Ein widerborstiges Paar

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Pfeile

Der Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gie zur Behei­zung eines Wohn­hau­ses ist schon was Fei­nes: Ers­tens, weil man damit der Umwelt Gutes tut und damit dem eige­nen mora­li­schen Wohl­be­fin­den und zwei­tens, weil man erwar­ten darf, mit der Inves­ti­ti­on auf län­ge­re Sicht beträcht­li­che Kos­ten zu spa­ren. Was also liegt näher, als sei­nen alten ölbe­feu­er­ten Zen­tral­hei­zungs­kes­sel gegen eine neue Wär­me­pum­pen­an­la­ge mit Erd­kol­lek­tor zu tau­schen? Eine Rou­ti­ne­an­ge­le­gen­heit heut­zu­ta­ge. Das dach­te sich auch der Besit­zer eines statt­li­chen Ein­fa­mi­li­en­hau­ses, bis die neue Anla­ge wegen tech­ni­scher Har­mo­nie­pro­ble­me vor Gericht landete.

Einem alt­her­ge­brach­ten bibli­schen Wort zufol­ge soll­te man neu­en Wein nicht in alte Schläu­che gie­ßen, denn der neue Wein könn­te die alten Schläu­che über­be­an­spru­chen und am Ende gin­ge der Wein ver­lo­ren. Die Rede­wen­dung lie­ße sich auf die Hei­zungs­tech­nik umle­gen: Man soll nicht unüber­legt erneu­er­ba­re Ener­gie in alte Hei­zungs­an­la­gen lei­ten, denn das könn­te zu Ver­lus­ten füh­ren an Ener­gie und damit an Geld. Will hier hei­ßen: Wenn eine neu errich­te­te Wär­me­pum­pen­an­la­ge Ener­gie für ein bestehen­des Hei­zungs­netz lie­fern soll, ist gro­ße Vor­sicht geboten.

Män­gel­lis­te und Klagepunkte

Die Kla­ge des Haus­herrn war umfang­reich: Nach Auf­nah­me des Heiz­be­trie­bes hät­te man schon im ers­ten Win­ter die unzu­rei­chen­de Erwär­mung der Wohn­räu­me beklagt. Viel­fa­che Ände­run­gen an der Wär­me­pum­pen­steue­rung hät­ten nichts gefruch­tet, im zwei­ten Win­ter hät­te gar deren defek­ter Kom­pres­sor getauscht wer­den müs­sen. Zudem sei­en die vom Instal­la­teur als maxi­mal zuge­si­cher­ten Strom­kos­ten beträcht­lich über­schrit­ten wor­den. Ledig­lich der nim­mer­mü­de Betrieb des statt­li­chen Kachel­ofens hät­te die Fami­lie vor Unbill des Win­ters bewahrt. Er wol­le nun Inves­ti­ti­ons- und Mehr­kos­ten zurück.

Rou­ti­ne­ar­beit vor Ort

Im Zuge der ört­li­chen Befund­auf­nah­me folg­te die übli­che Arbeit eines vom Gericht beauf­trag­ten Sach­ver­stän­di­gen: Kon­trol­le der Leis­tungs­da­ten der Wär­me­pum­pe am Typen­schild; Fest­stel­lung der Ein­stell­wer­te von Umwälz­pum­pen; Genaue Auf­nah­me von Grö­ße und Bau­art der Heiz­flä­chen, alle­samt der Bau­art nach Kom­pakt- oder Plat­ten­heiz­kör­per, zum Teil hin­ter Sitz­bän­ken oder Schrän­ken ver­baut; Prü­fung des vor­lie­gen­den Gebäu­de­plans auf Über­ein­stim­mung mit der Rea­li­tät; Erhe­bung der Grö­ße und Ver­le­ge­art des Erd­kol­lek­tors; Able­sen von Ver­brauchs­da­ten; Ablich­ten aller inter­es­san­ten Anlagenteile.

Detek­tiv­ar­beit im Büro

Als Haupt­ur­sa­che für die Pro­ble­me wur­de sogleich das Nicht-Zusam­men­pas­sen von Wär­me­quel­le – also Wär­me­pum­pen­an­la­ge – und Wär­me­ab­ga­be – Heiz­kör­per – ver­mu­tet. Dies galt es zu über­prü­fen. Die Aus­le­gung des Erd­kol­lek­tors erwies sich hin­sicht­lich der Höhe der Ent­zugs­leis­tung als grenz­wer­tig und damit nach­tei­lig für den Ener­gie­auf­wand der elek­trisch betrie­be­nen Wär­me­pum­pe. Die Heiz­last des Gebäu­des und die Leis­tung der Heiz­kör­per wur­den für ver­schie­de­ne Bedin­gun­gen errech­net. Die tat­säch­lich erreich­ten Jah­res­ar­beits­zah­len wur­den errech­net, Ener­gie­kos­ten­ver­glei­che erstellt.

Was war hier passiert?

Die nomi­nel­le Leis­tung der Wär­me­pum­pe hät­te leicht aus­ge­reicht, das Haus zu behei­zen, jedoch war die Vor­lauf­tem­pe­ra­tur der Wär­me­pum­pe zu gering. Oder anders gesagt waren die Heiz­flä­chen zu klein, um bei der zur Ver­fü­gung ste­hen­den höchs­ten Vor­lauf­tem­pe­ra­tur der Wär­me­pum­pe das Haus aus­rei­chend erwär­men zu kön­nen. Wär­me­pum­pe und Heiz­kör­per bil­de­ten somit ein unglei­ches, ja wider­bors­ti­ges Paar. Kei­ner der bei­den Anla­gen­tei­le war mit den Leis­tun­gen des ande­ren zufrie­den. Lei­den­der Drit­ter waren die hohen Strom­kos­ten der „über­for­der­ten“ und an der Tem­pe­ra­tur-Leis­tungs­gren­ze lau­fen­den Wär­me­pum­pe und damit der zah­len­de Eigentümer.

Was konn­te man tun, was ler­nen wir daraus?

Drei Lösun­gen boten sich an: Ers­tens die Ver­grö­ße­rung der Heiz­flä­chen, was ange­sichts der bau­li­chen Gege­ben­hei­ten nicht gewünscht wur­de. Zwei­tens der Aus­tausch der Wär­me­pum­pe gegen eine mit höhe­ren Vor­lauf­tem­pe­ra­tu­ren, was der Haus­herr bevor­zug­te. Drit­tens: Alles so belas­sen und in den käl­tes­ten Mona­ten die Zusatz­hei­zung – den Kachel­ofen – akti­vie­ren, Lieb­lings­ver­si­on des Instal­la­teurs. Wor­auf sich die Par­tei­en letzt­lich geei­nigt haben, ist nicht bekannt, der Sach­ver­stän­di­ge wur­de dafür jeden­falls nicht mehr benötigt.

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