Verhandeln und der Nutzen der Wahrheit

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Wenn es eine Fer­tig­keit gibt, die Selbst­stän­di­ge oder Unter­neh­mer zum wirt­schaft­li­chen Über­le­ben auf­wei­sen müs­sen, dann ist es soli­des Ver­hand­lungs­ge­schick. Abge­se­hen von Rechts­an­wäl­ten, bei denen Streit zum Berufs­le­ben gehört, wird aber kaum jemand frei­wil­lig argu­men­ta­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zun­gen trai­nie­ren wol­len. Tech­ni­ker schon gar nicht, sind das doch eher Men­schen, die auf Kon­sens aus sind. Natür­lich gibt es eini­ge, die ger­ne ver­han­deln, weil es ihrem Natu­rell ent­springt. Aber einer gefühl­ten Mehr­heit ist es ein Gräu­el, sich in einer Sache durch­set­zen zu müs­sen, sei es in eige­ner Sache oder für einen Klienten.

Ver­han­deln kann anstren­gend sein

Ein Grund, war­um Ver­han­deln wenig beliebt zu sein scheint: Es kann anstren­gend sein. Nicht unbe­dingt kör­per­lich, das viel­leicht eher nur am Ran­de. Nein, anstren­gend des­halb, weil es erst ein­mal sorg­fäl­ti­ge Vor­be­rei­tung braucht. Denn wer ver­han­delt, muss sei­ne Zie­le ken­nen, sei­ne Gren­zen an Zuge­ständ­nis­sen, sei­ne mög­li­chen Alter­na­ti­ven. Wer mit einer oder für eine Grup­pe ver­han­delt, muss vor­her für Abglei­chung sor­gen und dafür, dass nur mit einer Stim­me gespro­chen wird. Und letzt­lich braucht es natür­lich Aus­dau­er und Beharr­lich­keit, wenn dann die Argu­men­te auf­ein­an­der­tref­fen. Das alles ist nichts Neues.

Vie­le füh­len sich metho­disch nicht gerüstet

Vie­le füh­len sich schon in metho­di­scher Hin­sicht oder in ihrer Ver­hand­lungs­tech­nik nicht aus­rei­chend gewapp­net, in einer Ver­hand­lung erfolg­reich bestehen zu kön­nen. Häu­fig tritt auch die Angst auf, den zu erwar­ten­den psy­cho­lo­gi­schen Tricks der ande­ren Sei­te nicht gewach­sen zu sein. Man wür­de halt eine ordent­li­che Schu­lung benö­ti­gen und ein inten­si­ves Trai­ning, dann sähen die Erfolgs­chan­cen in der nächs­ten Aus­ein­an­der­set­zung ganz anders aus. Doch das hät­te man schon lan­ge vor­her tun müs­sen, eben jetzt, wo der nächs­te Show­down ansteht, rei­che die Zeit dafür lei­der nicht mehr aus.

Nicht alles lässt sich lernen

Natür­lich gibt es Semi­na­re, in denen Ver­han­deln erlernt wer­den kann, auch zahl­rei­che Lite­ra­tur ist ver­füg­bar und gewiss lässt sich dar­aus Brauch­ba­res gewin­nen, zumin­dest eini­ge wich­ti­ge Grund­sät­ze oder Stra­te­gien und Tak­ti­ken. Etwa die Aus­sa­ge von Herb Cohen, wonach man für den Erfolg die drei Fak­to­ren Zeit, Infor­ma­ti­on und Macht beach­ten soll­te. Aber es ist eine ande­re Sache, sol­che Grund­sät­ze erfolg­reich anzu­wen­den, wenn aus dem spie­le­ri­schen gedank­li­chen Geplän­kel Ernst wird und die schnel­le Ein­sicht folgt, dass das schön gedrech­sel­te Argu­men­ta­ti­ons­kon­zept gleich zu Beginn über den Hau­fen gewor­fen wer­den muss.

Bei der Wahr­heit blei­ben ist einfacher

Was also tun im Beden­ken aller die­ser Über­le­gun­gen im Ange­sicht einer bevor­ste­hen­den Ver­hand­lung? Gründ­li­che fach­lich-sach­li­che Vor­be­rei­tung wur­de schon ein­gangs erwähnt. Dann das genaue Ver­hand­lungs­ziel fest­le­gen, die Spiel­räu­me und vor allem die Gren­zen, ab denen ein Abbruch not­wen­dig wird. Für die Bespre­chung selbst: Kei­ne Falsch­hei­ten, Ver­zicht auf jeg­li­che fie­sen Tricks, in allen Äuße­run­gen strikt bei der Wahr­heit blei­ben, egal, wor­über ver­han­delt wird! Ist das naiv? Nein, die Erfah­rung lehrt, dass das Leben mit der Wahr­heit anfangs viel­leicht anstren­gen­der, letzt­end­lich aber wesent­lich ein­fa­cher ist.

Der Nut­zen für den Gegenüber

Was aber ist dann zu tun, wenn die hand­fes­ten Moti­ve für mein Ver­hand­lungs­ziel der ande­ren Sei­te gar nicht schme­cken wer­den und eine Ableh­nung schon vor­pro­gram­miert ist? Ein­fa­che Ant­wort: Jene Argu­men­te vor­be­rei­ten, die der ande­ren Sei­te zei­gen, wel­chen gro­ßen Nut­zen und wel­che vie­len klei­ne­ren Vor­tei­le sie hat, wenn sie auf mei­nen Vor­schlag ein­geht und mei­ne Aus­sa­gen gut begrün­den. Mei­nen eige­nen Gewinn kann ich danach auch zei­gen, um dar­zu­stel­len, dass bei­de Sei­ten pro­fi­tie­ren wer­den. Was, Sie haben der ande­ren Sei­te gar kei­nen ech­ten Nut­zen anzu­bie­ten? Sie soll­ten bes­ser nicht verhandeln …

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