Was man braucht, um ein guter Sachverständiger zu sein

SV

In der Arbeit des Sach­ver­stän­di­gen kommt es bei­lei­be nicht allein auf das an, was er tut, son­dern zumin­dest genau­so wich­tig, wenn nicht wich­ti­ger, ist das, was er ist. Die Rede ist nicht von Äußer­lich­kei­ten, son­dern davon, dass sei­ne Per­sön­lich­keit über sei­nen Erfolg ent­schei­det. In mei­ner Beob­ach­tung kon­zen­trie­ren wir uns aber zu sehr auf unser Tun und inves­tie­ren zu wenig ins Sein. Natür­lich zähl­ten pri­mär Fach­wis­sen und Erfah­run­gen, dar­auf baut ein Exper­te ja auf und die­ses Akti­vum wird auch vom Auf­trag­ge­ber vor­aus­ge­setzt. Doch hier eine Lis­te von wei­te­ren wich­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen, die ein Sach­ver­stän­di­ger haben muss …

… wobei aber genann­te Lis­te nicht von mir sel­ber stammt, son­dern von einem Sach­ver­stän­di­gen­kol­le­gen aus den U.S.A. Dort exis­tiert zwar ein unter­schied­li­ches Rechts­sys­tem mit einer etwas anders gear­te­ten Rol­le des Sach­ver­stän­di­gen, wodurch aller­dings aus mei­ner Sicht unse­re Kol­le­gen dort in ihrer Tätig­keit  wesent­lich stren­ger „gefor­dert“ wer­den als wir Gerichts­sach­ver­stän­di­gen hierzulande.

Trotz die­ser Unter­schie­de oder viel­leicht gera­de auch derent­we­gen ist die hier stich­wort­ar­tig wie­der­ge­ge­be­ne Lis­te von Dan Poyn­ter*) auch für uns sehr auf­schluss­reich und mit Sicher­heit wei­te­rer Beach­tung wert:

Neu­gier haben

Einer, der wis­sen will, war­um gewis­se Din­ge pas­sie­ren. Einer, der ger­ne recher­chiert und etwas aus­tes­tet. Guter Zugang zu siche­ren Wis­sens­quel­len und sich aus­ken­nen, wo und wie etwas zu fin­den ist. Die Fähig­keit, das Gelern­te auf­zu­neh­men und zu bewerten.

Schrei­ben können

Man muss kein Schrift­stel­ler sein aber den­noch die Fähig­keit haben, Gedan­ken aufs Papier zu brin­gen und sich gut aus­zu­drü­cken. Das wich­tigs­te Werk­zeug für jeman­den, der Wis­sen ver­kauft, ist sein Computer.

Ein guter Spre­cher sein

Gute Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten haben, rasch reagie­ren und sei­ne Ansicht klar aus­drü­cken kön­nen, um sei­ne Posi­ti­on zu ver­tei­di­gen. Die Fähig­keit, tech­ni­sche Inhal­te anhand von Bei­spie­len leicht ver­ständ­lich dar­zu­stel­len, sodass die Par­tei­en damit etwas anfan­gen kön­nen. Sprach­ge­wandt­heit und die Fähig­keit, auch unter Druck klar zu denken.

Nach­den­ken, über­le­gen und schluss­fol­gern können

Mit hypo­the­ti­schen Fra­gen umge­hen kön­nen. Rasch und sicher reagie­ren können.

Leh­ren können

Die Fähig­keit, dar­le­gen zu kön­nen, war­um die gefun­de­nen Ergeb­nis­se kor­rekt sind. Ein guter Dar­stel­ler und Prä­sen­ta­tor sein, die Fähig­keit haben, über­zeu­gen zu können.

Medi­en­taug­lich sein

Es liegt ein Rie­sen­un­ter­schied zwi­schen Ehr­lich­keit und Glaub­wür­dig­keit. Das eige­ne Fach­ge­biet und den Gerichts­fall genau ken­nen reicht nicht aus! Man muss fähig sein, alles rich­tig dar­zu­le­gen und zugleich die Zuhö­rer für sich zu gewin­nen. Man muss sym­pa­thisch, begeis­ternd und zugleich über­zeu­gend sein. Man muss das dar­stel­len kön­nen, was man ver­tritt und wor­über man spricht.

Glaub­wür­dig sein

Glaub­wür­dig­keit ent­springt aus der Erfah­rung in einem spe­zi­el­len Fach­ge­biet, aber auch aus Qua­li­fi­ka­ti­ons­nach­wei­sen wie Berufs­ti­teln oder aka­de­mi­schen Gra­den, aus Inte­gri­tät, Fach­wis­sen und Sprech- und Dar­stel­lungs­fä­hig­keit. Es braucht voll­stän­di­ge Objek­ti­vi­tät und Ehrlichkeit.

Das ist ein­mal eine Lis­te grund­le­gen­der Din­ge. Natür­lich kön­nen noch ande­re Aspek­te eine Rol­le spie­len wie etwa beson­de­re Erfah­rung in einem eng begrenz­ten Fach­ge­biet oder aber auch nur die leich­te ört­li­che Verfügbarkeit.

Fazit

Wer Sach­ver­stän­di­ger wer­den will, soll­te sehr genau über­le­gen, ob er die genann­ten Eigen­schaf­ten besitzt. Und wenn nicht, ob er bereit ist, sie zu erwerben.

*) Dan Poyn­ter „The Expert Wit­ness Hand­book – Tips and Tech­ni­ques for the Liti­ga­ti­on Con­sul­tant“, San­ta Bar­ba­ra, 2005

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