Wer mit Heizkreisen zu sehr knausert …

Micro

… kann mäch­tig drauf­zah­len. Eine äußerst schmerz­li­che Kon­se­quenz von Spar­sam­keit am fal­schen Ort hat­te ein Instal­la­teur (oder bes­ser gesagt: sei­ne Haft­pflicht­ver­si­che­rung) aus­zu­ba­den. Zwar ist gegen Ein­satz spar­sa­mer im Sin­ne res­sour­cen­scho­nend gebau­ter Haus­tech­nik grund­sätz­lich nichts ein­zu­wen­den, so sie ihren vor­ge­se­he­nen Zweck in aus­rei­chen­dem Maß erfüllt. Man krönt die­ses noble Bestre­ben mit Schlag­wor­ten wie Effi­zi­enz oder Nach­hal­tig­keit. Den also an sich lobens­wer­ten Zug zu tech­ni­scher Schlicht­heit soll­te man aber nicht in der Wei­se über­trei­ben, wie dies in unse­rem Fall geschah.

Dabei lag die Wur­zel des Unheils zunächst gar nicht so sehr beim Instal­la­teur, son­dern eher beim Bau­herrn. Para­do­xer­wei­se sind es oft gera­de die Erbau­er von ver­gleichs­wei­se hoch­wer­ti­gen und mit Luxus­at­tri­bu­ten ver­se­he­nen Domi­zi­len, die eher mini­ma­lis­ti­schen Ansät­zen zunei­gen, sobald es bei Aus­stat­tung ihrer Blei­be um die Qua­li­tät jener haus­tech­ni­schen Ele­men­te geht, die nicht direkt sicht- oder her­zeig­bar sind. Ob es nun schlech­ter Bera­tung zuzu­schrei­ben war oder ein­fach der Tat­sa­che, dass für das qua­li­ta­tiv bes­se­re Ange­bot das Geld nicht gereicht hät­te – zum Zug kam letzt­lich nicht der Bes­te, son­dern der Billigste.

Wohn-Luxus trifft Installations-Minimalismus

Der aus­er­wähl­te Instal­la­teur schritt als­bald zur Tat. Die Hei­zungs­tech­nik mit Außen­luft-Wär­me­pum­pe wur­de instal­liert, für die Wär­me­ab­ga­be des Nied­rig­ener­gie­hau­ses wur­de eine Fuß­bo­den­hei­zung vor­ge­se­hen. Aus einem Zwang zur Ein­fach­heit her­aus wur­den die bei­den Heiz­kreis­ver­tei­ler gleich im Heiz­raum instal­liert, der für das Ober­ge­schoß knapp unter­halb der Decke. Dabei ist von Bedeu­tung, dass der Heiz­raum in einer Außen­ecke des Gebäu­des lag, letz­te­rer Ver­tei­ler in der Außen­ecke des Heiz­raums und damit des Gebäu­des, eine Kon­fi­gu­ra­ti­on, die sich gelin­de gesagt ungüns­tig bemerk­bar machen sollte.

Ein guter Rat aus wei­ter Ferne

Als es dann zur Ver­le­gung der Heiz­krei­se kam, sah sich die Mon­ta­ge­par­tie vor Ort einer beson­de­ren Art von Stress­test unter­zo­gen: Ein Ver­le­ge­plan exis­tier­te erst gar nicht, wozu auch, waren doch am Ver­tei­ler für das Ober­ge­schoß für die vor­han­de­nen Räu­me ganz offen­sicht­lich ein oder gar zwei Krei­se zu wenig vor­han­den. Der Rat des Chefs, den der tele­fo­ni­sche Hil­fe­ruf sei­ner Getreu­en bei ver­dien­ter Erho­lung an den Gesta­den des Mit­tel­meers erreicht hat­te, lau­te­te sim­pel, man müs­se mit dem Ver­tei­ler aus­kom­men, der da sei, man sol­le dafür halt die weni­gen Heiz­krei­se etwas län­ger machen. Alles ganz einfach.

Den Letz­ten bei­ßen die Hunde

Die fern­münd­li­che Emp­feh­lung kam den Mit­strei­tern vor Ort durch­aus zupass und erfüll­te auch ihren Zweck. Denn die Lage des Heiz­kreis­ver­tei­lers im äußers­ten Eck und nicht wie üblich in Gebäu­de­mit­te erzwang ohne­hin lan­ge Anschluss­lei­tun­gen zu den ein­zel­nen Räu­men. Dadurch stieg deren Flä­chen­an­teil zu Las­ten der Heiz­krei­se umso mehr, je näher der Raum zum Ver­tei­ler hin lag. Im letz­ten konn­te vor lau­ter Anschluss­lei­tun­gen gar auf einen eige­nen Heiz­kreis ver­zich­tet wer­den. Pech nur, dass die­se Ein­schrän­kung genau das groß­zü­gi­ge Bade­zim­mer traf. Den Letz­ten bei­ßen halt lei­der die Hun­de, auch in der Heizungstechnik.

Ein im Dop­pel­sinn coo­les Badezimmer 

Eine geziel­te Behei­zung ein­zel­ner Räu­me im Ober­ge­schoß erwies sich mit Aus­nah­me der weni­gen ohne Anschluss­lei­tun­gen als prak­tisch unmög­lich. Ein beson­de­res Pro­blem stell­te das Bade­zim­mer dar. Wegen der ten­den­zi­ell gerin­ge­ren Nut­zung von Kin­der­zim­mern, Arbeits­die­le und Schlaf­zim­mer im Ober­ge­schoß blieb das nord­sei­tig gele­ge­ne Bade­zim­mer schlicht und ergrei­fend durch­wegs zu kalt. Da half auch der Spros­sen­heiz­kör­per nicht mehr, weil er wegen Anbin­dung an die Fuß­bo­den­hei­zung nicht nur kei­nen nen­nens­wer­ten Heiz­bei­trag lie­fern konn­te, son­dern schon Schwie­rig­kei­ten hat­te, Hand­tü­cher tro­cken zu bekommen.

Alles von vorn!

Bemüh­te und wort­reich begrün­de­te Abhil­fe­maß­nah­men des Instal­la­teurs erwie­sen sich als wir­kungs­los. Letzt­lich such­te der Bau­herr sein Heil in juris­ti­scher Erlö­sung anstatt in wei­te­ren ver­geb­li­chen tech­ni­schen Lösungs­ver­su­chen und pil­ger­te zu Gericht. Vor­sorg­lich hat­te er sich vom Bau­meis­ter schon die Kos­ten für den Abbruch des gesam­ten Fuß­bo­den­auf­baus und des­sen Neu­errich­tung geben las­sen. Mit­samt allen Neben­ar­bei­ten, De- und Wie­der­mon­ta­gen etwa fünf­und­drei­ßig­tau­send Euro. Dazu waren die noch unbe­kann­ten Beträ­ge für mehr­wö­chi­ge Hotel­un­ter­kunft der Fami­lie und Aus­la­ge­rung des Mobi­li­ars zu rechnen.

Fazit

Sach­ver­stän­di­ge für Bau­we­sen und Haus­tech­nik bestä­tig­ten den ver­an­schlag­ten Auf­wand. Ände­run­gen? Der Fuß­bo­den­hei­zungs­ver­tei­ler wan­der­te in Gebäu­de­mit­te, wo er hin­ge­hör­te. Anschluss­lei­tun­gen aller Heiz­krei­se ver­blie­ben in Gang und Die­le, die Heiz­krei­se in den ein­zel­nen Räu­men waren unge­stört voll­flä­chig ver­legt. Das Bade­zim­mer erfreu­te sich sei­nes eige­nen Heiz­krei­ses, der Spros­sen­heiz­kör­per erhielt einen Elek­tro-Heiz­ein­satz. Hirn­ar­beit halt. Wäre es dem Instal­la­teur teu­rer gekom­men, hät­te er es gleich rich­tig gemacht? Bestimmt nicht, wenn man die ange­fal­le­nen Gerichts­kos­ten mit in Rech­nung stellt …

Bild: © Dipl.-Ing. J. H. Rein­hold Stein­ber­ger, www.microtool.at

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