Impressionen von der Intersolar 2018

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(Mün­chen) – „Aus­wüch­se der E‑Mobilität“ wäre ein eben­so pas­sen­der Unter­ti­tel für die fol­gen­den Gedan­ken. Denn der Schwer­punkt der Mes­se liegt zwar ein­deu­tig in der Nut­zung von Solar­ener­gie für Gebäu­de, aber die E‑Mobilität drängt sich auch hier ins Ram­pen­licht. Ganz ein­fach des­halb, weil unter Solar­nut­zung mitt­ler­wei­le fast nur mehr von Foto­vol­ta­ik die Rede ist, der Solar­ther­mie wird nur mehr eine Rol­le als mar­gi­na­le Rand­er­schei­nung zuge­stan­den. Und so kom­men die Elek­tro­ve­hi­kel mit ins Spiel, nicht zu Unrecht natür­lich, wobei aber die Sinn­haf­tig­keit man­cher Aus­prä­gun­gen bezwei­felt wer­den darf …

… denn ange­sichts der auf vie­len Stän­den der Mes­se prä­sen­tier­ten Arten­viel­falt fühlt man sich an die Pio­nier­zeit des Kraft­fahr­we­sens erin­nert: Auch damals blüh­te der Erfin­der­geist, der eine statt­li­che Zahl von Vari­an­ten der motor­be­trie­be­nen Fort­be­we­gung mit sich brach­te. Nach einer Markt­be­rei­ni­gung blieb von denen aber letzt­lich nur ein klei­ner Kreis wirt­schaft­lich pro­du­zier- und absetz­ba­rer fahr­ba­rer Unter­sät­ze über. Genau am Beginn einer der­ar­ti­gen Pha­se schei­nen wir der­zeit zu leben, mit dem Unter­schied aller­dings, dass über der heu­ti­gen Sze­ne kein Ben­zin­ge­ruch schwebt.

Aus­ge­nom­men sind hier nach­drück­lich die seriö­sen Vor­rei­ter der neu­en Ära. Denn die Tes­las etwa sind bereits beacht­li­che Play­er in der Auto­mo­bil­welt, denen man nicht nur auf dem Mes­se­ge­län­de begeg­net, son­dern schon in merk­li­cher Anzahl in der frei­en Wild­bahn des Stra­ßen­ver­kehrs. Als Blick­fang auf ein­zel­nen Mes­se­stän­den sind sie aber nach wie vor beliebt, weil sie zu jener Sor­te Elek­tro­au­tos gehö­ren, die wegen ihrer beson­de­ren Form auf­fal­len, wie etwa auch der BMW i3. Das gilt auch dann, wenn der Aus­stel­ler mit E‑Mobilität direkt gar nichts zu tun oder auch nur im Sinn hat.

An der unters­ten Ebe­ne elek­tri­fi­zier­ter Bewe­gungs­freu­de fin­den sich alle Arten von tret­rol­ler­ar­ti­gen Gebil­den, die – sieht man etwa vom Seg­way ab – sehr oft an Schöp­fun­gen krea­ti­ver Bast­ler erin­nern oder an Gemein­schafts­wer­ke von Abschluss­klas­sen tech­nik­af­fi­ner Lehr­an­stal­ten, durch­aus soli­de aus­ge­führt, aber mit beein­dru­cken­der Absenz jeg­li­chen design­be­zo­ge­nen Fein­ge­fühls. Dann natür­lich Fahr­rä­der in jeg­li­cher Kon­fi­gu­ra­ti­on, die man­gels sons­ti­ger Beson­der­hei­ten wenigs­tens in schril­len Far­ben daher­kom­men müs­sen, um über­haupt noch auf­fal­len zu können.

Über­ra­schend zahl­reich ver­tre­ten war auch die Gil­de der so belieb­ten klas­si­schen Motor­rol­ler! Die Ver­tre­ter die­ser luf­ti­gen Fort­be­we­gungs­mit­tel waren aber fast alle­samt in einer inter­es­san­ten Sack­gas­se gefan­gen: Denn ob ihrer mono­to­nen Gleich­ar­tig­keit erschie­nen die flot­ten Zwei­rä­der dem Betrach­ter dem gro­ßen ita­lie­ni­schen Vor­bild nicht etwa nach­emp­fun­den wor­den zu sein, son­dern man hat­te sie von die­sem gera­de­zu skla­visch abge­paust! Mit dem Resul­tat, dass sie abge­se­hen von der Farb­ge­bung nur am Namens­schild unter­schie­den wer­den konnten.

Etwas ent­spann­ter wäre so gese­hen die Lage bei den Motor­rä­dern, die ja eine grö­ße­re For­men­viel­falt auf­wei­sen und damit man­nig­fal­ti­ge­re Kopier­vor­la­gen abge­ben könn­ten. Könn­ten, wie gesagt, denn wenn der cha­rak­te­ris­ti­sche Motor­block weg­fällt, dazu noch der Ben­zin­tank und natür­lich auch die Aus­puff­roh­re, bie­ten Akkus und E‑Motor rein von der For­men­spra­che her gese­hen natür­lich nur einen sehr dürf­ti­gen Ersatz. Irgend­wie ent­steht der Ein­druck von opti­scher Karg­heit. So ähn­lich müs­sen die ägyp­ti­schen Kühe am Ende der sie­ben­jäh­ri­gen bibli­schen Hun­gers­not aus­ge­se­hen haben.

Ja, dann sind da noch Son­der­fäl­le. Die Desi­gner elek­tri­scher Gefähr­te müs­sen einen Nar­ren an allem gefres­sen haben, was sich mit drei Rädern aus­stat­ten lässt. Dar­aus ent­wi­ckel­ten sich wan­deln­de Mach­bar­keits­stu­di­en. Da ist der Tripl, der aus­sieht, als wür­de er einen umge­leg­ten Kühl­schrank vor sich her­schie­ben, der von vor­ne gese­hen an einen schie­len­den Wal erin­nert. Wahr­schein­lich kann er etwas trans­por­tie­ren. Oder da sind Arten von Rik­schas, in Aus­füh­run­gen ent­we­der zum Las­ten­trans­port oder mit geschwun­ge­nem Dach für Pas­sa­gie­re, die auch hier­zu­lan­de asia­ti­sches Flair nicht mis­sen wollen.

Natür­lich gibt es Ähn­li­ches auch in vier­räd­ri­ger Aus­stat­tung, auf ein Rad mehr solls nicht ankom­men. Etwa eine Kate­go­rie Selbst­be­we­ger, die so wir­ken, als hät­ten die Gerä­te aus dem Fit­ness-Cen­ter Räder bekom­men, damit sie auch ein­mal ins Grü­ne fah­ren kön­nen. Mit­samt ihren Kun­den natür­lich, die sich der­weil wei­ter pla­gen kön­nen, im Erschöp­fungs­fall aber E‑Power akti­vie­ren dür­fen. Oder aber Vier­rad­ler, die der Kreu­zung eines Quads mit einem Motor­rol­ler ent­sprun­gen sein müs­sen. Jede Men­ge Erstaun­li­ches also für den Betrach­ter, der Pein­li­ches wie Preis und Lie­fer­zeit gar nicht erst wis­sen will.

Last but not least die rich­ti­gen Autos, PKWs also. Von Tes­la war schon die Rede. Hier wur­de Grund­sätz­li­ches über­legt, Akkus im Fahr­zeug­bo­den, Kof­fer­raum statt Motor­raum etc. Ande­re Her­stel­ler taten sich da schwe­rer. Die hat­ten zwar mehr Zeit, etwa zum Abkup­fern oder gar Nach­den­ken, aber sie blie­ben bei ihren Gewohn­hei­ten. Motor­raum bleibt Motor­raum, jetzt halt elek­trisch, das Übri­ge kann man so las­sen, wie man es als Her­stel­ler gewohnt ist. Nur teu­rer wird halt jetzt alles. Hm. Könn­te man hier­hin nicht ein bis­sel was von dem Ideen­reich­tum trans­fe­rie­ren, der für all die Son­der­ge­fähr­te gebraucht wird, die sicher nie son­der­lich viel Bedeu­tung haben werden?

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