als „Kli­ma­kil­ler“ gebrand­markt ist jenes Koh­len­di­oxid, das in von Men­schen ver­ur­sach­ten Ver­bren­nungs­vor­gän­gen ent­steht. Der Welt­kli­ma­rat ver­langt des­sen dras­ti­sche Redu­zie­rung. Aber wie kann das gelin­gen? Tech­ni­kern ist bewusst, dass fast jeder Ver­bren­nungs­vor­gang ver­bes­sert und der Aus­stoß von CO2 und ande­ren Schad­stof­fen gesenkt wer­den kann. Das wird aber für die ange­peil­ten „Kli­ma­zie­le“ nicht rei­chen. Wel­che Tech­ni­ken für CO2-freie Ener­gie­er­zeu­gung haben wir im Moment zur Ver­fü­gung? Wel­che tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen sind zu erwar­ten? Ver­such einer Bestandsaufnahme.

Schwel­len­län­der wie Chi­na und Indi­en wol­len den Lebens­stan­dard ihrer Men­schen erhö­hen. Eine ent­schei­den­de Rol­le spielt dabei die Erzeu­gung von elek­tri­schem Strom. Aus Publi­ka­tio­nen der Inter­na­tio­na­len Ener­gie­agen­tur in Paris geht her­vor, dass Chi­na im Jah­re 2040 umso viel mehr Strom benö­ti­gen wird, wie heu­te die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, in Indi­en wird der Betrag dazu­kom­men, den heu­te die Euro­pä­er ver­brau­chen. Chi­na, Indi­en und ande­re Län­der set­zen dazu sehr stark auf Koh­le­kraft­wer­ke, weil ihnen Koh­le kos­ten­güns­tig und inner­halb der Lan­des­gren­zen zur Ver­fü­gung steht.

Das wie­der­um zusam­men mit ande­ren Ent­wick­lun­gen erhöht den CO2-Gehalt der Atmo­sphä­re ent­schei­dend: Selbst wenn sämt­li­che Indus­trie­län­der ab 2019 ihren Ener­gie­ver­brauch auf Null stel­len, wird der welt­wei­te CO2-Gehalt wei­ter anstei­gen. Woll­ten wir, dass das nicht geschieht, müss­ten wir recht­zei­tig nach Ener­gie­ar­ten Aus­schau hal­ten, die nicht nur CO2-frei gewon­nen wer­den kön­nen, son­dern zugleich auch mög­lichst bil­lig zur Ver­fü­gung ste­hen müs­sen, da ansons­ten die Schwel­len­län­der kei­nen Anlass haben, von Koh­le wegzukommen.

Erneu­er­ba­re Energiearten

Begin­nen wir mit einer Bestands­auf­nah­me betref­fend Mög­lich­kei­ten zur Strom­erzeu­gung: Natür­lich fällt unser Blick sofort auf mög­lichst umfas­sen­den Ein­satz von erneu­er­ba­rer Ener­gie: Solar­ener­gie­ge­win­nung durch Pho­to­vol­ta­ik ist bereits weit ver­brei­tet, braucht aber ent­spre­chen­de Flä­chen und ist in Bal­lungs­räu­men nur begrenzt ein­setz­bar. Wind­ener­gie wird eben­falls bereits weit­ge­hend groß­tech­nisch ein­ge­setzt und hat schon vie­le Land­schafts­bil­der ver­än­dert. Nicht zu ver­ges­sen natür­lich Was­ser­kraft, die schon seit Beginn der Elek­tri­fi­zie­rung ein­ge­setzt wird. Dazu kommt noch die Ver­bren­nung von Bio­mas­se, die als kli­ma­neu­tral gewer­tet wird. Auf eini­ge Nischen­ar­ten wie Gezei­ten­en­er­gie, sei noch hingewiesen.

Her­aus­for­de­run­gen und Gren­zen der Erneuerbaren 

Alle die­se erneu­er­ba­ren Ener­gie­ar­ten wer­den nicht nur in den Industrie‑, son­dern auch in auch in ein­zel­nen Schwel­len­län­dern geför­dert und ein­ge­setzt. Aller­dings haben auch alle ihre Begren­zun­gen, ein welt­wei­ter völ­li­ger Umstieg allein auf Erneu­er­ba­re ist wegen deren Begren­zun­gen nicht mög­lich: Solar­ener­gie braucht nicht nur viel Flä­che, son­dern fällt auch nur tags­über an; Wind­ener­gie ist nicht über­all ver­füg­bar und erfor­dert Ein­grif­fe in Natur und Land­schaft; Was­ser­kraft stößt an natür­li­che Gren­zen; Bio­mas­se zur Strom­erzeu­gung erfor­dert teu­re Anla­gen und ist meist ohne För­de­run­gen nicht zu bekom­men. Gezei­ten­en­er­gie ist nur lokal begrenzt verfügbar.

Mit Sicher­heit wer­den wei­ter­hin gro­ße Anstren­gun­gen in Nutz­bar­ma­chung und Ver­brei­tung erneu­er­ba­rer Ener­gien flie­ßen. Fest steht aber, dass aus heu­ti­ger Sicht und mit aktu­el­lem Wis­sens­stand mit erneu­er­ba­ren Ener­gien allein immer nur ein recht klei­ner Teil der­je­ni­gen Ener­gie­men­gen abge­deckt wer­den wird kön­nen, den eine ent­wi­ckel­te Gesell­schaft benötigt.

Eine neue Zukunft für Kernenergie?

Zu den nicht CO2 emit­tie­ren­den Ener­gie­ar­ten zählt auch die Kern­ener­gie. Sie wird etwa in Frank­reich stark ein­ge­setzt, ist aber in wei­ten Tei­len Euro­pas uner­wünscht gewor­den. Dies in der Haupt­sa­che wegen der poten­ti­el­len Gefähr­dung durch Aus­tre­ten von Radio­ak­ti­vi­tät bei Unfäl­len oder bei Natur­ka­ta­stro­phen wie Erd­be­ben. Dazu kommt noch die unpo­pu­lä­re und noch dazu kost­spie­li­ge End­la­ge­rung von kon­ta­mi­nier­tem Mate­ri­al, das in Kraft­wer­ken der ers­ten bis drit­ten Gene­ra­ti­on ange­fal­len ist und noch anfällt.

Mitt­ler­wei­le wird inter­na­tio­nal an neu­en Kern­kraft­werks­kon­zep­ten gear­bei­tet, die man als vier­te Gene­ra­ti­on bezeich­net. Ihre gemein­sa­men Merk­ma­le lie­gen dar­in, dass sie ers­tens kei­ne gefähr­li­chen Über­drü­cke auf­wei­sen, die bei Undicht­hei­ten zu gefähr­li­chen Aus­trit­ten von Radio­ak­ti­vi­tät füh­ren könn­ten und die zwei­tens unkon­trol­lier­ba­ren Vor­gän­ge wie Kern­schmel­zen von vorn­her­ein aus­schlie­ßen. Angeb­lich sol­len auch kei­ne oder nur unbe­deu­ten­de radio­ak­ti­ve Res­te anfal­len, eini­ge der neu­en Anla­gen sol­len sogar radio­ak­ti­ve Res­te ande­rer Anla­gen ver­wer­ten können.

Es gibt unter­schied­li­che Vor­schlä­ge zur Umset­zung, wobei beson­ders jene von Inter­es­se sind, die ein­fa­che und somit kos­ten­güns­ti­ge Lösun­gen ver­spre­chen, die daher für die genann­ten Schwel­len­län­der inter­es­sant sein könn­ten. Als Rea­li­sie­rungs­ho­ri­zont bis zur Ein­satz­rei­fe die­ser Tech­no­lo­gien wird das Jahr 2030 genannt.

Kommt die gezähm­te H‑Bombe?

In noch wei­te­rer Fer­ne lie­gen die bereits jahr­zehn­te­al­te Bemü­hun­gen um Ener­gie­ge­win­nung aus Kern­fu­si­on (Kern­ver­schmel­zung). Damit soll eine „Son­nen­hit­ze“ erzeugt und dar­aus Strom gewon­nen wer­den. Die­se Art Ener­gie­ge­win­nung exis­tiert schlicht noch nicht. Aller­dings ist in Süd­frank­reich im Rah­men eines welt­weit mit hohen Beträ­gen geför­der­ten Pro­jekts ein Ver­suchs­re­ak­tor in Bau, der im Jah­re 2025 erst­mals zün­den soll. Der prak­ti­sche Ein­satz ist noch mehr Jah­re wei­ter weg. Denn es sind noch eine gro­ße Zahl tech­ni­scher Pro­ble­me zu lösen. Das erzeug­te Plas­ma ist so heiß, dass es in einem Magnet­feld schwe­bend gehal­ten wer­den muss, weil jeder irdi­sche Werk­stoff sofort ver­damp­fen wür­de. Ein gro­ßer Vor­teil der Anla­ge bestün­de dar­in, dass kein radio­ak­ti­ver Abfall anfällt.

Zurück in die Gegenwart!

Was kön­nen wir kon­kret tun, um CO2 ein­zu­spa­ren? Ich las­se hier alle Ideen auf dem Niveau Schwei­ne­schnit­zel-Ver­zicht, Selbst­kas­tei­ung und S.U.V.-Attacken bei­sei­te und kon­zen­trie­re mich auf tech­ni­sche Aspek­te. Im Grun­de genom­men geht es beim Ver­mei­den von unnö­ti­gem Ener­gie­ver­brauch aus tech­ni­scher Sicht immer wie­der um eine Ent­schei­dung zu zwei Fra­gen: Bin ich effek­tiv? (soll hei­ßen: Mache ich das Rich­ti­ge?) Bin ich effi­zi­ent? (Mache ich es richtig?)

Je ein Bei­spiel zum bes­se­ren Ver­ständ­nis: So wäre unter Effek­ti­vi­tät gemeint, sich zu über­le­gen, ob man bestimm­te Ansprü­che wirk­lich auf­recht­erhal­ten will oder ob es weni­ger auch tut. (Muss mein Wohn­zim­mer rund um die Uhr mit 25 Grad beheizt wer­den oder tun es auch 22 Grad mit zusätz­li­cher Absen­kung in der Nacht?) Und unter Effi­zi­enz wäre zu ver­ste­hen, dass man Tätig­kei­ten wie etwa Wege für Besor­gun­gen der­art koor­di­niert, dass man dazu gemein­sam ein Fahr­zeug benut­zen kann.

Jeder von uns ist schon aus Grün­den der Rück­sicht auf sei­ne Geld­bör­se zum spar­sa­men (also effek­ti­ven und effi­zi­en­ten) Umgang mit Ener­gie ange­hal­ten. Mer­ke: Wer weni­ger Ener­gie ver­braucht, spart Geld und schont noch dazu die Umwelt, auch durch Ver­mei­dung von CO2. Letz­te­res ist also für uns Men­schen aus der west­li­chen Welt immer sinn­voll, selbst dann, wenn mit die­sem Bei­trag das glo­ba­le Kli­ma nicht geret­tet wer­den kann …

Weitere Beiträge

Kategorien

Suche

Archiv

Stichwörter